Volltext : Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen

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Die  Vergleichung  der  Linien  II.  und  III.  zeigt  auf  den  ersten  Blick  in  allen  Ziffern  eine  auffallende ­
  Verschiedenheit  zu  Gunsten  des  Etzelschen  Projekts.  Nach  diesem  ist  die  eigentliche  Bahnlänge ­
  um  940  Fuss,  die  reduzierte  um  4360  Fuss  geringer,  als  nach  dem  Projekte  II.  Während
ferner  die  Linie  II.  24200  Fuss  Kurven  enthält,  wovon  18870  Fuss  mit  Radien  von  1000  bis
2000  Fuss,  betragen  bei  III.  die  Krümmungen  nur  18385  Fuss  und  hiervon  sind  nur  5895  Fuss  mit
Halbmessern  von  1200  bis  2000  Fuss  beschrieben.  Ebenso  verhält  es  sich  mit  den  Niveauverhältnissen, ­
  denn  sowohl  das  Maximum  der  Steigung,  als  die  ganze  zu  überwindende  Höhe  ist  nach  dem
Projekte  III.  geringer  als  nach  II.  Da  nach  beiden  Projekten  die  schärfste  Krümmung  mit  der
grössten  Steigung  zusammenfällt,  so  ergibt  eine  beiläufige  Berechnung,  dass  an  der  schwierigsten
Stelle  der  Bahn,  unter  übrigens  gleichen  Umständen,  die  Lokomotive  in  dem  einen  Falle  um  io°/ 0
mehr  Last  als  in  dem  andern  fortzuschaffen  im  stände  ist,  was  denn  auch  für  den  ganzen  Betrieb
von  wesentlichem  Einfluss  bleibt.
Um  die  Parallele  zwischen  den  letztangeführten  zwei  Projekten  noch  weiter  durchzuführen,
sei  hier  angenommen,  dass  der  ganzjährige  Verkehr  zwischen  Stuttgart  und  Esslingen  in  150000
Passagieren  und  1000000  Ztr.  Gütern  bestehe,  und  dass  ausserdem  zwischen  Stuttgart  und  Kannstatt
250000  Reisende  sich  bewegen.  Es  fragt  sich,  was  werden  die  jährlichen  Betriebsauslagen  nach
jedem  der  beiden  Projekte  ausmachen?
Diesem  Verkehr  zu  genügen  werden  im  Durchschnitt  fürs  ganze  Jahr  zwischen  Stuttgart
und  Esslingen  täglich  vier  Züge  (von  denen  vielleicht  einer  bloss  mit  Gütern)  in  jeder  Richtung
gehen  müssen 1 ),  und  ausserdem  noch  eine  gleiche  Anzahl  zwischen  Stuttgart  und  Kannstatt.  Berechnet
man  die  Zahl  der  Meilen 2 ),  welche  nach  diesen  Annahmen  von  sämtlichen  Trains  in  einem  Jahre
zurückgelegt  werden  müssen,  so  ergeben  sich  für  das  Projekt  II  7220  Meilen,
„  „  „  III  7032  Meilen.
Um  die  auf  eine  gerade  horizontale  Bahn  reduzierte  Weglänge  zu  finden,  welche  die  Lokomotiven ­
  in  einem  Jahre  zu  durchlaufen  haben,  ist  es  notwendig,  vorerst  auch  für  die  Strecke  Stuttgart—Kannstatt ­
  allein  eine  ähnliche  Reduktion  vorzunehmen,  wie  sie  früher  für  die  ganze  Sektion
Stuttgart—Esslingen  gemacht  wurde.  Es  betragen  nach  dem  Projekte  II.  in  jener  Strecke  die  Krümmungen ­

  252,7  Grade,  die  Steigung  im  Mittel

+  107  —  49.4

=  28,8  Fuss,  was  zusammen  einer

additionellen  Bahnlänge  von  1137  -j-  7200  =  8337  Fuss  entspricht.  Nach  dem  Projekt  III.  sind
zwischen  Stuttgart  und  Kannstatt  die  Krümmungen  136,9  Grade,  die  mittlere  Steigung  —-  °
-  21,75  Fuss,  beides  zusammen  einer  additionellen  Bahnlänge  von  616  -j-  5438  6054  Fuss  entsprechend. ­
  Es  ist  mithin  die  reduzierte  Weglänge  zwischen  Stuttgart  und  Kannstatt
nach  dem  Projekt  II.  13840  8337  =  22177  Fuss,
„  „  „  III.  13110  +  6054  =  19164  „
und  mit  Rücksicht  hierauf  findet  man  die  reduzierte  Entfernung,  welche  die  Trains  in  einem  Jahre
zu  durchlaufen  haben,  nach  II  9373  Meilen,
„  111  8542  „
Die  jährlichen  Betriebsauslagen  lassen  sich  nunmehr  mit  Zugrundelegung  der  den  Betriebsresultaten ­
  von  12  deutschen  Eisenbahnen  entnommenen  Daten  ganz  genau  berechnen.
Die  Kosten  der  Bahn-  und  Gebäudeunterhaltung  nebst  Bewachung  u.  s.  w.  jener  12  Eisenbahnen ­
  betragen  per  geographische  Meile  6298  fl.,  mithin  für  die  Strecke  von  Stuttgart  bis  Esslingen
nach  Projekt  II  12207  A-»
„  „  HI  11986  „

')  In  diesem  Falle  kämen  auf  einen  Train  durchschnittlich  51  Reisende  und  342  Ztr.  Güter  und  das  Bruttogewicht
eines  solchen  Trains  (ohne  Maschine  und  Tender)  würde  54  englische  Tonnen  betragen,  nämlich  die  Wagen  33  und  die
Ladung  21  Tonnen,  eine  Last,  mit  welcher  die  Lokomotiven  auch  die  grosse  Steigung  zwischen  Kannstatt  und  Stuttgart
ohne  Anstand  überwinden  werden.
2 )  Eine  geographische  Meile  =  25899  württembergischen  Fuss.
            
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