Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/16/
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Skandinavier von den Italienern. Die Nordchinesen, etwa aus der 
Gegend von Peking, hochgewachsen, hellhäutig, von ruhiger Ge 
mütsart, stetig, besonnen, konservativ; die Südchinesen, etwa die 
Kantonesen, kleiner, dunkelfarbig, unruhigen Temperaments, phan 
tasievoll, künstlerisch, neuerungssüchtig. Aus Südchina, insbeson 
dere aus Kanton, sind fast immer die umstürzlerischen Bestrebun 
gen hervorgegangen. Im Norden dagegen hat doch fast immer die 
politische Macht, die feste, ruhige Staatsführung gelegen. Auch gegen 
wärtig ist die Bewegung, die das alte Reich gestürzt hat, aus dem 
Süden, aus Kanton, hervorgegangen. Diesmal hat der Süden ge 
siegt, hat Peking, die Hauptstadt seit dem Mittelalter, entthront 
und Nanking zum Sitz der Zentralregierung gemacht, soweit wirk 
lich eine solche vorhanden ist. Aber das letzte Wort dieser Entwick 
lung ist ja noch nicht gesprochen. 
Auch sonst entspringen dem historischen Werdegang, unter 
stützt durch geographische Besonderheiten des Landes, verschie 
dene Sonderbildungen innerhalb der Bevölkerung. Die Bewohner 
der einzelnen Provinzen, etwa von Tschili, Schantung, Schansi, ganz 
besonders aber in dem geographisch mannigfacher gestalteten Sü 
den, etwa in Hunan, Kiangsi, Kweitschou, Fokien, Kwangtung, 
bilden alte, innerlich zusammengeschlossene Sondergruppen mit be 
sonderem Verwandtschaftsbewußtsein, landsmannschaftlichen Emp 
findungen, traditioneller gegenseitiger Förderung; Stammesgebilde, 
in mancher Art vergleichbar mit unseren Sachsen, Schwaben, 
Bayern, Friesen usw. innerhalb des deutschen Volkes. Auch mit 
dementsprechenden partikularistischen Neigungen. Seit das auf 
religiöser Grundlage ruhende einigende Band des Kaisertums ab 
geschafft ist, sind diese Partikularismen noch wesentlich stärker ge 
worden. Das bringt es mit sich, daß in den Wirren der letzten 
Jahrzehnte ehrgeizige örtliche Machthaber aus den alten chinesi 
schen Provinzen vielfach fast etwas wie selbständige Königreiche 
haben machen können. Hierin beruht somit ein besonderes Hemm 
nis für die Zusammenfassung der Millionenmassen der Chinesen 
zu einer ihrer Zahl und Kulturhöhe entsprechenden politischen 
Kraftwirkung. 
Die Grundlagen des Gemeinsamen in der ostasiatischen Kultur 
sind unfraglich geschaffen worden von jenem alten merkwürdigen 
Volke in den Lößgebieten am Hwangho. Auch die Japaner haben 
— über Korea — im frühen Mittelalter diese Kultur in stärkstem 
Maße übernommen, bis zu dem Grade, daß noch heute die japa
        

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