Die materielle Kultur
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Ausgesprochene Fremdenfeindschaft herrscht in China dort am
meisten, wo man am meisten mit den Fremden in Berührung kommt: an
den Hauptsitzen der Europäer und in der Nähe der Hauptwege desFremdenverkehrs.
Und die Art und Weise, wie die Ausbreitung dieses Fremdenverkehrs
in den letzten Menschenaltern erzwungen worden ist, und
die Folgen, die das für China bisher gehabt hat, lassen das verstehen.
3. Die materielle Kultur,
a) Der Bodenbau.
China ist ein ausgeprägter Agrarstaat; von seiner Bevölkerung sind
etwa 80% landwirtschaftlich tätig. Der Ackerbau ist seit alters die
Grundlage seiner Kultur. Wie hoch er als solche geschätzt wurde,
zeigte die bekannte alljährliche Pflugzeremonie in Peking, bei welcher
der Kaiser zur Frühjahrs-Tag- und Nachtgleiche ein heiliges Feld im
Tempel der Erde mit einem Ochsengespann und einem vergoldeten
Pflug umbrach. Trotzdem ist das Verständnis der führenden Schichten
für eine rationelle Hebung der Landwirtschaft bisher sehr gering gewesen.
China ist noch heute das typische Land der „traditionellen“
Wirtschaft, d. h. der Wirtschaft nach uralt hergebrachten Methoden
und der Schwerzugänglichkeit für moderne Verbesserungen.
Wir besitzen heute in dem Buche von W.Wagner, „Die chinesische
Landwirtschaft" (1926), ein umfassendes und eindringendes Werk
über die Grundlagen, die Gegenstände und die Methoden von Ackerbau,
Obstzucht und Viehwirtschaft in China. Ihm entstammt die
obige Schätzung der Prozentziffer der landwirtschaftlichen Bevölkerung
für ganz China.*)
Auch er kommt zu außerordentlichen Dichtemaßstäben der bäuerlichen
Siedelung. In den fruchtbarsten Teilen und in der Nähe
der großen Städte wird man in größerem Umfang durchschnittlich
500 auf den qkm annehmen müssen. Stellenweise kommen, wie
schon oben gezeigt (S. 126), noch größere Dichten vor. Weitaus der
größere Teil der Betriebe ist sehr klein. Durch die ganze chinesische
Geschichte zieht sich der Kampf um Bildung und Verhinderung
von Großgrundbesitz. 1 2 ) In ältester Zeit war das Dorfland Gemeingut
und wurde jährlich neu verteilt, nach dem Tsing tien d. h. Brunnenfeld-System.
Jede 900 mou (mou durchschnittlich = 675 qm) große
Fläche zerlegte man in neun Quadrate zu 100 mou, von denen die acht
1) Auch Otte, China, S. 2, und „Wirtschaft des Auslandes“, S. 684, enthalten
wertvolle Betrachtungen.
2) Vgl. Erkes, China.
Wegener, China
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