Full text: Geschichte der Stadt Stuttgart

Zweiter Abschnitt. 
Das achtzehnte Jahrhundert. 
er Hlte Schloßplatz in Stuttgart ist wohl einer der stimmungsvollsten in Deutschland, 
einer von denen, die nicht das Gefühl gähnender Leere, sondern eines gesättigten Wohl 
gefallens erwecken, ein platz, wo ferne Jahrhunderte mit einem uns noch berührenden 
Zeitalter zusammenklingen, erhebt sich doch in seiner Mitte das älteste Schillerdenkmal, 
in seiner ernsten Gigenart zugleich eines der würdigsten. Seine Umrahmung bildet nach vorn hin 
die malerische Kaumasse des Hlten Schlosses mit üorweg, Hltan und Rundturm, seitlich der 
schlicht schöne Chor der Stiftskirche mit ihren dahinter aufragenden Cürmen, der alte frucht 
haften mit seinem hohen, lustig bekrönten Giebel, gegenüber die Hlte Ranzlei mit ihren Creppen- 
türmchen und schmuckreichen portalen, endlich im Rücken der Prinzenbau mit seiner breiten 
palastfront. 
Hn diesem Punkt war es, wo in Stuttgart nach einem hunftarmen Jahrhundert zum 
erstenmal wieder etwas von klassischer Hrchitehtur auflebte. Dicht hier in Stuttgart hatte die 
neue große Baubewegung im Lande eingesetzt, sondern in der gewaltigen Schloßanlage zu Lud 
wigsburg, einem Bauunternehmen, welches mitten im spanischen Grbfolgehrieg seinerseits wie 
eine Kriegserklärung in die beschauliche 6nge altwürttembergifcher Verhältnisse eingriff. Hber 
derselbe Meister, welcher dort Bahn brach, Joh. friedrieb Dette, gestorben als Oberstleutnant 1714, 
löste, wie an anderem Ort ausgeführt werden soll, auch hier den Bann durch Husgeftaltung 
der faffade des Prinzenbaues. 
Hn dieser Stelle hatte schon am Hnfang des 17. Jahrhunderts Heinrich Schickhardt einen 
Palast aufrichten sollen, von welchem 1600—1607 nur der Keller mit dem Unterstock an der 
Rückseite zustande kam. 6rft 1663 wurde der Husbau in Hngriff genommen, zunächst das 
Erdgeschoß mit den breiten Rundbogenfenftern und derben fratzen als Schlußsteinen. Von 1678 
an kamen dann die oberen Stockwerke hinzu mit ihren altertümlichen gepaarten Ohrenfenftern. 
Huch der portalbau mit Säulen und Giebel und der Balkon auf Cragsteinen mit Löwenköpfen 
stammen aus dieser Bauperiode. 
Das Gebäude diente nun als Gesandtenbau zur Beherbergung fremder Würdenträger, bis 
Herzog Gberbard Ludwig es zur Wohnung für den Grbprinzen friedrieb Ludwig bestimmte.
	        

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