Title:
Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen
Creator:
Morlok, Georg
Shelfmark:
1Ma 315
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1537772834592/33/
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Seine weiteren Vorschläge, z. B. über die Wahl des Eisenbahnmaterials, über Schienenbestel 
lungen, Brennmaterial, über Bahnhofeinrichtungen u. a., sind so allgemein und zugleich so weitläufig 
gehalten, dass sie keinen Anspruch auf Wiederholung an dieser Stelle machen, wie denn auch 
seine auf Erfahrungen in England gestützten Schätzungen über die eventuellen Erträgnisse der projek 
tierten Eisenbahnen den württembergischen Verhältnissen nicht angepasst waren und nicht angepasst 
werden konnten. 
Hatte die Regierung gefordert und erwartet, es werde Vignoles innerhalb der ihm ge 
steckten Grenzen praktische und nützliche Ratschläge erteilen, dieselben mit den württembergischen 
Technikern beraten und im Verkehr mit denselben die genehmigten und verabschiedeten Bahn 
projekte für die Ausführung einrichten und ergänzen, so fand sie sich auch hierin getäuscht. Es 
geschah dies nur im mässigen Umfange und gewissermassen unter Bedingungen, auf welche die 
Regierung nicht eingehen konnte. 
I_ Bauperiode. 
Vierzehntes Kapitel. 
Erledigung der Fragen über das atmosphärische System und über Veranlagung der Zentralbahn. 
Wenn auf die Vorschläge Vignoles’ über Einführung des atmosphärischen Systems nicht ein 
gegangen werden wollte, so war, wie erwähnt, die Regierung von Vignoles veranlasst, die, mit den 
Ständen vereinbarte Erbauung der Filsbahn aufzugeben und statt ihrer die Remsbahn zu erbauen. 
Die in Kapitel 9 vorausgesetzten Verhandlungen und Vereinbarungen über die dort aufgestellten 
Bestimmungen über Projektierung und Ausführung der württembergischen Eisenbahnen waren eben 
falls nicht herbeigeführt. Mit Recht wurde daher von den württembergischen Oberbauräten Etzel, 
Knoll und Böheim, welchen jetzt ein Bericht über das Gutachten Vignoles’ aufgetragen war, dem 
letztem zum Vorwurf gemacht, dass er seine Aufgabe weiter ausgedehnt habe, als es in gegebenen 
Fällen nötig, in andern Fällen unerledigt gelassen, wo ihre Lösung Bedürfnis war. Von der 
Regierung wurden denn auch unter vollkommener Anerkennung seines reichen Wissens und seiner 
verdienstvollen Thätigkeit dem Professor Vignoles weitere Aufgaben nicht gestellt. Mit den von 
ihm hinterlassenen Rückständen hatten sich, als Vignoles im Herbste 1844 nach England zurück 
kehrte, die württembergischen Techniker zu befassen, in erster Linie mit Lösung vorgelegener 
wichtigerer Fragen über Verwendung oder Nichtverwendung des atmosphärischen Systems; über 
die Ueberschienung der Alb; über die Wahl einzelner — teilweise von Vignoles in Anregung ge 
brachter Konkurrenzlinien und Feststellung der verabschiedeten Stammbahnen. Zuerst erfolgte 
Ablehnung des atmosphärischen Systems. 
Es hätte das sogen, atmosphärische System, allerdings für den Fall, dass stehende 
Maschinen aufgestellt und verwendet worden wären, einige Vorteile in Aussicht gestellt, z. B. Geschwin 
digkeit von ca. 15 Meilen per Zeitstunde und grössere Sicherheit des Verbindungsmaterials zwischen 
der stehenden Maschine und dem Bahnzug, als sonstige Verbindungsmittel wie Riemen, Hanf 
seile etc. Indem nämlich die Förderung der Maschine ausschliesslich mittelst Ueberdrucks der 
atmosphärischen über den Druck der verdünnten Luft in der Röhre bewerkstelligt wird, wären 
Gefahren für die Bahnzüge nicht zu befürchten und wäre der Aufwand für den Transport der 
Lokomotive erspart gewesen. 
Diese Vorteile erlitten aber starke Einbusse dadurch, dass schon nach damaligen Erfahrungen 
ein auf zweierlei Betriebsarten eingerichtetes Betriebsverfahren, nämlich die Zusammensetzung des 
Betriebs nach den zweierlei Systemen der stehenden und beweglichen Maschinen (Lokomotiven), und 
dass die bauliche Anlage, das Oeffnen und Verschliessen des in die Röhre eingeschnittenen Schlitzes 
wie auch die Unterhaltung der Röhre erheblichste Schattenseiten für den Fahrdienst boten und Unter 
brechung des regelmässigen und geordneten Gangs der Bahnzüge befürchten Hessen! Deshalb, und
        

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