Full text: Geschichte der Stadt Stuttgart

Vom 16. bis ins 19. 'Jahrhundert -i» 
ihre Geschäfte waren ebenfalls geregelt. Gin CCteinfcbreier rief den verkäuflichen Mein aus, der 
Unterhäuser vermittelte den Verkauf, die Jmiträger füllten den Mein aus, Meinzieher und Sicher 
sorgten für richtiges Maß, die Magenspanner luden die fäffer und drei faßführer führten 
ihn fort. 
Der Handel mit frucht mußte auf dem Kornmarkt unter Hufficht der fruchtmeister 
geschehen; es war verboten, eine Meile im Qmkreis der Stadt frucht zu kaufen, denn die sollte 
auf den Markt oder ins Kornhaus gebracht werden. Zum Messen der frucht waren vereidigte 
Kornmeffer aufgestellt. Das Kornhaus befand sich im Rathaus, erst im Jahre 1823 wurde ein 
besonderes Gebäude auf dem Leonhardsplatz dafür bestimmt. 
Der Holzhandel bedurfte der Hufficht umsomehr, als man stets über die Höhe der Holz 
preise klagte. So wurde zu wiederholten Malen eine Caie für Brennholz festgesetzt: dieselbe 
betrug 3 fl. 40 kr. für das Meß oder Klafter (3V3 Raummeter) im Jahre 1609, und nach 1795 
wurde als Höchstpreis 3 fl. 45 kr. bestimmt. Qm Preissteigerungen zu verhindern, wurde den 
Händlern der Hnkauf vor den Loren verboten. Die verordneten Holzrneffer fetzten gegen eine 
Gebühr das Holz ins Meß. Das zu flößen bestimmte Holz wurde geprüft von vier Deckar 
holzschauern, die Meinbergpfähle von den Pfahlschauern, die Bretter von Bretterschauern. 
Die Landwirtschaft war noch von großer Bedeutung im alten Stuttgart, besonders der 
Meinbau. Qm diesen Grwerbszweig vieler Bürger zu schützen, wurde die Ginfuhr fremder alter 
Meine verboten und die Ginfuhr neuer nur bis Martini gestattet. Die Konkurrenz des Bieres 
wurde anfänglich nur in schlechten Meinjahren zugelassen, und als im 18. Jahrhundert die ersten 
Brauereien gegründet wurden, war ihre Konkurrenz nicht zu fürchten, da sie infolge hoher Hb- 
gaben die Maß nicht unter 5—6 kr. herstellen konnten, während die Maß Mein nur 3—4 kr. 
kostete. So bildete denn bis ins 19. Jahrhundert der Mein das Hauptgetränke des Stuttgarters. 
Der Schutz des feldes lag in der Hand der städtischen Maid- und feldschützen; außerdem gab 
es noch besondere Gartenschützen, denen auch die Hufsicht und Jnstandhaltung der Siege 
übertragen wurde. Grenzstreitigkeiten entschieden die üntergänger; sie setzten auch die Mark 
steine gegen bestimmte Gebühren; das Messen wurde von den beeidigten feldmesfern bestimmt, 
die im 16. Jahrhundert 1 Schilling 8 Heller für den Morgen anzusprechen hatten. Die fünfer 
oder feldfteußler hatten über den Hnbau der felder, besonders der Güter von Maisenkindern 
zu wachen und Hnstände dem Bürgermeister anzuzeigen. 
Die Stadt selbst war Grundbesitzerin. Die städtischen Maldungen, welche um das Jahr 
1700 rund 2500 Morgen betrugen, wurden von zwei Maidmeistern verwaltet, welche dem Magi 
strat entnommen waren. Qeber die städtischen Güter und Meinberge war der Bauknecht gesetzt, 
der für ihren Hnbau zu sorgen hatte. 
Die Ginkünfte der Stadt zur Bestreitung ihrer Hufgaben setzten sich zusammen aus dem 
Grtrag des Stadtbesitzes an Häusern und Gütern, sowie der städtischen Qnternehmungen, aus Ge 
bühren, Beiträgen des Staats und des Hmts und hauptsächlich aus Steuern, Zu den Ginnahmen 
aus dem städtischen Grundbesitz gehören die Ginnahmen für Holz, Mein und Obst, die Ginnahmen 
der städtischen Maschhäuser, die Pachtzinse aus städtischen Gebäuden, Gütern, Hllmandplätjen, 
dem aufgefüllten Stadtgraben u. a., den ewigen Zinsen für Qeberlasfung städtischen Grundes zu 
Bauzwecken. Mie oben gezeigt, trieb die Stadt einen Handel mit Salz und Schmalz; ferner 
betrieb sie eine Ziegelhütte und Steinbrüche, verkaufte Gichgefässe, Maße und Gewichte nach 
auswärts und hielt ein eigenes fuhrwerk. Hn Gebühren erhob sie die Bürgerrechtsgebühr für 
Hufnahme eines neuangezogenen und die Hbjugsgebühr von jedem abziehenden Bürger; wer in 
den Magistrat gewählt wurde, hatte das Bechergeld, ein neuer Handwerksmeister das Meifter- 
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