fullscreen: Mitteilungen der Vereinigung der Elektrizitätswerke (1920, Jg. 19)

März 1920 Mitteilungen der ‚Vereinigung der Elektrizitätswerke. Nr. 260. 59 
lie Verbrennung träge, schleichend, unvollkommen. 
Trifft aber der Zündfunke ein von der Einblasung 
1er noch wirbelndes Gasluftgemisch, so ist die Ver- 
orennung rasch und vollkommen. Diese Wirkung 
wird gefördert durch ein Düsenventil, daß schon 
durch die erste leichte Druckwelle der Explosion 
eicht angehoben wird. Hierdurch gerät der Kammer- 
nhalt in vermehrte Bewegung und Wirbelung, und 
lie Verbrennung wird vollkommen. 
Das diesen Verhältnissen Rechnung tragende 
Düsenventil weicht in der Bauart nur insofern von 
dem früher beschriebenen ab, als die Federbelastung 
durch Öldruckbelastung ersetzt ist. Damit läßt 
sich das Ventil einfacher und leichter bauen”). 
Theoretisches. 
Prof. Schüle”) stellt die Hauptpunkte über die 
Theorie der Holzwarth- Gasturbine zusammen und 
Kommt dabei zu folgendem Schlußsatz: 
„Wir können somit einen theoretischen Wirkungs- 
zrad der Holzwarth-GCasturbine von 40 bis 45 ". 
jezogen auf die Verbrennungswärme des Betriebs- 
zases, als oberste Grenze annehmen. Für eine 
<olben-Gasmaschine mit 14,5 facher (als der höch- 
;iten möglichen) Verdichtung wurde in Abschn. 35 
3d. I ein theoretischer Wirkungsgrad von 45 % 
unter Berücksichtigung der veränderlichen spezi- 
ischen Wärmen) berechnet, für einen Dieselmotor 
nit Verdichtung bis 40 at ein Wirkungsgrad von 
52 %, Wir können demnach aussprechen, daß die 
Sxplosions-Gasturbine nach Holzwarth theoretische 
hermische Wirkungsgrade von ähnlicher Größe wie 
lie bekannten Kolben -Verbrennungsmotoren er- 
eichen kann, und zwar mit wesentlich geringeren 
Verdichtungsgraden als diese Maschinen.“ 
Versuchsergebnisse. 
Mit Vertretern der Eisenbahndirektion Berlin 
wurden Anfang Dezember 1919 an der 1000-PS- 
Versuchsgasturbine der Firma Thyssen & Co. einige 
vorläufige Betriebsversuche durchgeführt. Über eine 
Versuchsreihe soll nachstchend an der Hand der 
Hauptergebnisse (Mittelwerte) kurz berichtet werden. 
Ausführlichere Versuchsherichte werden von anderer 
Seite folgen. 
Zum Betrieb diente Koksofengas. Die Gas- 
menge wurde nach dem Stauscheibenverfahren auf- 
gezeichnet. Der Heizwert des Gases wurde mit 
dem Junkers-Kalorimeter im Mittel auf 3860 kcal/cbm 
(0° C,. 760 mm OQ.-S.) bestimmt. Die Dynamo 
arbeitete auf Wasserwiderstand. Der Leerlaufwider- 
stand wurde durch Entlastversuche bestimmt. Bei 
ler ganzen Versuchsreihe arbeiteten alle zehn 
Kammern, und bei kleinerer Belastung wurden keine 
Kammern abgeschaltet. Bei Betriebsmaschinen ist 
jeabsichtigt, durch den Regler Kammern abschalten 
zu lassen, wodurch der Wirkungsgrad bei Teil- 
pelastung wesentlich gehoben wird. Der ganze 
Versuch dauerte rd. 4 Stunden. 
Wirtschaftliches. 
Herr Dr.-Ing. Roser, Direktor der Maschinen- 
'abrik Thyssen, berichtete im Jahre 1918 im Bericht 
Nr. 41 der Stahlwerkskommission des Vereines 
deutscher Eisenhüttenleute über die Wirtschaftlich- 
keit von Gasgeneratoren mit Nebenproduktenge- 
wvinnung. In diesem Bericht heißt es auf S. 10: 
„Es zeigt sich, daß die Gasturbine berufen sein 
wird, in allen Fällen die wirtschaftlichste Kraft- 
naschine zu werden. 
Die Unterschiede in den Gestehungskosten je 
<Wh zwischen direkter Kohlenfeuerung, erzeugt bei 
Jampfturbinenbetrieb in einem Falle und Gasturbinen- 
»etrieb im anderen Falle, betragen bei einer Jähr- 
ichen Stromerzeugung von 100 Mill, kWh im Jahr 
rd. 1,5 Mill. Mark.“ 
Im Bericht Nr. 42 der Stahlwerkskommission 
zeht derselbe Verfasser nochmals auf diesen Gegen- 
stand ein, nachdem inzwischen Verbesserungen in 
ler Teergewinnung und Destillation erzielt worden 
sind. Diese Verbesserungen kommen natürlich 
auch den Gaskraftanlagen zugute. 
Inzwischen wurde der Entwurf einer 12000-kW- 
Sasturbine gründlich durchgearbeitet, und auf Grund 
ler Preise für 1914 sind die Wirtschaftsvergleiche 
\bb. 2 und 3 (n. S.) für Großkraftwerke 
a) mit Dampfturbinen und mit kohlengefeuerten 
Kesseln, 
b) mit Gaskraftmaschinen und Gasanlage mit 
Nebenproduktengewinnung 
uvestellt. 
Versuch Nr. 2 0.0.0.0. 
Gasmenge, bezogen auf 00C und 
760 mm Q.-5S. . . . . . cbm/st 
Zugeführte Wärmemenge . . kcal/st 
Ans Rad abgegebene Leistung 
N Umf PS 
Wärmeverbrauch. . . . .kcal/PS-st 
Wirkungsgrad nn Umf. 
300 400 550 630 
1150000 1520000 2110000 24153000 
70 231 724 484 
| 16.430 6090 2015 2450 
| 3.9 10.4 21.8 IM 
Die zur Verdichtung von Wind, Lult und Gas 
erforderliche Arbeit betrug etwa 5,7 % der Abgas- 
wärme und kann mithin beauem aus den Abgasen 
zewannnen werden. 
7) Die hier mitgeteilten technischen Fortschritte sind 
inter Schutz «dorestellt 
\ Technische Thermadeunaimik- 
il Aull. Bl 2 8 
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