Title:
Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen
Creator:
Morlok, Georg
Shelfmark:
1Ma 315
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1537772834592/88/
Gegenden unzuverlässige Bodenarten, unstabile Schichtenlagen etc. Vorkommen, so hat sich auch 
auf der Westbahn in einem tiefen Bahneinschnitt bei Heidelsheim das häufig im Rheinthalgebiete 
anstehende Lössgebilde gefunden. Es ist das eine aus Sand und Thon bestehende Mischung, welche 
in trockenem Zustande fast senkrecht ansteht, in nassem Zustande aber sich zu einer schlamm 
artigen Masse gestaltet. Es liegt freilich nahe, dem sich hieraus ergebenden Missstand durch Ab 
wässerung abzuhelfen; wie das aber mit günstigem Erfolg geschehen kann, ist nicht eben leicht zu 
erforschen. Dem Oberbaurat Etzel und dem dortigen Bauinspektor Pressei gelang es, durch richtiges 
Verfahren bei Ableitung alles vorhandenen und andringenden Wassers, das eigentümlich gestaltete, 
unzuverlässige Material zum Stehen zu bringen, wie dies in der Eisenbahnzeitung vom Jahre 1853 
von Pressei in instruktiver und anziehender Weise beschrieben ist. 
Die auf die Beschaffenheit und Natur des betreffenden Materials gerichteten Untersuchungen 
haben ergeben, dass die in dem Löss eingelagerte Masse feinen Sandes das Eindringen des Wassers 
und mit dessen Eintritt das Zerfliessen der Thonmasse zur Folge hatten. Sofort wurde daher die 
Entwässerung des auflagernden Lössgebildes angeordnet, und mit ganz richtigem Verfahren wurde 
dieselbe durchgeführt. Ein nach der Länge des Einschnittes auf der Unterlage des Löss einge 
triebener, das Wasser ansaugender und fortleitender Stollenbau musste das Mittel bieten, um den 
Einschnitt troken zu legen. Dieser Stollen, aus derbem Kies mit ein Zoll weiten mit Moos aus 
gefüllten Fugen gebildet, auf einer Bohlenunterlage unterirdisch hergestellt, hat das im Löss ein 
dringende Wasser angesogen und in den Saalbach abgeleitet. Hierdurch wurde der Zweck erreicht, 
erst der Stollen und dann die Umgebung desselben trocken gelegt. 
So wurde nicht nur nach wenigen Wochen die Masse des Einschnittes und seine nächste Um 
gebung ausgetrocknet, sondern auch die schlammige Erdoberfläche in grösserem Umkreis in trockenes, 
das sumpfige in nutzbringendes Bauland umgewandelt. 
Diese sachgemässe Ableitung bedrohlichen Missgeschicks fand unbedingte Anerkennung und 
vielfache Nachahmung bei württembergischen und auswärtigen Eisenbahnbauarbeiten. 
In der nachstehenden Tabelle sind die wichtigeren Bauwerke, die Steigungsverhältnisse, 
sowie alle Längen, Steigungen, Kurven der Westbahn verzeichnet. 
Westbahn. 
Bietighei m—B retten (Bruchsal). 
Westbahn. 
Einzelstrecken. 
Länge 
in 
Meter. 
Steigung 
im 
Maximum. 
Kurvenradien. 
Minimum. 
Geognostische 
Schichtenlagen. 
Bemerkungen. 
Bietigheim. 
Mühlacker 
23162 
I : IOO 
401 nt 
Lettenkohle mit Muschelkalk 
als Untergrund. 
Hinter Gross-Sachsenheim et 
was Keuper. 
Maulbronn 
6038 
1:130 
573 m 
Lettenkohle. 
Unterer Keuper. 
Gipsmergel u. Schilfsandstein. 
Lettenkohle. 
Bretten 
(neues Verwaltungsgebäude) 
11044 
I.'IOO 
430 m 
Oberer 
Muschelkalk. 
Das alte Verwaltungs 
gebäude Bretten stand bei 
km 62x938.4, während 
das neue bei km 63x641.2 
ist. 
Bruchsal 
14859 
I : I IO 
Muschelkalk, bedeckt von 
diluvialem Lehm. 
Gesamtlänge Bietigheim—Bruchsal 55,103 km.
        

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