Full text: Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen

2) Weil diese Vergleichung endlich dennoch und zwar von dem einen der beiden Techniker, 
wie man annehmen zu müssen glaubte, mit Vorliebe für seinen Entwurf angestellt 
worden war. 
3) Weil die Entwürfe und Voranschläge eben dieses Technikers schon bei Gelegenheit 
der Kammerverhandlungcn sich als mannigfacher Berichtigungen bedürftig zeigten. 
Um die in dieser Beziehung gehegten Zweifel zu beseitigen, mochte sich das Königl. Finanz 
ministerium um so eher entschliessen, die von den Ständen gewünschte Revision der früheren Ent 
würfe und Kostenvoranschläge auch auf die Remsthalbahn auszudehnen, als durch weitere Unter 
suchungen in dieser Richtung teilweise einem andern, von den Ständen in der Adresse vom 
22. März 1843 geäusserten' Wunsche entsprochen wurde, die Regierung möchte, soweit es die 
Arbeiten an der Hauptbahn gestatten, über die Terrains- und Verkehrs Verhältnisse in den wichtigeren 
Thälern des Jagstkreises Untersuchungen anstellen lassen, und nach Umständen wegen des Baues 
einer Eisenbahn im Jagstkreise Mitteilungen an die Stände machen. 
Wir wurden demzufolge schon im Herbste 1844 mit den Untersuchungen einer Eisenbahn 
linie von Stuttgart durch das Remsthal bis Aalen und von dort über Sontheim nach Ulm beauftragt. 
Die Resultate dieser Untersuchungen beehren wir uns, im Gegenwärtigen vorzulegen, wobei wir 
uns erlauben werden, wie dies in unserem früheren Berichte geschehen, erst die verschiedenen Strecken 
der eben bezeichneten Linie einzeln zu beleuchten, bevor wir aus den Resultaten unserer Unter 
suchungen die nötigen Schlüsse ziehen. 
1. Linie von Kannstatt nach Aalen. 
Die ersten Untersuchungen für die Remsthalbahn wurden, wie der Königl. Eisenbahnkom 
mission bekannt ist, von dem Generalmajor v. Seeger im Zusammenhänge mit den Untersuchungen 
für die West- und Nordbahn unternommen. Da diese letzteren nach dem v. Seegerschen Entwürfe 
vereint bis Neckarweihingen dem Laufe des Neckars folgen sollten, so stand die Wahl frei, die 
Remsthalbahn entweder an der Einmündung der Rems in den Neckar bei Aldingen und Neckar 
rems, oder bei Kannstatt mit Uebersteigung der Wasserscheide von Fellbach und Schmieden von 
jenen Bahnen abzulenken. Beide Züge wurden von dem Generalmajor v. Seeger erst oberflächlich 
untersucht, sofort aber der erstere bearbeitet, weil in letzterer Richtung mit dem von Herrn v. Seeger 
festgesetzten Steigungsmaximum eine Eisenbahnlinie nur mit horrenden Kosten durchzuführen gewesen 
wäre. Aber auch in der ersten Richtung begegnete eine solche bedeutenden Schwierigkeiten, indem 
sich auf der kurzen Strecke von Aldingen bis Waiblingen vier Tunnels von 1,410, 1,751, 2,058 und 
1,008 zusammen 6,227 Fuss Länge und vier grosse Viadukte von 130, 120, 100 und 80 Fuss grösster 
Höhe und 1,800, 1,400, 1,200 und 1,400 Fuss Länge vorfinden. Unter um so günstigeren Ver 
hältnissen zieht sich dagegen die Linie von Waiblingen über Schorndorf und Gmünd bis zum sogen. 
Blümle, der Wasserscheide der Rems und des Aalbaches bei Aalen, welche sie mittelst eines Tunnels 
von 2,240 Fuss Länge durchbricht. Fortwährend ansteigend geht sie sofort an Aalen vorüber, in 
das Kocherthal über, erreicht, das linke Gehänge verfolgend, die Wasserscheide des Kochers und 
der Brenz zwischen Oberkochen und Königsbronn und senkt sich sodann, eine kurze Gegensteigung 
zwischen Izelberg und Schnaitheim abgerechnet, in der Sohle des Brenzthals, Heidenheim, Herbrech 
tingen und Giengen berührend, bis zur Landesgrenze bei Sontheim. Eine Fortsetzung dieser Linie 
von Sontheim bis Ulm wurde vom Generalmajor v. Seeger nicht bearbeitet. 
Die Steigungsverhältnisse der beschriebenen Linien betreffend, hatte sich v. Seeger genötigt 
gesehen, auf das seinen Studien sonst allgemein zu Grunde liegende Prinzip sanfter Steigungen zu 
verzichten. Es finden sich zwischen Gmünd und der Wasserscheide der Rems auf ziemlich langen 
Strecken successive Steigungsverhältnisse von 1:145, 1:127 und 1:101. Was die Krümmungen der 
Linie betrifft, so sind dieselben durchaus als sehr günstig zu bezeichnen, mussten aber an vielen 
Stellen mit nicht unbeträchtlichen Dämmen und Einschnitten erkauft werden, wo eine kleine Aus 
biegung es möglich gemacht hätte, alle Erdarbeiten zu beseitigen.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.