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III- Bauperiode.
Drittes Kapitel.
Wiederaufnahme von Eisenbahnbauprojekten, zunächst über Verbindung der Neckar- und Filsmit
der Rems- und Brenzbahn.
Die württembergischen Bahnen hatten nach allen Seiten hin verdiente Anerkennung gefunden,
ihr Nutzen war um die Mitte der fünfziger Jahre allgemein ebenso dankbar anerkannt,
wie es beklagt war, wo sie noch nicht eingeführt, die mit ihrer Einführung verbundenen Vorteile
zu entbehren waren. Die Befürchtungen, dass mit dem Bahnbau der Staatskasse ein finanzieller
Ausfall erwachsen könnte, waren durch die Erfahrung zunächst widerlegt.
Wie im Auslande, besonders in England und Norddeutschland, die Rente bisher fortwährend
gestiegen war, hob sich auch in Württemberg die Reineinnahme vom Jahre 1854 bis
1857 von 4,8 bis 5,8 Prozent, in den Jahren 1858 und 1859 auf 6,1 Prozent. Die Eisenbahnen
waren der Liebling der Bevölkerung geworden und eine Menge von Gemeinden und Korporationen
richteten an die Kammer und Regierung die dringende Bitte um Schaffung des neuen Verkehrsmittels
in ihrer Umgebung.
Die günstige Finanzlage, die blühende Rente und die wirtschaftlichen Wohlthaten der
Eisenbahnen bestimmten die Regierung, für weitere Ausbreitung der Bahnen einleitende Schritte zu
thun, und sie beauftragte sodann den einzigen in der Eisenbahnkommission verbliebenen Bautechniker,
Oberbaurat v. Gaab, mit den entsprechenden Vorarbeiten über die Linien
Lonsee—Heidenheim—Aalen,
Plochingen—Reutlingen—Rottenburg und
Gmünd—Eislingen.
Diese Bahnen, von den Oberbauräten Etzel, Klein und Knoll zuvor schon (erstere Linie
jedoch mit der Abzweigung von Westerstetten statt Lonsee) geplant, waren bestimmt, Verbindungen
im Inlande, z. B. vom Fils- in das Rems- und Brenzthal, von letzterem nach Oberschwaben (Süden),
sowie in den Osten von Württemberg herzustellen und Einleitung für grössere Transitlinien zum
Bodensee, nach Bayern, nach Basel etc. zu bilden.
Die Bauarbeiten zwischen Plochingen und Rottenburg schienen keinen oder nur unerheblichen
Schwierigkeiten zu begegnen. Es konnte mit 1:100 die Steigung von Plochingen nach
Tübingen und ebenso zwischen Heidenheim—Aalen und Lonsee und auf der Strecke Gmünd—
Eislingen ausgeführt werden.
Auf der nördlichen Seite der letztgenannten Linie aber waren viele Krümmungen und in
ihrer Mitte ein 3300 Fuss langer Tunnel unter der Wasserscheide, dem sog. Aasrücken, durchzuführen.
Zudem waren auf beiden Seiten dieses Berges die Gebilde des schwarzen und braunen Jura
zu durchschneiden, wodurch gefährliche Erdbewegungen herbeigeführt werden mochten — gefährlicher
noch als jene bei Geislingen.
Der Bau dieser Bahn mag von der Regierung weniger beabsichtigt und wohl nur deshalb
zur Beratung gestellt worden sein, um zu zeigen, dass sie veegen dieser Gefahren und mit Rücksicht
auf allenfallsige schlimme Folgen ausser Konkurrenz mit der Lonseebahn zu stellen sei. Auf
Erbauung dieser letzteren Bahn ging denn auch der Vorschlag der Regierung.
Der weitere Verlauf und das endliche Schicksal der beiden Projekte machen eine eingehendere
Beschreibung derselben entbehrlich; doch mag hier erwähnt sein, dass die Detailpläne
und Berechnungen durch die Bauinspektoren Kaiser, Binder in Heidenheim und Morlok in Wasseralfingen,
nach Anleitung v. Gaabs gefertigt waren.