Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/26/
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ren, Überschwemmungen, Hungersnöten, Verarmung der schlimm 
sten Art — eine ungeheure Zunahme der Volkszahl. Neuere Ver 
suche zu Volkszählungen haben durchweg nicht die kleinen, sondern 
die größten Ziffern der bisherigen Schätzungen bestätigt. Nach 
ihnen ist die Zahl der Chinesen heute nicht weit von 500 Millionen. 
Ganz zuverlässige Volkszählungen besitzen wir in China immer 
noch nicht, vollends nicht jetzt in den Wirren. Ganz besonders dicht 
scheint die Große Ebene in der Gegend von Schantung besiedelt zu 
sein. Hier haben vor einiger Zeit einmal englische Missionare in der 
Nachbarschaft von Tsinanfu auf einem bestimmten Raum eine 
eigene Zählung versucht und sind dabei zu der abenteuerlichen 
Ziffer von über 800 Menschen auf den Quadratkilometer gekommen! 
Das kann natürlich auch der unendlich bedürfnislose chinesische 
Bauer nicht durchhalten. Und so ist es denn vor allem die Große 
Chinesische Ebene, und besonders die Provinz Schantung, aus der 
neuerdings jene ungeheure chinesische Auswanderung nach der 
Mandschurei stattfindet. 
Im stärksten Gegensatz zu dem Hwangho steht der größte 
Strom Chinas, der Yangtsekiang. Er ist durch das ganze Land hin 
durch, bis zum äußersten Westen hin schiffbar — wenn auch inner 
halb seiner Durchbruchsschlucht zwischen Szetschwan und Hupe mit 
großen Gefahren — und vielleicht der verkehrsgewaltigste Strom 
der Erde überhaupt. Um so mehr, als auch seine nach beiden Seiten 
in wunderbarer Regelmäßigkeit ausgreifenden Nebenflüsse weithin 
nach Norden und Süden den Bereich seines großartigen Verkehrs 
systems ausdehnen. Bis nach Hankau, im Herzen Mittelchinas, trägt 
er sogar Seeschiffe hinauf, 1000 km weit ins Innere, und darauf 
beruht die außerordentliche Bedeutung dieses neuerdings so viel 
genannten Handelsplatzes. In seinem Mündungsgebiet ist Schanghai 
der Vermittlerort zwischen dieser gewaltigen Binnenschiffahrt 
und dem Weltverkehr. Mit über drei Millionen ist es heute die 
größte Stadt Asiens geworden. In seiner „internationalen Siede- 
lung“, geschützt durch die Kriegsschiffe und Truppen der fremden 
Nationen, hat sich auch der Großteil der bisherigen modernen In 
dustrie Chinas niedergelassen und des nach modernen kapitalisti 
schen Methoden arbeitenden Reichtums der Chinesen. 
Der drittgrößte Fluß Chinas, der Sikiang, kann zwar nicht mit 
dem Yangtse an Bedeutung wetteifern. Allein er trägt auch einen 
bedeutenden Verkehr und hat an seiner Mündung die Stadt Kanton 
entstehen lassen, die schon seit dem Altertum ein Haupteingangs
        

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