Full text: China

Die Laufänderung des Hwangho. 
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4. Die Laufänderung des Hwangho. 
Zu diesen revolutionären Erschütterungen des Staatskörpers traten 
entsetzliche Hungersnöte in verschiedenen Provinzen hinzu. Sie wur 
den teils durch die Revolutionen selbst hervorgerufen mit ihren 
Plünderungen, Verwüstungen und Folgen allgemeiner Unsicherheit, 
teils durch Unregelmäßigkeiten der Monsunwitterung, Dürren oder 
Überschwemmungen. Das Unglück größten Ausmaßes hierbei ver 
ursachte der „Kummer Chinas“, der Hwangho. Zweifellos in Zusam 
menhang mit dem äußeren und inneren Unheil dieses Jahres, insbeson 
dere mit der T'«i/>wg , -Rebellion, wurden die Dämme dieses Stroms, 
an dem die Lage schon lange deutlich überaus gefahrdrohend war 1 ), ver 
nachlässigt, und 1852 erfolgte der Ausbruch. Der Strom verließ den 
Unterlauf im Süden der Halbinsel Schantung, den er seit 1194 gehabt, 
und suchte sich einen neuen im Norden der Halbinsel. Furchtbar 
waren, in dem von uns oben (S. 73f.) angedeuteten doppelten Sinne, 
die Folgen dieser Katastrophe. Daß trotzdem erst Jahre nachher eine 
Kunde von diesen Ereignissen und von der gewaltigen Stromverlegung 
des Gelben Flusses in die Außenwelt durchsickert 1 2 ), darin wird mit 
Recht ein Zeugnis für die Größe der herrschenden Verwirrung in 
China erblickt. 
Immerhin muß man sagen, wenn der Reichskörper trotzdem alle 
diese inneren Kämpfe und Krämpfe überstand, wenn es den Generalen 
der Kaiserlichen gelang, immer wieder all dieser Revolutionen Herr 
zu werden, so geht doch daraus hervor, daß die von ihren großen 
Ahnen geschaffene Machtstellung des Mandschu-Kaisertums gegen 
über den einheimischen Widerständen immer noch sehr viel fester, 
gefügt war, als es nach außen hin, angesichts der Mißerfolge gegen 
über den Ausländern, erscheinen möchte. Aber eben gerade den neu 
zeitlichen Kriegsmitteln der letzteren war China nicht gewachsen. 
5. Der Lorcha-Krieg. 
Das zeigte sich in dem gleichzeitigen zweiten kriegerischen Kon 
flikt, in den die kaiserliche Regierung mit den Fremden geriet, dem 
sogenannten Lorcha-Krieg. Er entstand ganz verständlicherweise aus 
den ungeordneten Zuständen, deren die Regierung immer weniger Herr 
werden konnte. Nicht nur der Schmuggel, sondern insbesondere die 
Seeräuberei, die in dem Inselgewirr der Küste Südchinas immer bereit 
1) Abb6 Huc hat schon einige Jahre vorher auf die Gefahr aufmerksam ge 
macht. 
2) Tiessen, China I, 272h
	        

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