Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/10/
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im Gefolge der dort hochgeschätzten, in ihrer Herstellung unbe 
kannten Seidenstoffe. Allein im Vergleich des großartigen Aus 
tausches von Kulturgütern, wie die dem Abendlande angehörigen 
Kulturen untereinander ihn stets gehabt haben, ist alles das doch 
außerordentlich spärlich. Und äußerst geringfügig und schattenhaft 
ist doch in Wahrheit alles, was das klassische Altertum, auch auf 
der Höhe seiner Erdkenntnis, von Ostasien gewußt hat. Erst das 
Kreuzzugszeitalter, die Zeit Marco Polos, hat uns eine wirkliche 
Kunde von China gebracht, uns Japan überhaupt erst genannt. 
Und wirklich erforscht worden ist der Ferne Osten erst seit den 
letzten Jahrhunderten, zum Teil später als selbst Amerika. 
Das hat ganz einfach an der trennenden Kraft gelegen, die auch 
die dazwischen liegenden Landräume gehabt haben. Einmal ein 
fach ihre Größe, sodann ihre Ausstattung mit hindernden Ge 
birgen, Wüsten, Einöden oder feindseligen Völkerschaften. Erst 
gegenüber den neuzeitlichen Raumüberwindungsmitteln der abend 
ländischen Gesittung verloren sowohl Meer wie Land soweit ihre 
trennende Kraft, daß nun von beiden Seiten her, vom Lande (Ruß 
land) wie von der See, hier jetzt sogar über den Pazifik hinüber, 
die Einflüsse der abendländischen Kulturwelt mit Gewalt sich Zu 
gang erzwangen. Und die Folge dieses späten, gewaltsamen Ein 
bruchs des Abendlandes in die Bereiche des Fernen Ostens, die 
Rüdewirkung der westlichen Kultur auf die uralte, so ganz anders 
geartete östliche, ist es ja vor allem, was die gegenwärtigen, die 
Welt beschäftigenden „Probleme“ hervorgerufen hat. 
Während also die Bereiche des „Fernen Ostens“ von anderen 
Menschheitsräumen geographisch stark getrennt waren, haben an 
dererseits große natürliche Gemeinsamkeiten in ihrer eigenen geo 
graphischen Bildung dazu beigetragen, sie selbst untereinander in 
ihrer Gesittung anzunähern und zusammenzuschließen. 
Schon ihr orographischer Bau weist solche Gemeinsamkeiten auf. 
In gigantischen Stufen, wie eine Riesentreppe, steigt der Osten 
Asiens aus den Tiefen des größten Weltmeeres empor. Oder ver 
gleichbar besser noch mit jenen kunstvollen, bogenförmig geschwun 
genen Ackerterrassen mit aufgebogenen Außenrändern, auf denen 
der Ostasiate seit Alters seinen Reis baut. 
Besonders deutlich wird das in der Gegend von Japan und der 
Mandschurei. Vor dem japanischen Inselbogen liegt eine der ganz 
großen Meerestiefen des Erdballs, das bis über 8000 m hoch von 
Wasser bedeckte Japantief. Aus ihm erhebt sich die erste Stufe des
        

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