Title:
Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen
Creator:
Morlok, Georg
Shelfmark:
1Ma 315
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1537772834592/32/
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Zu besserer Uebersichtlichkeit über seine Thätigkeit, seine Ziele und Vorschläge möge hier 
schon erwähnt sein, dass Vignoles sich nicht eben strenge an jenes sein Lehrbuch, auch nicht an 
die ihm erteilte Instruktion gehalten hat, dass er vielmehr bestrebt war, gesetzlich verabschiedete 
Bahnlinien zu verlassen, z. B. die Ostbahn ins Rems- und Brenzthal, die Südbahn in das Donau 
thal nach Ehingen zu verlegen, und wie er anstatt gesunder Anlage von Lokomotivbahnen nach 
seinem eigenen System die Vermischung dieser Bahnen mit steilen Rampen von 1:40=1:20 ins 
Auge gefasst und mehrmals in Vorschlag gebracht hat. 
Dass bei aller Anerkennung seiner reichen Kenntnisse und Erfahrungen unter diesen Um 
ständen auch mehrfache Bedenken hervorgerufen wurden, kann nicht bezweifelt werden, ebensowenig 
dass dieselben noch vermehrt wurden durch seine fortwährende und dringende Empfehlung des 
atmosphärischen Systems! welchem sonst überall misstraut wurde. Bemerkt wurde auch, wie 
Vignoles im Gegensätze zu der höflichen Form des Gutachtens von Negrelli die seinige zu einer 
recht abfälligen Kritik der vorhandenen, namentlich zu der von Bühlerschen Arbeiten gestaltete, 
indem er dessen Verfahren bei den Terrainaufnahmen und bei Tracierungsgeschäften aufs strengste 
beurteilte, dagegen jenen des Generals von Seeger übrigens vollberechtigtes Lob spendete. 
I_ Bauperiode. 
Dreizehntes Kapitel. 
Einzelvorschl&ge Vignoles’. 
Im einzelnen äusserte sich Vignoles über die ihm vorgelegten Projekte und brachte in Vorschlag: 
Auf der Westbahn: Verlegung des 180 Fuss langen, 160 Fuss hohen Enzviadukts zu der 
Bissinger Sägmühle, sodann Anwendung des Gradienten 1:125 und 1:100 im Metterthale, Tren 
nung der beiden westlichen Bahnen beim Eckenweiherhof, Bevorzugung der Bahn nach Bruchsal vor 
derjenigen nach Pforzheim; ferner empfahl er, auf der Nordbahn zwischen Thamm und dem Saubach 
thal eine Bahn mit 1:20 einzulegen und mit atmosphärischem System zu betreiben, von den in 
Frage gestellten Bahnen durch das Bottwar- und Zaberthal, ihrer natürlichen steilen Aufsteigungen 
und Ausbiegungen wegen ohne weitere Untersuchungen ganz abzusehen und die Richtung im 
Neckarthale beizubehalten. 
In Begutachtung des Projekts der Ostbahn wurde von ihm vorgeschlagen: den Bahnhof 
Stuttgart, anstatt an die Neckarstrasse, auf die Seewiesenfläche zwischen Friedrichs-, Kriegsbergstrasse 
und Realschule zu legen; ohne übrigens einen Entwurf hierüber gefertigt und vorgelegt zu haben. 
In längerer Abhandlung brachte er statt der von Regierung und Ständen adoptierten Fils- eine Rems 
bahn besonders für den Fall, dass die Alb nicht mittelst des atmosphärischen Prinzips überstiegen 
werden dürfe, in Vorschlag. 
Bei Besprechung der Tracierung der Südbahn hob er die Schwierigkeiten zwischen dem 
Kuhberg und der Donau und das Missliche des Umwegs über Waldsee, als gegen den Geist des 
Eisenbahnwesens verstossend, hervor und empfahl auch hier, nicht nur die Einzelstrecken in bessere 
Richtung zu bringen, sondern, wie oben bemerkt, die Südbahn im Donauthal über Ehingen anstatt 
über Biberach anzulegen. 
Bei den von ihm gegebenen Aufschlüssen über allgemeine Fragen bezog sich Vignoles 
hinsichtlich der Steigungen und Krümmungen zunächst auf seine Aeusserungen bei Besprechung der 
einzelnen Strecken. Die Fragen über Baukosten und Bauzeit erledigte er durch einfache ganz sum 
marisch gehaltene Antworten, erstere mit einem Betrag von 30 Millionen Gulden, letztere mit An 
gabe einer 3 jährigen Zeitdauer. 
Für die Eisenbahnspur empfahl er eine lichte Weite von 4,805 Fuss englisch, für den Oberbau: 
Brückschienen auf hölzernen Längsschwellen; als Betriebsmittel: Lokomotiven mit Cylindern von 
14 Zoll englisch und mit langen Kesseln.
        

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