Objekt: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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gelehrte Herr wohl die Wolle probirt hat, daß er so etwas in die 
Welt hinaus posaunen kann? Oder ob es ihm dabei so geht, wie so 
vielen seiner Kollegen, daß er etwas gesagt und für wahr und richtig 
behauptet hat, weil er es so für wahr und richtig hält? In der 
Medizin ist ja freilich Alles möglich, und in jedem Arzt stet ein gutes 
Stück papstähnlicher Unfehlbarkeit. 
Was Sie in der jüngsten Nummer Jhres Monatsblatte3 von dem 
Angstgefühl eines Wollenen in einem von Menschenausdünstung ge- 
füllten warmen Raum erzählen, habe ich jüngst treffend bestätigt ge- 
funden. 
Am 3. d. Mts. hielt der Dr. wed. Do> aus Unter-Waid bei 
St. Gallen in unserem homöopathischen Verein einen brillanten Vortrag 
über naturgemäße (vegetarianische) LebensSweise. Saal- und Nebenräume 
waren überfüllt und die Hike war wahrhaft tropisc<. Anfänglich war 
ich durch den gediegenen Vortrag so in Anspruch genommen, daß ich 
die Unbequemlichkeiten de8 Lokal38 wenig beachtete. Bald aber wurde 
die Hike und die Ausdünstung so vieler Menschen mir so fatal, daß 
ic schnell ein Fenster öffnen mußte. Als ich dem Vortragenden in 
der Folge beim Demonstriren einer großen farbigen Tabelle behilflich 
wor, nahm das Uebelbefinden in hohem Grade zu. Meine Frau, die 
nic<t wußte, was mich quälte, fragte mich nachher, was mir gefehlt 
habe; ich sei, als ich auf dem Podium gestanden habe, außergewöhnlich 
blaß gewesc:. 
Acht Tage darauf wohnte ich einem anderen Vortrage im poli- 
tisc<1 Berein über dynamo-elektrische Maschinen bei. Der Saal von 
ca. Meter Länge, 42 Meter Breite und 6 Meter Höhe war von 
wu x 89 wasflammen erhellt; 200 Personen mochten anwesend sein. 
2 , 3 naye aa dem Katheder des Vortragenden. E58 entwidelte sich 
ba «ne enorme Hiße und damit ein mir sehr widerlicher Geruch nach 
m „wen Ausdünstungen. Mich beängstigte das dermaßen, daß ich 
= „vüileit /enuß von dem interessanten und durch Experimente er- 
wz „ortrage hatte. Ih fragte meinen Nachbar, in dessen Ge- 
sellschut ..y gefommen war, ob er ähnliche Wahrnehmungen mache; er 
sowoyl wie andere Bekannte verneinten dies, sie fühlten sich nur durch 
die Hike ein wenig angegriffen. 
Als der Vortragende vei seinen Experimenten ein ca. 30 Centi- 
meter langes und ziemlich starkes Stüc Platindraht vorzeigte, welches 
er durch die dynamo-elektrishe Maschine zum - Glühen bringen wollte, 
dachte uh) an die von Ihnen als Luftreiniger empfohlenen Döbereiner 
Lampen und versprach mir davon viel Erleichterung meines Zustandes. 
Meine Erwartungen aber wurden übertroffen. Der Draht glühte in 
seiner ganzen Länge vielleicht nur eine Minute lang, aber die Luft war 
dadurch sofort und so merklich gebessert, daß ich ohne Uebelbefinden 
athmen konnte. Ungefähr 40 Minuten darauf endete der Vortrag; ich 
konnte bis dahin ganz bequem aushalten, nur die Hie im Saale war 
etwas unangenehm. Mein Nachbar war ein hiesiger Optiker, dem ich
	            		
121 nach beendetem Vortrag nach Ihrer Anleitung Mittheilung von der Döbereiner Lampe machte. Am auffallendsten bei diesem lezten Unwohlsein war mir der Umstand, der mir bei meiner vegetarianischen Lebensweise noch nie passirt war, nämlich daß ich Verdauungsstörungen empfand. Der Leib war aufgetrieben und schmerzhaft, in den Gedärmen- rumorten die Gase fast überlaut. So wie der Platindraht zu glühen anfing, nahmen die Schmerzen und das Poltern im Bauche ab. Die Aufgetriebenheit blieb wohl noch bestehen, war aber weniger unbequem, und als ich im Freien war , entwichen die Gase ganz geruchlos. J< bin sehr geneigt, diese Wirkung dem glühenden Platindrahte zuzuschreiben. = Taß ich ob meiner vom Gewöhnlichen sehr abweichenden Jäger- traGt-Gier anfänglich vielen Spöttereien u. s. w. ausgesezt war, brauche ich wohl nicht erit sonders * 1 betonen, obgleich Jedermann findet, daß die Tracht sehr kleidsam i<. Dies fand auch mein Chef, dem seines Reißens8 wegen von seinem Hausarzt Dr. J. die Wolle empfohlen war, der sich aber noch nicht reht dazu entschließen kann. =- JI schließe, indem ich mir erlaube, mein jüngstes Conterfei beizulegen, mit der Versicherung, daß ich niemals der Wolle untreu werden will. Ihr hochachtungsvoll ergebenster St., 28. März 1882. H. M. Wosle und Tuberkulose. Bericht von F. Sc. in A. (Sachsen). Kochgeehrter Herr Professor! Im Oktober 1879 erkrankte ich an * „äng2. Vom Januar 1880 bis Mai 81, mit Unterbrechung der . „mmormonate Juni, Juli, August 1880, habe ich die Kur in Dav.» “7165 und mich während des dortigen Aufenthalts troß au „bers ziemlich wohl befunden. Nach Ausspruch des bekannten : 2 Davos wäre meine rc<hte Lu“ 5e bis zur .. Rippe infiltrirt, t „rationen aber nicht zusammenhäagend, jedoch entzündliche Pro- „anden. Auf der Spike der linkea Lunge wäre noch ein kleiner “ vorhanden. = Za den lezten 3 Monaten meines Davoser u18 stellten sich bei mir Anfangs vereinzelte Kongestionen nach err: - „m, später wracen dieselben taglich in ven Nachmittagsstunden, öl „eeremal des Tages jedeSmal mit jo großer Heftigkeit auf, du. „.q<tben häufig 3--4 Stunden anhielten und die. größte Gefahr v“2ganden war. Dagegen war nichts zu thun, als fortwährende starke Ei8uwschläge auf Kopf und Brust, die mir Erleichterung brachten. Herr Dr. 1. erflärte dieses Leiden für Herzfehler, später aber als ein Nervenleiden höchster Art und rieth zur sofortigen Abreise des Höhen- klimas wegen. In Weesen a. Wallensee, woselbst ih zur Nachkur hin- geschickt wurde, ging es mit den Kongestionen etwas besser; sie trate seltener auf, doh stellte sich bald Fieber ein, welches immerfort zwisch 38--39,5 * schwankte. Während der lezten 3 Monate hatte me
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