Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/12/
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walles dahinzieht. Es ist der Rand des Beckens von Szetschwan, 
durch den sich der gewaltige Yangtsestrom in 7—800 km langen, 
immer tiefer sich, einschneidenden Kurven, mit Landschaftsformen, 
die an Großartigkeit an die Fjorde Norwegens erinnern, seinen 
Durchbruch nach Mittelchina bahnt. Wie der Küstenbogen durch 
schneidet auch hier dieser Randabfall das sonst vorhandene Ge- 
birgsgerüst Chinas. Und ganz ähnlich geschieht es auch weiter im 
Süden. Auch in den Provinzen Kweitschou und Yünnan ist in dem 
dortigen Mittelgebirgslande eine niedrigere östliche und eine bis 
gegen 2000 m höhere westliche Stufe zu unterscheiden. Hier, in 
Südkansu, Szetschwan und Yünnan, schließt sich dann endlich im 
Westen noch eine letzte Höhenstufe an, die gewaltigste, die Asien 
kennt, das tibetische Hochland, mit Rändern, die sich stellenweise 
bis über 7000 m emporrecken, mit einer Durchschnittshöhe der dar 
an sich anschließenden Plateaus von 4000, ja 5000 m. 
Und noch ein zweiter geographischer Zug größten Stils faßt 
die Landschaften, die wir ins Auge fassen, zu einer großen natür 
lichen Einheit zusammen. Ein klimatischer: der große Jahreszeiten 
wechsel der ostasiatischen Monsunwinde. 
Im Winter fließt aus dem kontinental überkühlten Inneren 
Asiens die unter schwerem Druck stehende Luft in im Mittel süd 
östlicher Richtung, also als Nordwestwinde, nach dem wärmeren, 
von leichterer Luft überlagerten Meer ab. Im Sommer ist es umge 
kehrt. Die vegetationsarmen Wüsten und Steppen Innerasiens er 
hitzen sich stark, die über ihnen aufgelockerte Luft steigt empor 
und aus dem Gebiet des jetzt relativ kühleren Meeres mit schwerem 
Luftdruck strömt sie in nordwestlicher Richtung, also als Süd 
ostwinde, nach dorthin. Dies System, einem ungeheuren Wechsel 
von Gezeitenströmen ähnlich, beherrscht ganz Japan, China und 
die Mandschurei. Im Winter bringen die Nordwestwinde aus Inner 
asien Kälte heran. Am meisten natürlich im Norden. In den nörd 
lichen Teilen der Mandschurei herrschen sibirische Kältegrade. Aber 
auch noch im nördlichen China frieren die Gewässer mehrere Mo 
nate zu, schärfere Kälte herrscht, als wir sie in dem erheblich nörd 
licher gelegenen Mitteleuropa kennen, und die Vegetation kommt 
zum völligen Stillstand. Ja auch in Südchina wird die winterliche 
Temperatur sehr viel stärker herabgedrückt, als es in den ent 
sprechenden Breiten des Abendlandes der Fall ist. Im südlichen 
Kiangsi, in Breiten des mittleren Ägypten, habe ich im Januar in 
geringer Meereshöhe wiederholt Fröste erlebt; in Kanton, unter
        

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