Kreuzgang. Spätgotisch sind die großartigen Trümmer des Kreuzgangs, von dem
die ganze Gartenwand samt den Fenstern und den Gewölbeansätzen
noch steht. Zu dem Neubau wurden tüchtige Kräfte herangezogen,
der Baumeister des Grafen Eberhard im Bart von Württemberg, Peter
von Koblenz und sein Gehilfe Martin Hillenbrant von Urach, sowie
der Baumeister des Markgrafen von Baden, Hans Spryß von Zaberfeld.
Taf. 14 zeigt ein Stück der Innenwand des westlichen Flügels, die
Gewölbe sind bis auf die beiden Anfänger zu seiten des Maßwerkfensters
eingestürzt; die Pforte führt auf den Weg, der den Innenhof
mitten durchquert, und jenseits wird die Pforte in den Ostflügel
sichtbar. Taf. 15 gibt einen Ausschnitt des nördlichen Kreuzgangs,
aufgenommen vom Innenhof mit Blick nach Norden; als Rückwand
dieses Flügels diente die Kirche, von der man durch das Fenster noch
die untersten Mauerschichten sieht. An der Südostecke des Kreuzgangs
(Taf. 16) steht noch eine geistreich entworfene Türe, einst vermutlich
zur Bruderhalle des Klosters, jetzt zum sog. Pfarrwäldle und zum OstfMügel
des Schlosses mit der Ulme führend. Neben dieser Türe übersehe
man nicht die Reste eines altromanischen Eingangs mit monolithen
Pfosten und giebelförmigem Sturzbalken nach Art der Türen der
Aureliuskirche und des Vorhofs von St. Peter; nach dem Klosterschema
ist an dieser Stelle die Heizkammer und der Aufgang zum Schlafsaal
zu suchen. Um die Ecke in den Südflügel des Kreuzgangs einbiegend
gelangen wir zu den Resten des Refektoriums, von dessen spätgotischen
Rundbogenfenstern Tafel 17 eine Probe gibt. Die Brunnenkapelle
gegenüber ist nur noch in den Fundamenten erhalten.
Die nach kluniazensischem Muster an den Kapitelsaal angebaute
Marienkapelle. Marienkapelle, das zweite Bethaus und zugleich die Kirche für die
kranken Mönche, ist dem Brand von 1692 entgangen (siehe Taf. 24,
rechts neben dem Schloß). Nach der Inschrift an der nördlichen
Innenwand von dem Meister Martin von Urach in den Jahren 1508 bis
1516 geschaffen, zeigt sie die gediegene Gotik der Uracher Schule
(Taf. 18 bis 20). Dem Äußeren des für seine Zeit bemerkenswert
strengen, großflächigen Baus verleiht der dunkle Sandstein einen
ernsten Charakter. Die kräftigen Strebepfeiler reichen nur bis zu zwei
Dritteln der Höhe, weil nur der untere Teil des zweigeschossigen
Gebäudes ein Gewölbe, der darüber liegende Bibliotheksaal aber eine
Mache Decke hat. Das Innere der Kirche ist weit und wohlräumig,
das nach zuverlässigen Anhaltspunkten erneuerte Gewölbe (1888—1892)
76