Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/15/
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oder in der Mandschurei in größeren Massen zu siedeln. Der 
Kälte des dortigen Winterklimas sind sie nicht gewachsen. Zur Zeit 
wenigstens nicht. Es hat sich gezeigt, daß das japanische Volk sich 
zwar mit erstaunlicher Raschheit, in zwei bis drei Menschenaltern, 
geistig der europäischen Zivilisation und ihren Anforderungen an 
passen konnte, körperlich aber nicht oder noch nicht den klimati 
schen Bedingungen des ihnen für ihre Volks Vermehrung zur Ver 
fügung stehenden Kolonisationsgebietes. 
Chinas herrschende Bevölkerung, diejenige, die die chinesische 
Kultur und den chinesischen Staat geschaffen hat, tritt uns zuerst 
im Norden des Landes entgegen. Soweit wir sie heute mit Sicher 
heit zurückverfolgen können, finden wir sie in den Lößgebieten des 
mittleren Hwangho und seines Nebenflusses Weiho. Woher sie ge 
kommen sind, ist heute noch eine offene Frage, nachdem die Richt- 
hofensche Theorie ihrer früheren Beheimatung in den Oasen des 
Tarimbeekens von der neueren Sinologie verlassen worden ist. Die 
im vorigen Jahr gemachten, Aufsehen erregenden Funde von Re 
sten eines prähistorischen Urhöhlenmenschen in der Nähe von Pe 
king, die entwicklungsgeschichtlich mit dem Pithekanthropos von 
Java oder dem Neanderthaler auf eine Stufe gestellt werden, kön 
nen uns hier nicht weiter helfen als etwa der Neanderthaler für 
die Herkunft der Germanen. 
Von Nordchina aus hat dann das dort herrschende Volk zuerst 
die Nachbarn der Ebenen am mittleren und unteren Yangtse unter 
worfen und assimiliert; sodann die des Gebirgslandes von Süd- 
und Westchina. Diese Völkerschaften sind den Chinesen wohl nahe 
verwandt, aber doch nicht identisch mit ihnen gewesen, so daß noch 
heute mannigfache Mischungen innerhalb der chinesischen Bevölke 
rung erkennbar sind. Ja in gewissen Gegenden des inneren Südens 
und an den Grenzen nach ff ibet hin ist heute noch die Assimilierung 
erst in den Anfängen. Im äußersten Südosten ist vielleicht auch wie 
in Japan malayisches Element von Übersee mit hineingekommen. 
So kommt es, daß trotz außerordentlich starker Kultureinheit 
der chinesischen Menschheit heute doch sehr starke Unterschiede 
darin erkennbar sind, wie sie sich ja schon durch die großen, bis 
zur Unmöglichkeit des gegenseitigen Verstehens gehenden Dialekt 
unterschiede deutlich machen. Insbesondere glaubt man zu erken 
nen, daß die Nordchinesen sich von denen des ausgesprochenen 
Südens ähnlich stark und zum Teil auch ähnlich charakteristisch 
unterscheiden wie die Nordeuropäer von Südeuropäern, etwa die
        

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