Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/27/
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tor des Außenhandels von China und noch heute eine der volk 
reichsten und lebensvollsten Städte Chinas ist; seit langem auch 
mit seiner unruhigen Bevölkerung ein Herd von Umwälzungen. 
Hier ist die Heimat Sun Yat-sens, des Schöpfers des modernen 
republikanischen und patriotischen Chinas. 
Draußen, unmittelbar vor der Mündung des Sikiang, erhebt sich 
der steile Felsberg von Hongkong, seit 1842 Sitz der britischen See 
zwingburg in den chinesischen Gewässern. — 
Die Mandschurei endlich ist bis vor kurzem, in allen Staats vertrü 
gen zwischen China und anderen Mächten, auch J apan, staatsrechtlich 
als durchaus zu China gehörig behandelt worden. Fast könnte man 
sagen, daß es eigentlich auch umgekehrt ausgedrückt werden könnte, 
daß China zur Mandschurei gehört, da 1644 China von den Mandschu 
erobert worden ist. Aber die Fürsten der Mandschu, die sich auf 
dem Drachenthron Chinas rasch chinesierten, eine außerordent 
liche Neublüte Chinas herbeiführten und das chinesische Gesamtreich 
zu dem Umfang erweiterten, wie es, eine Million Quadratkilometer 
größer als ganz Europa, noch heute auf unseren Atlanten dargestellt 
wird, haben selbst ihr nördlich von der Großen Mauer gelegenes 
Stammland stets wie ein Außenland des eigentlichen China be 
handelt. Es war nicht in den Yerwaltungsapparat der alten Pro 
vinzen mit einbezogen, den Chinesen keine Freizügigkeit dorthin 
gestattet, im Gegenteil, die Daueransiedlung von Chinesen in der 
Mandschurei, der Erwerb von Grund und Boden dort, war ihnen 
verboten. Die Kaiser und der mandschurische Adel behielten ihre 
Güter und Jagdgründe dort, sie pflegten die schöne Residenz ihrer 
Vorfahren Mukden, aber sie taten wenig für die kulturelle Ent 
wicklung der Mandschurei. Im Gegenteil, da die mandschurischen 
Familien mehr und mehr nach China hin abströmten, wo ihnen 
Einfluß und Reichtümer winkten, wurde das Land geradezu men 
schenleer und verödet. Erst gegen Ende der Mandschuherrschaft, 
als in China selbst der erwähnte Bevölkerungsdruck anfing sich 
bemerkbar zu machen, begann eine Änderung der Politik. Noch im 
vorigen Jahrhundert machte man die südlichsten Teile der Mand 
schurei, unmittelbar vor der Großen Mauer, zu einer richtigen Pro 
vinz (Schöngking, heute Fengtien); Einwanderung wurde gestattet, 
der Hafen Niutschwang dem Fremdenverkehr geöffnet, und das 
Land begann emporzublühen. Aber der weitere Norden und Osten 
war noch der Außenwelt fast unbekannt. Selbst die politischen 
Grenzen waren niemals recht festgelegt worden. Es geschah das
        

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