Full text: Ostasien in der Krise (1933 / 6)

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Mandschurei seinem Einfluß unterworfen. Hier war nun zunächst 
Ackersiedlungsland in größtem Ausmaß zur Verfügung. Aber wir 
haben ja schon darauf hingewiesen, wie die Klimaverhältnisse die 
ses Landes, insbesondere die stark kontinentalen Unterschiede zwi 
schen Sommer und Winter und die exzessive Winterkälte, dem 
ozeanische Milde und relative Gleichförmigkeit des Klimas ge 
wöhnten Japaner so wenig Zusagen, daß er sich trotz aller gebote 
nen Vorteile doch nicht dort niederläßt. Nicht mehr als etwa 200 000 
Japaner leben bisher in der Mandschurei; auch diese größtenteils 
nicht als Ackerbausiedler, sondern als Beamte und Angestellte im 
Zusammenhang mit den Eisenbahnen und industriellen Unter 
nehmungen. Statt dessen hat nun inzwischen, herbeigelockt durch 
die moderne Erschließung des Landes, jene ungeheure Einwande 
rung chinesischer Bauern in die Mandschurei eingesetzt, von der 
wir noch sprechen werden, die durch ihre Massenhaftigkeit, ihre 
Bedürfnislosigkeit, ihre bessere Anpassung an die Landesnatur die 
weitgehenden Siedlungspläne der J apaner in der Mandschurei noch 
aussichtsloser machen helfen. 
Trotzdem ist die Verfügung über die Mandschurei für Japan 
nicht wertlos, denn noch ein anderer natürlicher Grund zwingt Ja 
pan zu dieser Politik. Japan selbst ist nicht nur an ackerfähigem 
Boden so arm, sondern auch leider an den wichtigsten Rohstoffen 
zum Aufbau der modernen Industrie, auf der es neuerlich einen so 
wesentlichen Teil seiner Existenz auf gebaut hat. Nicht nur fehlt 
es an Boden zum Anbau von Gespinnstpflanzen, J apan besitzt nur 
schlechte, industriell wenig brauchbare Kohlen im Lande, und es 
besitzt so gut wie gar kein Eisen; auch sonstige Metalle sind sehr 
wenig vorhanden. 
In dieser Hinsicht steht es mit der Mandschurei günstiger. Dieses 
Land besitzt nicht nur die großen Anbauflächen, auf denen, wenn 
auch vielleicht nicht direkt durch eigene Siedler, so doch für Rech 
nung Japans, allerlei Bodenerzeugnisse gewonnen werden können, 
sondern es besitzt auch reiche und vorzügliche Kohlen. Ebenso in 
der Nähe dieser Kohlenlager treffliche Eisenerzvorräte. Dazu an 
dere Rohstoffe verschiedener Art. Die Mandschurei ist unfraglich 
ein Rohstoffland ersten Ranges, und Japan hat bereits angefangen, 
diese Schätze in größtem Stil nutzbar zu machen. Ich verweise in 
dieser Hinsicht auf die weiter unten (S. 28) wiedergegebenen Ziffern 
Mohrs. Es läßt sich danach ohne weiteres ermessen, daß Japan
	        

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