Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/41/
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dort haben die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten stärkste 
inner politische Spannungen zur Folge gehabt, wie u. a. die verschie 
denen Attentate der letzten Jahre gezeigt haben, die bald hervor 
ragende Wirtschaftsführer, w'e den ausgezeichneten Dr. Takuma 
Dan, den Leiter des größten japanischen Wirtschaftskonzerns, der 
Mitsui-Gesellschaft, bald die maßgebendsten Vertreter der Regie 
rung und politischen Parteien betroffen haben. 
Inzwischen ist Japan in schwierigste außenpolitische Wirrnisse 
und Fährlichkeiten geraten: die Verwicklungen mit China, das sein 
weitaus wichtigster Absatzmarkt ist, die Kämpfe in der Mandschu 
rei, der unvermindert fortbestehende Gegensatz zu Rußland u. a. m. 
sind sehr ernsthafte Gefahrenquellen — unter Umständen nicht nur 
für Japan, sondern auch für andere, einstweilen nicht unmittel 
bar betroffenen Gebiete der Welt. 
Gerade so wie Europa an der durch den Krieg und Versailles 
herbeigeführten Lage Deutschlands und an dem unbefriedigenden 
Verhältnis Deutschland/Frankreich krankt, geradeso leidet Ostasien 
unter dem gespannten Verhältnis zwischen Japan und China. Ver 
ständigen sich diese beiden zwar ungemein verschiedenen, aber für 
die Weltwirtschaft und Weltpolitik gleich wichtigen Länder, so 
wird für die ökonomische Entwicklung des Fernen Ostens unge 
mein viel gewonnen sein. Kommt ein Ausgleich der Spannungen 
nicht zustande, dann wird das weitgehend dazu beitragen, daß die 
so dringend notwendige wirtschaftliche Gesundung der Welt zum 
Nachteil fast der gesamten Menschheit weiter auf sich warten lassen 
wird. 
III. 
Korea. Die Hand Japans, das sich 1910 Korea einverleibte, 
seine Kolonisierungs- und Verwaltungsmethoden haben während 
der letzten zwei Jahrzehnte oft bitter hart auf dem koreanischen 
Volke gelastet. Es ist viel Zwang, viel Polizeiwillkür, viel allzu 
überlegene Macht angewendet worden, um Korea zu „befrieden“ 
und es wirtschaftlich zu erschließen. Die naturgemäße Folge ist ge 
wesen, daß sich in weiten Kreisen des an sich unendlich ruhigen, 
fast lethargischen, gutmütigen und gerade auch uns Europäern 
sympathischen koreanischen Volkes eine erhebliche Abneigung 
gegen J apan und sein Regiment herausgebildet hat. Das ist mensch 
lich ebenso verständlich wie das Mitgefühl, das man als Europäer 
mit den Koreanern haben muß.
        

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