Full text: Geschichte der Stadt Stuttgart

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Bis ins 16. Jahrhundert 
Jahr wieder zurückgezahlt werden, findet sich hier eine bunte Menge verschiedenartiger Ausgaben 
vereinigt, die nichts miteinander zu tun haben und teilweise in den übrigen Posten hätten unter 
gebracht werden können: Brot für die froner an den städtischen Bauten, 16 Pfund 4 Schilling 
einem tzafner von Vaihingen für zwei Oefen in der großen und kleinen Ratsstube, dem Bild 
hauer sRichel 14 Schilling „von dem propheta in der neuen Stube zu hauen“; „den Maurern 
und Gesellen am Hinterhaus geben zu vertrinken zur Förderung der Arbeit" u. s. w. Jm ganzen 
wird auch bei diesem Posten der größte Ceil für das städtische Bauwesen aufgebraucht. Ver 
mißt werden hier ganz die Leistungen für humane Zwecke im weitesten Sinn, für Erziehung 
und Bildung, für Arme und Kranke u. s. w., Posten, die jetzt recht ansehnliche Summen in den 
städtischen Rechnungen ausmachen. 
Diese Lücken werden nun aber teilweise ausgefüllt durch eine Reihe von anderen Rech 
nungen , die mit mehr oder weniger großer Selbständigkeit neben der Bürgermeisterrecbnung 
stehen und wie diese von Vogt, Gericht und Rat oder allein von Vogt und Gericht abgehört 
werden. 
Hier ist in erster Linie zu nennen der Spital, der jährlich allein etwa 3000 pfd. Heller 
Geld neben großen Beträgen in Daturalien einnahm. Dazu kommt, wie gewöhnlich in den 
mittelalterlichen Städten seit der Zeit der Rreuzzüge, ein Siechen- oder Sonderfiechenhaus, 
das ursprünglich zur Aufnahme der von der menschlichen Gesellschaft streng abgesonderten Aus 
sätzigen bestimmt war und das um 1500 etwa 5—600 Pfund Heller Geldeinnahmen hatte. 
(Heiter das Seelhaus oder Gutleuthaus, ebenfalls ein häufig vorkommendes Zubehör der alten 
Städte, zur Beherbergung und Unterstützung durchreifender Armen, während die Spitäler ihre 
Tätigkeit mehr und mehr auf die städtische Bürgerschaft einschränkten; seine Mittel waren frei 
lich gering, seine regelmäßigen Geldeinnahmen erreichten nicht einmal 100 Pfund Heller im Jahr. 
Eine Ergänzung dieser Anstalten bildete das „gemeine Almosen", das wohl wie anderwärts 
vor allem für hausarme Leute bestimmt war, die sich schämten zu betteln und einer Unter 
stützung doch dringend bedurften. Es hatte jährlich etwa 200 Pfund Heller auszugeben. Da 
neben stehen noch einige weitere Stiftungen von privater Seite, die aber von der Stadt ver 
waltet wurden, und endlich sei noch das „Salve" oder die Salve-Regina-Bruderschaft genannt, 
die, aus Anlaß einer Seuche im Jahr 1429 entstanden, hauptsächlich gottesdienstlichen Zwecken 
diente. 
Alle diese Anstalten stehen der Stadt mit eigenem, teilweise recht großem Vermögen gegen 
über; für sie werden gleichzeitig mit den übrigen städtischen Beamten aus Rat oder Gericht je 
zwei Pfleger jährlich bestimmt, die am Schluß ihres Amtsjahres ihre Rechnung vorlegen, für 
die Verwendung der Gelder find die Stiftungszwecke maßgebend; der ümfang der Tätigkeit 
hält sich im Rahmen der vorhandenen Mittel. Die Stadt nimmt wohl bei dieser oder jener 
Stiftung ein Anlehen auf, gibt aber niemals Zuschüsse aus ihrer eigenen Kaffe, so lange jene 
ihren Aufgaben selbst genügen können.
	        

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