Full text: Ostasien in der Krise (1933 / 6)

11 
dem Wendekreis des Krebses, kommt der äquatornächste Schneefall 
am Meeresspiegel vor. 
Im übrigen gibt es, auch in Nordchina und der Mandschurei, 
wenig Schnee. Die winterlichen Winde, aus dem trockenen Konti- 
nentalinnern kommend, sind ausgesprochen feuchtigkeitsarm; der 
Winter ist deshalb die Trockenzeit des Monsungebietes. Im Haus 
halt der Natur schadet das nicht viel, da ja, insbesondere in der 
Mandschurei und Nordchina, die Vegetation doch winterlich ruht. 
In Südchina tut sie es nicht ganz so; dort ist aber auch, wohl wegen 
örtlicher Aufnahme von Verdunstungswasser in dem nicht wie 
Innerasien trockenen Lande, die Regenlosigkeit im Winter nicht 
ganz so absolut. Auch in J apan herrschen die kalten nordwestlichen 
Winterwinde und drücken dort die Temperatur herab. Da sie aber 
über die Japansee wehen, so beladen sie sich hier etwas mit Feuchte 
und bringen den Gebirgen an der Westseite Japans Schneefall. 
Die sommerlichen Südostwinde dagegen kommen feuchtigkeits 
gesättigt vom Meer her. Sie bringen mit dem steigenden Sonnenlauf 
die warme Jahreszeit und zugleich auch die Regenzeit. Zumal da 
der geschilderte Stufenbau des Landes sie zum Aufsteigen zwingt. 
Gewaltige Regenmengen entladen sich über allen Teilen Ostasiens. 
Und weil sie gerade in der warmen J ahreszeit fallen — umgekehrt 
wie in unserem Mittelmeergebiet, wo sie im Winter fallen und der 
warme Sommer trocken ist —, so ist das äußerst günstig für die 
Vegetation, die sich aufs reichste entfalten kann. Darin ist haupt 
sächlich der große Reichtum der natürlichen und der Kulturvegeta 
tion der ostasiatischen Welt begründet. Weit hinein in das Innere 
des Kontinents tragen die sommerlichen Regengüsse die Möglichkeit 
des Ackerbaus. Weiter hinein noch ernähren sie den Graswuchs der 
Steppe. Ganz Japan, dem Ozean, mit hohen Gebirgen, am nächsten 
gelegen, ist mit Sommerregen ausgestattet, die den Ackerbau ermög 
lichen. Fast ganz China desgleichen, und seit Jahrtausenden hat 
seine Bevölkerung auch den Ackerbau soweit gegen Innerasien vor 
geschoben, wie es auf natürlichen Regenfall allein hin gut möglich 
war. Ziemlich genau kennzeichnet die große chinesische Mauer diese 
Grenze des Ackerbaulandes gegen das Steppenland. Nur im nord 
westlichen Kansu schließt sie auch den durch Berieselung aus den 
Gebirgsflüssen des Nanschan gewährleisteten Oasen-Ackerbau an 
der Yümönn-Passage mit ein. Erst der wachsende Bevölkerungs- 
druck des letzten Menschenalters hat in China dazu geführt, den 
Ackerbau auf Regenfall über diese Jahrtausende alte Grenze hier
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.