Full text: Ostasien in der Krise (1933 / 6)

völkerungsmassen, Rohstoffland für die japanische Industrie, Ab 
satzland für die japanischen Fertigwaren. 
Es ist zu Eingang dieses Vortrages gezeigt worden, bis zu wel 
cher Schärfe sich die Situation gegenwärtig in China entwickelt hat 
und wie die Zielsetzung der beiden Hauptträger der ostasiatischen 
Politik Japans und Chinas beschaffen ist. Es bleibt noch übrig, 
einen Blick auf die übrigen Weltmächte und ihre ostasiatischen In 
teressen zu werfen. Am stärksten interessieren uns hier Rußland 
und Amerika. 
Rußland hat vor dem Kriege, also schon zn zaristischer Zeit, 
seine Fühler nach der äußeren Mongolei ausgestreckt und sie de 
facto China weggenommen, wenn sie auch de jure immer noch 
chinesischer Außenbesitz blieb. Die Sowjets haben zwar zu Beginn 
ihrer Herrschaft auf alle „ungleichen Verträge“ verzichtet und die 
zaristische Expansion in Grund und Boden verdammt, sind aber 
ebenso rasch dann umgekehrte Wege gegangen und haben die 
Mongolei äußerlich zu einem mongolisch-sowjetistischen Staate, in 
Wirklichkeit zu einem sowjetrussischen Tribut- und Vasallenstaat 
umgestaltet: Heer und Polizei stehen unter russischer Oberhoheit, 
Handel und Verkehr ist nur Sowjetrussen erlaubt, das fremde und 
insbesondere das chinesische Händlertum ist vollständig vertrieben 
und um seinen Besitz oder sein Leben gebracht. Mit ebenso starker 
kolonialer Kraft dringt Sowjetrußland auch in die innere Mongolei 
ein und sucht sie chinesisch-kolonisatorisch-siedlerischem Einfluß zu 
entreißen. In der Mandschurei hat die starke Faust des chinesischen 
allmächtigen Generalgouverneurs Tschang-Tso-lin russischem Vor 
dringen einen Damm entgegengesetzt, wobei nicht zu verkennen 
ist, daß hier chinesisches und japanisches Interesse diesem Vordrin 
gen gleichermaßen entgegenstand. Immerhin sind sich die Russen 
darüber klar, daß in dem chinesisch-japanischen Gegensatz um die 
Mandschurei heute zwar noch eine gewisse Chance für sie liegen 
mag, die aber immer mehr schwindet, je stärker das Vordringen 
der Japaner gegenüber den Chinesen in dieser Provinz sein wird. 
Denn die Verbindung von Moskau nach Wladiwostok und damit 
zum Ausgang am Gelben Meere führt von Mandschuria aus durch 
mandschurische Lande. Eine Unterbrechung dieser Verbindung würde 
für Rußland eine Gefährdung seines ganzen Besitzes am Gelben 
Meere bedeuten, wenn es auch versucht hat, durch die Nordamur- 
Umgehungs-Bahn, sich eine gewisse Sicherheitsreserve zu schaf 
fen. Ein Blick auf die Landkarte zeigt aber, daß eine japanische 
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