Full text: Geschichte der Stadt Stuttgart

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■ on allen Plätzen, welche die gewaltige wirtschaftliche 6ntwicklung des ,y. Jahr 
hunderts ju großen Städten erhoben hat, mußte sich wohl keiner den Rang, den er 
jetzt unter den Großstädten des Reichs einnimmt, schwerer und mühsamer erringen, 
als Stuttgart, dem so ziemlich alle die Vorbedingungen fehlten, welche die Schwester- 
städte im Süden wie im Horden in raschem Siegesfluge emporgetragen haben. 
Jn näherer und weiterer Umgebung lagen gewerbfame und ^ermögliche, über ihre Privi 
legien eifersüchtig wachende Reichsstädte, die mit ihren Gebieten zum Ceil bis fast vor die Core 
Stuttgarts reichten, mit scheelem Blich die Entwicklung der Stadt verfolgten, öfters in wirt 
schaftlichen Streitigkeiten mit ihr lagen und stets bereit waren, die kleine Hauptstadt der Graf 
schaft, des späteren H cr 5°9tums Württemberg, ihre Zwiste mit den H 6rreri des Landes, ihren 
Schirmvögten, entgelten zu lassen. Eine lange Reihe von fehden und Kriegen hat immer aufs 
neue den kaum mühselig wieder errungenen Wohlstand Stuttgarts zerstört. Und als die Stadt 
in dem verhältnismäßig ruhigen >8. Jahrhundert die an politischer und wirtschaftlicher Bedeutung 
langsam niedergehenden Reichsstädte nicht mehr zu fürchten brauchte, da erstand ihr in dem in 
der Hähe neu gegründeten Ludwigsburg ein zeitweilig recht gefährlicher ßebenbublcr; der Schluß 
des Jahrhunderts aber brachte den großen Völkersturm, der Land und Stadt jahrzehntelang bis 
ins innerste sßark erschöpfte. Hls dann in langer friedensjeit die nunmehrige Hauptstadt eines 
größeren Staatswesens sich hätte vorwärts bringen können, da fehlte ihr Blies, was in dieser 
Zeit das Hufblühen und Wachsen so vieler andrer Städte veranlaßt und gefördert hat. Kein 
schiffbarer Strom berührt die Stadt. Der kleine Bach, der sie durchfließt und seinen kurzen Lauf 
im Heckar endigt, ist statt einer Zierde und Erquickung ein schon früheren Geschlechtern lästiger 
Schädling geworden, dessen die Bürgerschaft durch eine kostspielige Ueberwölbung sich hat ent 
ledigen müssen. Seine in vereinzelten kleinen Mühlen ehedem ausgenützte Wasserkraft war nie
	        

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