Full text: Geschichte der Stadt Stuttgart

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Vom ib. bis ins X). Jakrkundert 'i» 
und 4 Simri Linsen. Seit der Reformation war die Stadtkasfe mit Ausgaben für die Kirche 
nicht belastet; erst nach Gründung der Stiftskirchenmufik mußte sie eine Hauszinsentschädigung 
von 6 Gulden für den Stiftszinkeniften übernehmen und einen Beitrag von 40 Gulden zur 
Stiftsrnufik zahlen. Oie bauliche Instandhaltung der Kirchen war Aufgabe des Arnienkaftens; 
Neubauten wurden in unserem Zeitraume nicht nötig, da die Stifts-, Leonhards- und Spital 
kirche, zu denen als herzogliche Kirchen noch die I)of- und die Garnisonskirche kamen, ausreichten, 
für die Reparaturen genügten die Mittel des dazu verpflichteten Hrmenhaftens. 
Auch für das Schulwesen hatte zunächst der Hrmenkaften aufzukommen; er hatte die 
Schulen zu unterhalten und die Lehrer zu besolden. Jn der Besoldung der Lehrer wurde er 
schon seit 1572 unterstützt von dem Kirchenkasten, der von dem ordnungsmäßigen Gehalt von 
20 Gulden die Hälfte auf sich übernahm. Außerdem hatte der Lehrer freie CQobnung; im Jahre 1610 
erhielt er eine Zulage von 10 Gulden und 6 Scheffel Dinkel, später noch 6 Klafter Holz. Die 
Stadtkaffe wurde dabei nicht in Anspruch genommen; trotzdem stand ihr ein Ginfluß auf das 
Schulwesen zu, denn Vogt, Bürgermeister und Gericht hatten das Recht der ßomination der 
Lehrer unter Mitwirkung des Spezials (Dekans); der Ernannte bedurfte der Bestätigung durch 
das Konsistorium. Auch bei den jährlichen Schulprüfungen durch den Scholarchen (Schulinspektor, 
das war der Spezial) und den Kirchenpfleger wirkte ein Mitglied des Gerichts mit. (Lieber die 
ältesten Schulen und die unbedeutende Entwicklung bis zum Ende unseres Zeitraums siehe 
Seite 16 f.) 
für arme Kinder hatte der Hrmenkaften das Schulgeld zu bezahlen; da der Betrag dieser 
Schulgelder im Jahre 170g auf 200 Gulden gestiegen war, wurde eine besondere Hrmenkasten- 
schule gegründet, die, wie die Modisten- und Krähenschule im Hrmbrusterhaus untergebracht 
wurde. 
Besser gesorgt als für die Volksschulen, war für die lateinische Schule; als Schulgebäude 
wurde ihr das Beguinenhaus überlassen; die Besoldungen wurden aus der Stiftskaffe bezahlt; 
auch der Spital hatte einen Lehrer zu besolden. Die Stadtkasfe zahlte auch einen Beitrag, indem 
sie den Adiunctus primae classis mit 130 fl. 15 kr. besoldete. Die Gesamtleistung der Stadt 
für die Volksschule betrug im Jahre 1803 nur 385 Gulden an Geld und 289 Gulden an Holz 
lieferungen ; welch verschwindende Summe gegenüber dem zu Millionen angewachsenen Aufwand 
der Stadt für die heutigen Schulen! Jm 19. Jahrhundert hat die Stadt ihre Versäumnisse der 
Vergangenheit in schönster Meise gutgemacht. 
Steter Aufmerksamkeit von seiten des Magistrats hatten sich Gewerbe und Handel 
zu erfreuen. Ein Gewerbe durfte nur ausüben wer einer Zunft angehörte, und für die Aufnahme 
in eine Zunft war der Besitz des Bürgerrechts unbedingtes Erfordernis. Mer ein Gewerbe selb 
ständig treiben wollte, mußte Meister sein; jeder neuaufgenommene Meister hatte ein ffleistergeld 
in die Stadtkasfe zu bezahlen. Die Ausübung des Gewerbes wurde geregelt durch die auch 
sonst im Land eingeführten Gewerbeordnungen. Außerdem hielt es aber der Magistrat für seine 
besondere Aufgabe, die Gewerbe zu beaufsichtigen; zu diesem Zwecke stellte er für die einzelnen 
Gewerbe Kontrolleure, die „Schauer“, auf, welche die Beschaffenheit der Maren zu untersuchen 
hatten und wenn sich Mängel zeigten, den Meister in Strafe nehmen konnten. Auch auf die 
Preisbildung erstreckte lieh die Tätigkeit des Magistrats. Als einmal über Ceuerung der not 
wendigsten Lebensrnittel geklagt wurde, ließ sich der Magistrat von Eßlingen eine Caxordnung 
kommen, und auf Grund dieser Ordnung setzte er bestimmte Handwerkstaxen fest. Damit der 
Käufer richtiges Maß und Gewicht bekomme, wurden alle Jahre die Maße und Gewichte von 
pfechtern untersucht, ob sie gepfechtet und mit dem Stadtzeichen versehen waren. Alles von
	        

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