Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/54/
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Wohl errichteten die Vereinigten Staaten von Amerika und Austra 
lien beizeiten diesem unerwünschten Zustrom gegenüber durch Ein 
wanderungsverbote Barrieren, wohl setzten auch die Russen zur 
Zarenzeit wie unter dem Sowjetregime der chinesischen Besiedelung 
und Durchdringung der reichen Mongolei Schranken, aber in Nieder- 
ländisch-Indien und Siam hat sich China eine eben so feste Außen 
position geschaffen, wie in dem ehemaligen Aufiengebiet der Mand 
schurei, die seit 1644, der Aufrichtung der Mandsdiuherrschaft über 
China, als Stammland dieser Mandschudynastie zunächst bewußt 
von chinesischer Einwanderung freigehalten worden war, aber in 
den letzten drei Jahrzehnten immerhin die größte Wanderungs 
bewegung der Welt, eine Einwanderung von vielleicht 15 bis 20 Mil 
lionen Nordchinesen erlebte und so heute zu einem chinesischen 
Kultur- und Wirtschaftsgebiet geworden ist. Gerade weil aber an 
dere Auswanderungsziele ihm verschlossen sind, weil es nicht im 
stande ist, überseeische Kolonisation so großzügig zu betreiben wie 
Japan, eine rasche Industrialisierung oder Binnenerschließung bei 
dem gewaltigen eigenen und Weltkapital-Mangel ins Werk zu 
setzen oder auch nur die durch eigene Schuld und höhere Gewalt 
bedrohten Siedlungsgebiete im Innern zu sichern und zu schützen, 
gerade deshalb braucht China heute die noch für Dutzende von 
Millionen besiedelbare Mandschurei als für seine Bevölkerung ge 
eignetes Siedlungsgebiet. Das ist der Kern der heutigen und der 
künftigen Auseinandersetzungen im fernen Osten. 
Es scheint erwünscht, gleich zu Beginn dieser Darlegungen die 
sen Kernpunkt der Gegensätzlichkeiten darzulegen. Wir werden 
noch sehen, wie sich die Dinge geschichtlich entwickelt haben und 
wie verwickelt sie sich durch das Dazutreten so mancher politischer 
und wirtschaftlicher wie auch geistiger Nebenumstände gestalten. 
Den Anstoß zu dieser ostasiatischen Entwicklung und Verwick 
lung haben Europa und Amerika gegeben. Wir brauchen, um die 
politische Problematik des fernen Ostens zu verstehen, nicht ge 
schichtlich in die Zeiten frühester J ahrhunderte zurückzugreifen. Es 
genügt völlig, nur das vergangene Jahrhundert zu überblicken, das 
unter dem Zeichen verkehrstechnischer und weltwirtschaftlicher 
Ausdehnung und Entwicklung stand, im Zeichen einer weltpoliti 
schen und weltwirtschaftlichen Verflechtung, der sich kein Land 
und keine Macht entziehen konnte, und von der kein Gebiet dieser 
Welt verschont blieb, mochte es in Asien oder in Australien, in 
Afrika oder in Amerika liegen. Der Konflikt im Fernen Osten ist
        

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