Thurm-Projekt für die New-Yorker Ausstellung von 1892.
säle und Zimmer geschieht durch eiserne Regulir-Füllöfen nach
dem System Meidinger.
Die Küchen erhielten praktisch eingerichtete große Sparherde.
Für die Ventilation ist ebenfalls in allen Lokalen vollkommen
Sorge getragen. Die sämmtlichen Aborte sind geräumig und
alle mit Waterklosets sammt Wasserleitung zur Ausspülung ver—
sehen. Die an den Außenseiten angebrachten Senkgruüben wurden
entsprechend groß von Beton hergeftellt, eingewölbt und luftdicht
verschlossen. Der Dachboden des Gebäudes, auf welchem man
über die Hufeisentreppe im Infektionsflügel, sowie über die
grade Treppe im Verwaltungsflügel gelangt, ist ganz frei
und mit Ziegelpflaster versehen.
Das Dach ist ein Satteldach, über welches sich in der
Mitte eine Kuppel erhebt, welche oben mit einem Plateau, das
mit einem eisernen Ziergeländer versehen ist, abgeschlossen wird.
In der Mitte bei dem Kuppeldach erhebt sich eine von
Sandstein hergestellte zierliche Attifa. Die fünf Blitzableitungen
auf dem Gebäude sind nach der neuesten Konstruktion hergestellt
und die mittlere derselben mit den die Himmelrichtungen an—
zeigenden Buchstaben, sowie mit einer Wetterfahne mit der Jahres—
zahl 1889 versehen.
Die Eindeckung des Daches am Hauptgebäude geschah mit
rothem, englischem Schiefer, die zwei Leichenhäuser erhielten Holz—
cementdächer. Die liegende Dachsaumrinne rings um das Gebaͤude,
die Abfallrohre, sämmtliche Kehlen- und Grateinfassungen wurden
vou bestem Zinkblech hergestellt. Auch die sämmtlichen Bäuhandwer—
kerarbeiten sind solid und auf das Sorgfältigste ausgeführt worden.
Auch für die Wasserleitung in dem Gebäude 'ist vollkommen
Sorge getragen, und zwar ist auf dem Berge oberhalb des
Krankenhauses ein großes Sammelbassin errichtet, von welchem
das Quellwasser mittelst eiserner Röhren in das Gebäude ge—
leitet wird. Von dieser Hauptleitung gehen dann Abzweigungen
in die einzelnen Lokale, Bäder und Aborte.
Rings um das Gebäude ist ein Grundwasser-Ableitungskanal
erbaut, in welchen die Schmutzwässer eingeleitet werden, welche
dann in eine große Sammelgrube (Filtrirgrube) geleitet werden,
wo sich dieselben ablagern.
Im rückwärtigen Hofraum ist an der oberen Seite eine
starke Stützmauer hergestellt; der Eingang in den Hofraum ist
bei'm Administrationsflügel durch ein eisernes Thor.
Die Länge des Hauptgebändes beträgt 64m, die mittlere
Trakttiefe 12m; die verbaute Fläche beträͤgt bei dem Kranken—
hause 1192 )Im, bei dem größeren Leichenhause 106 m, bei
dem kleineren 307) m.
Verfasser der Krankenhauspläne ist, wie wir dem „Bau—
techniker“ entnehmen, Baumeister Adolf Bohaty in Trau—
tenau. Den Ban, sowie alle Arbeiten hat Baumeister Carl
Pekarek in Schumburg in Akkord übernommen.
30 Fuß Durchmesser verjüngend. Der Thurm war zusammen—
gesetzt gedacht aus 20 äußeren, geneigten, 11-zölligen schmiede—
eisernen, sogenannten Phoenixsäulen, die in Zwischeuräumen von
ungefähr 30 Fuß durch horizontale Streben verbunden waren,
und jedes der so gebildeten Felder hatte zwei sich kreuzende
»diagonale Streben, welche dem auf 59 Pfund per Quadratfuß
zeschätzten Winddruck entgegenwirken sollten. Man nahm an,
daß die Gesammtbelastung der untersten Reihe Metallsäulen
—W
Thurm befindlichen Personen 5000 Pfund per Quadratzoll nicht
Charles Rinkel's Thurm-Projekt für die Columbus—
Weltausstellung 1892.
(Hierzu eine Abbildung.)
Je mehr und mehr sich der Gedanke einer Weltausstellung
in New-York im Jahre 1892 seiner Verwirklichung nähert, desto
zahlreicher machen sich, schreibt der in New-York erscheinende
„Techniker“, Künstler und Meister mit Vorschlaͤgen geltend, die
helfen sollen, das amerikanische Unternehmen womöglich noch
großartiger und glänzender ausfallen zu lassen, als das von
Frankreich. Der große Thurm zu Paris ist zweifellos ein Er—
folg gewesen und ein dauerndes Monument der Bauingenieur—
kunst, und es ist nicht zu verwundern, daß wir auf unserer
Ausstellung ebenfalls mit einem Thurm glänzen möchten. Wir
sind in der angenehmen Lage, in nebenstehender Abbildung ein
Projekt für einen 1492 Fuß hohen Thurm unseren Lesern vor—
zuführen — ein Entwurf des Herrn Architekten Charl. Kinkel,
Prüs. des Techniker-Vereins zu Washington. Herr Kinkel haf
für das Höhenmaaß die Zahl 1492 gewählt, um an das Jahr
der Entdeckung Amerika's zu erinnern. Wir lafsen nun folgen, was
Herr Kinkel uns über seinen Entwurf sonst noch mitgetheilt hat:
„Die Idee eines 1000 Fuß hohen eisernen Baues, wie sie
im Eiffelthurm auf der Pariser Weltausstellung ihre Verwirk—
lichung gefunden hat, ist nicht neu. Im Jahre 1874, bei Ge—
legenheit der Ausstellung zu Philadelphia, befürworteten Clark,
Reeves K Co. zu Phoenixville die Errichtung eines 1000 Fuß
hohen eisernen Thurmes. Im Fachblatt „Scientific American“
vom 24. Januar 1874 findet sich eine Stizze dieses Projektes,
berglichen mit anderen hervorragenden eifernen Bauwerken.
Dieser Thurm hat einen kreisförmigen Grundriß von 150 Fuß
Durchmesser am Fuße und sich gleichmäßig nach oben zu auf
Kinkel's Thurm-Projekt.
ibersteigen würde. Ein mittleres Rohr von 30 Fuß Durchmesser,
zusammengesetzt aus 20 kleineren Säulen und umgeben von
einer Wendeltreppe, sollte vier Elevatoren erhalten, genigend
zroß, um zusammen 500 Personen per Stunde zu befördern.
Den oben genannten Herren gebührt die Ehre, den Gedanken
eines solchen Baues zuerst angeregt zu haben; Herrn Eiffel die—