Full text: Der Hoppenlau-Friedhof in Stuttgart

    
   
   
  
    
   
   
   
   
   
   
   
   
    
    
    
    
   
   
    
  
  
  
  
Daß hier das Auge nicht durch trügeriſchen Glanz geblendet wird, 
liegt schon in der Bescheidenheit des Materials, welches vorsſchlägt. 
Schlichte Holzkreuze sind früher auch von guten Familien, wie einzelne 
Beispiele noch dartun, nicht verschmäht worden. Schmiedeiſerne Kreuze 
fand ich überhaupt nicht, während das oft unſchöne Gußeisenkreuz 
in den 182 er Jahren sich eingebürgert hat. Für Steingrabmäler 
wurde bis in die zwanziger Jahre fast auschließlich der Keuperſandstein 
aus der nächſten Umgebung verwendet; nur der mit Efeu vom Eingang 
der Nebelhöhle umsponnene Steinblock auf W. Hauffs Ruhestätte stammt 
von den Höhen der Schwäbiſchen Alb. Vereinzelt blieb die originelle 
Autenriethſche Stumpfsäule aus einer zisalpinen Marmorart 14). Alle 
alten Denksteine stehen aufrecht da; die unzweckmäßige liegende Sand- 
steinplatte kommt kaum vor 1830 vor. Der warmtönige Buntsandstein 
erſcheint vielleicht schon 1823, sicher um 1840, etwas später ein weißlicher 
Kalkstein; Granit anfangs der 1860 er Jahre, auch einmal in roter, 
wohl sächsiſcher Abart. An modernen Tropfsteinfelſen und naturalistiſchen 
Kalksteinkreuzen kommt man ein paarmal vorbei. Kreuze und Platten 
aus karrariſchem Marmor und Syenit, vollends die Bronzetafeln sind 
Wahrzeichen des gewerblichen Aufschwungs im letzten Menſchenalter. 
Überblicken wir nun in ihren Haupterſcheinungen die hier vertretenen 
Stilarten®). Die älteſte Form, aus dem Baro ins Rokoko hinüber- 
spielend, iſt das Wandepitaph, meist giebelartig bekrönt mit beſchwingten 
Engelsköpfchen, auch mit gekreuztem Gebein und Totenſchädel, oder mit 
Familienwappen; ein Wappenſchild wird in jener Zeit auch von Bürger- 
lichen gern angebrachte. Man wundert ſich vielleicht, daß aus dem 
47. Jahrhundert nur ein paar, aus dem 18. kaum zwanzig Grabſteine 
vorhanden ſind. Aber einerseits mochten die Ruhestätten selbſt bedeutender 
Menſchen wie Schubart nur durch Holzkreuze bezeichnet sein, welche, da 
auf dem engen Raum des alten Friedhofs wiederholt eine Geſchlechts- 
  
Dürerbundes, München 1909, Seite 11. + Vgl. auh H. Gräſsel, Über Friedhof- 
anlagen und Grabdenkmale, 60. Flugschrift des Dürrerbundes, Mürichen, 1910 und 
K. Kühner, Mehr Sinn für die Stätten unserer Toten, Stuttgart, 1912. 
14) Vgl. die Ansicht auf Tafel IL. Die aus dem Jahre 1895 stammende Auf- 
nahme, welche Herr Profeſſor Dr. Cl eme n- Bonn für seine Flugschrift v on mir ent 
lehnt hat, verdanke ich wie die zu Tafel III und IV Herrn Pr. C. A. Fet er. 
15) Die im Text wiedergegebenen Abbildungen von Grabmälern durften dem 
Werk von E. Paulus, Die Kunst- und Altertumsdenkmale im Königreich Württemberg, 
Inventar des Neckarkreiſes, Stuttgart 1889, S. 10, 42, 45 entnommen werden. ~ Vgl. 
ferner P. Kraft, Ausgeführte Grabdenkmäler alter und neuer Zeit, Frankfurt a. M. 
1889, Taf. 4, 5, 10. – Lamb ert und Stahl, All-Stuttgarts Baukunst, Stuttgart 
(1906), Tafel 15, (21), (24), 45, 46, (47), (60). 
 
	        

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