Title:
Ostasien in der Krise
Creator:
Wegener, Georg Linde, M. Wertheimer, Fritz Praesent, Hans
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1539155476229_6/71/
Seit dieser Vortrag gehalten wurde, haben sich die ostasiatischen 
Dinge mit unheimlicher Schnelligkeit entwickelt und Kämpfe ge 
zeitigt, die einen weltpolitischen Konflikt eröffnet haben. Aus einer 
Spionageaffäre an der mandschurisch-mongolischen Grenze und aus 
der Tötung eines japanischen Offiziers, aber auch aus vielen Ein 
zelzusammenstößen und stets sich verschärfenden Konflikten hat 
sich mit dem 18. September 1931 ein japanischer Feldzug in der 
Mandschurei entwickelt, der so gut militärisch und taktisch vorbe 
reitet war, daß er die chinesischen Truppen wie mit einem Sturm 
wind hinwegfegte und die ganze Mandschurei alsbald in den Besitz 
der Japaner brachte. Die Antwort der weder geldlich noch militä 
risch gerüsteten Chinesen bestand in der Entfachung eines Klein- 
und Bandenkriegs in der Mandschurei, der den Japanern viel zu 
schaffen machte und sie noch manche Blutopfer kostete. Die Ant 
wort bestand aber auch in einem erneuten Aufflackern des anti 
japanischen Boykotts in allen Teilen Chinas, was auf Japan um so 
empfindlicher wirkte, als sich bei der verschärften Weltwirtschafts 
krise des Jahres 1931 für die japanischen Waren andere Absatz 
quellen nicht erschließen ließen. Der Widerstand gegen die Politik 
der starken Faust war auch, in Japan im Wachsen, als Weltwirt 
schaftskrise und antijapanischer Boykott die Arbeitslosigkeit stei 
gen und die Arbeiter- und Bauernunzufriedenheit bedenklich wach 
sen ließen. Als äußere Ablenkung und zur Brechung des Boykotts 
griff Japan im Januar 1932 zu dem verzweifelten Mittel eines Ab 
lenkungsfeldzugs nach Schanghai, wo es zwar in mörderischem An 
griff mit allerneuesten Kriegswaffen das chinesische Wohn- und 
Geschäftsviertel Tschapei um den Nanking-Bahnhof herum zerstö 
ren und Milliardenwerte vernichten konnte, dann aber doch auf 
den so starken militärischen Widerstand der besten chinesischen 
Kerntruppen stieß, daß es das „Schanghaier Abenteuer“ recht bald 
liquidierte und froh sein konnte, dank der Vermittlung der Mächte 
sich zurückziehen zu können. Militärische Sieger sind die Japaner 
auf jeden Fall in Schanghai nicht gewesen, an militärischem Pre 
stige haben sie den Chinesen gegenüber und der Welt gegenüber 
in Schanghai nicht gewonnen. Aber das Ablenkungsmanöver hatte 
in der Tat den Erfolg, daß die Augen der Welt von der inzwischen 
vollendeten „militärischen Durchdringung“ der Mandschurei abge 
lenkt wurden. 
China erhob sofort Protest gegen dieses Vorgehen beim Völker 
bund, dessen Mitglieder ja die beiden streitenden Parteien sind. 
69
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.