Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/40/
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Daß bei dieser Sachlage eine Weltwirtschaftskrise nie gekannten 
Ausmaßes, wie wir sie seit dem Herbst 1929 erleben, schlechthin 
verheerende Folgen für Japan haben mußte, ist selbstverständlich. 
All die Erscheinungen, die gerade uns Deutschen aus den derzeiti 
gen Verhältnissen unseres Landes nur zu geläufig sind, wie 
schlechte Lage der Landwirtschaft und der Industrie, Arbeitslosig 
keit, hoher Steuerdruck, hohe Zinsen, Preise, die kaum oder über 
haupt nicht die Gestehungskosten decken, und vieles andere mehr, 
finden wir heute auch in Japan. 
Es ist noch durchaus nicht entschieden, welches eigentlich das 
Zentralproblem ist, von dessen erfolgreicher Lösung Japans wirt 
schaftliche Gesundung abhängt: die katastrophale Lage seiner 
Landwirtschaft oder die ungünstigen Verhältnisse seiner in einem 
phantastischen Tempo entwickelten Industrie, die nach Absatz 
schreit, oder die Bevölkerungsfrage, denn auch die Japaner sind 
letzten Endes „ein Volk ohne Raum“. 
Wahrscheinlich ist, daß die Agrarfrage in Japan noch schwieri 
ger als bei uns zu lösen ist. Der Preis, den der japanische Bauer für 
seinen Reis erhält, beträgt nach japanischen Angaben zur Zeit etwa 
17 Yen per Koku (1,8 hl) ; die Produktionskosten dagegen sollen sich 
auf etwa 30 Yen stellen! Dieses unerhörte Mißverhältnis erklärt 
sich aus hohen Zinsen (10 Prozent bis 11 Prozent und mehr), sehr 
hohen Steuern, die den Bauern verhältnismäßig weitaus härter als 
z. B. den Kaufmann oder Industriellen belasten, hohen Pachten und 
hohen Unkosten für Düngemittel usw. Die Wirkung von alledem 
war einerseits ein sehr starker Eigentumswechsel (Eigentümer wur 
den Pächter) und andererseits ein starkes Absinken der Grund 
stückspreise, die von 1927 bis 1931 um rd. 30 Prozent bis 50 Prozent, 
je nach der Gegend, gesunken sind. 
Diese Verhältnisse in der Landwirtschaft, die ja immer noch 
mehr als die Hälfte der japanischen Bevölkerung beschäftigt, haben 
sich außerordentlich nachteilig auf schlechthin allen Gebieten wirt 
schaftlichen Lebens ausgewirkt, auf die Banken, auf den japani 
schen Binnenhandel (mangelnde Kaufkraft), auf die Zufuhren frem 
der Erzeugnisse usw. Nur einige Zahlen, um die Verhältnisse zu 
beleuchten: Japans Gesamteinfuhr betrug (japanische Statistik) 
1925: 2,5 Milliarden Yen; 1929: 2,2 Milliarden Yen; 1931 dagegen 
nur noch 1,2 Milliarden Yen. 
Sieht man auf Japan als ganzes, so kann man nicht verkennen, 
daß seine Lage in hohem Maße ungünstig und gefährdet ist. Auch
        

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