Full text: Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen

3) durch zweckmässige Auswahl des Baumaterials: Von besonders günstigen Erfolgen in 
letzterer Hinsicht war die Anordnung auf Verwendung guten Mörtels und solider Ziegelwaren. — 
Mörtel- und Zementfabrikation hatte auch ohne die Nachhilfe des Staats bedeutenden Aufschwung 
in Württemberg genommen. 
Die Schaffung verbesserter Ziegelwaren ist aber aus der Initiative des Ministers hervorge 
gangen. Er hatte den Oberingenieuren Auftrag erteilt, die Ziegeleien im Eisass und in Frank 
reich einzusehen und deren Einrichtungen und Fabrikation thunlichst nach Württemberg zu ver 
pflanzen. Es geschah dies! Sogar mit Geldunterstützung wurde ein Ziegeleibesitzer auf der Tauber 
bahn gewonnen, die Fabrikation von Falzziegeln zu effektiveren. Fleutzutage ist allgemein anerkannt, 
welch grosser Nutzen hierdurch gestiftet wurde. Bald nach den ersten Versuchen dieser Fabrikation 
fanden sich Fabrikanten und Konsumenten voll befriedigt und heute schon werden im In- und Aus 
lande grosse Mengen solch verbesserter leichter und dichter Ziegelware und Dachbedeckung ver 
wendet, bald wird sie Gemeingut des Landes sein. 
Die von dem Minister angeordneten Versuche über mögliche und zweckmässigste Formen 
der Verakkordierung von Bauarbeiten und deren Ausführung wurden zwar nicht im vollen Umfange, 
aber doch mit genügend sicherem Ergebnis vorgenommen. 
An den betreffenden Stellen des Textes unserer Rückschau ist erwähnt, wo diese Ver 
suche und mit welchem Erfolge vorgenommen wurden; hiernach heben wir das Gesamtresultat der 
Versuche hervor, indem wir vorausschicken, dass seiner Zeit die sämtlichen bekannten Formen der 
Verakkordierung und des Regiebaues erprobt wurden mit Ausnahme der Pauschalakkorde. 
Allgemein ist bekannt, dass diese letzteren vom Uebel sind, weil sie der betreffenden Verwal 
tung den ihr gebührenden Einfluss auf die Ausführung der Arbeiten entziehen, weil deren Ablohnung in 
Streitfällen immer willkürlicher Schätzungen unterliegt, und weil überhaupt Unregelmässigkeiten und 
Schädigung der Bauherrschaft sich ergeben, wo nicht immerwährende Kontrolle der Arbeiten im 
einzelnen Vorbehalten ist. Derartige Verakkordierungen wären mit den württembergischen bewährten 
Verwaltungsformen kaum in Uebereinstimmung zu bringen, weil die Auslegung der Verträge zu 
allerlei Verwickelungen Anlass gäbe. 
Dagegen wurden Grossakkordc in dem Sinne, dass mehrere Arbeitslose zusammengelegt an 
eine und dieselbe Unternehmergesellschaft übertragen werden, und dass Verakkordierung und Ver 
rechnung nicht auf Pauschalsumme, sondern auf Einzelpreise sich gründen, in einzelnen Fällen, 
z. B. auf der Enzbahn, Nagoldbahn und Brenzbahn, Ausführungen in Regie auf der Tauber-, der 
unteren Jagstbahn und bei Ausführung der Dienstwohngebäude in Stuttgart vorgenommen und deren 
Nützlichkeit erprobt. 
Nicht eben ungünstig hat sich insbesondere der Regiebau erwiesen und ist derselbe in 
Anwendung gekommen, soweit geeignete Beamte und Hilfskräfte vorhanden waren. Damit wurden 
Erfahrungen und Ersparnisse in zufriedenstellendster Weise gemacht. 
Da für derartige Unternehmungen aber nicht sowohl wissenschaftlich gebildete als erprobte 
und nach jeder Richtung zuverlässige Techniker sich eignen, und dieselben meist und lieber auf 
eigene Rechnung oder mit einem Unternehmer zusammen wirken und deshalb Heranziehung solcher 
Kräfte wesentlich erschwert ist, wurde nur in den erwähnten Fällen in Regie gebaut. 
Beste Erfahrungen ergaben sich stets, wenn grössere oder kleinere Bauprojekte auf Grund von 
genauen Plänen, Ueberschlägen und Akkordsbedingungen an geeignete, zuverlässige und im Besitz der 
nötigen Mittel stehende Bauunternehmer übertragen waren, wenn immer reelle Bedingungen für die 
Ausführung dem Akkorde zu Grunde gelegt, wenn sie sorgfältig und gewissenhaft eingehalten wurden. 
Eine Schwierigkeit bei der Abwickelung solcher Akkorde ergab sich allein durch Rekla 
mationen einzelner Unternehmer wegen angeblich oder wirklich erlittener' Verluste bei Ausführung 
der Akkordsarbeiten. 
Um den sonst unvermeidlichen immerwährenden Streitigkeiten und Prozessen im voraus zu 
begegnen, sind die Akkordsbestimmungen mit solcher Bestimmtheit und teilweise mit Härte abge-
	        

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