Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/20/
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den müssen. Das ging durch viele Jahrhunderte. Als aber ln den 
fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Kanonen der ameri 
kanischen und englischen Kriegsschiffe Japan zwangen, aus seiner 
gewollten Isolierung herauszutreten, und als es nun mit scharfem 
Blick sofort erfaßte, in welch fürchterliche Welt es hineingestellt 
wurde, in der nur rascheste Aneignung der überlegenen materiellen 
Zivilisation der weißen Rasse und insbesondere ihrer Kriegs- und 
Geldmittel retten konnte, da wurde es schnell anders. Japan sah, 
daß es eine moderne Industrie zu diesem Zweck aufbauen müsse, da 
Ackerbau und Fischfang allein nicht die zur Modernisierung er 
forderlichen Mittel aufbringen konnten. Das ist ihm in erstaun 
lichem Maße gelungen. Allein es trat nun auch hier wie bei den 
weißen Völkern jene rapide Volks Vermehrung ein, die in Wechsel 
wirkung mit der industriellen Entwicklung verbunden ist, indem 
die Industrie sowohl selbst die Menschenmassen hervorruft, wie sie 
sich selbst wieder um ihrer Ernährung willen steigern muß. Und 
heute ist es schon so, daß J apan, das Mutterland, nur 390 000 qkm 
groß, bereits über 65 000 000 Einwohner hat und jährlich um nahe 
zu 1 Million zunimmt! Daneben halte man, daß Deutschland, 
470 000 qkm umfassend, also 80 000 qkm größer als Japan, auch nur 
etwa 66 Millionen Einwohner besitzt. Die Volksdichte in Japan ist 
also 170 auf einen Quadratkilometer, in Deutschland nur etwa 140. 
Dabei sind von Deutschlands Boden doch immerhin fast 60 % für 
den Ackerbau nutzbar, gegen nur 17 % in Japan. Und nun denke 
man daran, wie sehr schon wir uns als „Volk ohne Raum“ fühlen. 
Wie schwer muß der Bevölkerungsdruck in Japan sein! Japans 
Staatsleitung weiß das, und wir erkennen deutlich, wie sehr seit 
Jahrzehnten infolge dieser geographischen Verhältnisse ein Haupt 
faktor der japanischen Politik die Erwerbung von Außenbesitzun 
gen ist, die diesen Bevölkerungsdruck lindern, um einer sonst un 
ausweichlichen Katastrophe vorzubeugen. Japan hat einen Krieg 
mit dem so viel größeren China gewagt, um Koreas sich bemäch 
tigen zu können. Aber damit ist noch nicht viel geholfen ge 
wesen, denn Korea ist selbst schon in seinen brauchbaren Teilen 
stark bevölkert. Da hat es denn seinen Blick nach der Mandschurei 
gerichtet, jenem Land, auf das auch schon die russische Politik die 
Hand zu legen begonnen hatte. Auch mit dem russischen Koloß 
hat es den Waffengang gewagt und ihm den südlichen Teil seiner 
mandschurischen Eisenbahnen entrissen, die Halbinsel Liautung, 
die Plätze Port Arthur und Dalnij, und hat damit die südliche
        

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