Full text: Geschichte der Stadt Stuttgart

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Zweiter Abschnitt. 
Stuttgart vom sechzehnten Jahrhundert bis ins 
neunzehnte. 
I. Bis zürn äreißigjäbrigen Krieg. 
em Creiben eines beispiellos unfähigen und unwürdigen fürsten, 6berbards II 
(1496—98), der die Regierung mundtot machen und sie darum von Stuttgart weg 
verlegen wollte, bereiteten die Stände des Landes und der Kaiser bald ein 6nde. 
Und nach einer für feine Ausbildung und Reifung allzu kurzen, auch wenig geeigneten 
Vormundschaft trat im Sommer 1503 der erst 16 Jahre alte dir ich (geboren ju Reichenweier im 
Elsaß 8. februar 1487, f in Tübingen 6. November 1550) die Regierung an. 6r war, wie 
vom ersten König des Landes, friedrieb, einer feiner besten Räte gesagt bat, ein Mensch, „dessen 
Seelenkraft lauter Mille, durch Leidenschaft in Bewegung gefetzt, ist“, nur daß, im Unterschied von 
jenem späteren, Ulrich durch seine zum Ceil abenteuerlichen Schicksale ein volkstümlicher 
Fjeld und Märtyrer geworden ist. Zunächst mußte es den Stuttgartern gefallen, daß der durch 
des Kaisers Politik so früh mit Land und Herrschaft belehnte Jüngling „unter großem Zulauf 
von Heimischen und fremden eine prächtige teure Hofhaltung eröffnete, mit einem personal, das 
an Menge und Würde immer fürstlicher wurde, zahlreicher Kapelle, falhnerei, Jägerei, großem 
fflarftall“, daß bald darauf Erzherzog Philipp, des Kaisers vielgeltender Sohn, im Schloß über 
der dasei die gewichtigen und kunstreichen 6old- und Silbergefäffe und deren Schmuck an Edel 
steinen und Perlen, in der Schloßkapelle die 6—700 Hirschgeweihe von besonderer Schönheit 
und Größe, im Keller die vielen und großen f äff er bewunderte. Ging doch alles auf Schulden, 
die nicht so schnell zu Cage traten, und hat Ulrich doch gleich im Beginn feiner Herrschaft durch 
die CeÜnahme am Pfälzer Krieg, in welchen von Stadt und Hmt Stuttgart 1020 Mann mit 
zogen, feinem Land einen Zuwachs von 5 Städten und einem der reichsten Klöster verschafft. 
Hls dann im Hornung 1508 ein Molkenbruch das Cal überschwemmte, sah die Bürgerschaft mit 
gerührtem Stolz, wie der jugendliche fürst und fein Hofgesinde ihr „große Hilfe erzeigte, denn 
sie ihre Pferd ins Maller hineingefchwemmt und viel Meib und Kinder aus gegenwärtiger 
Codesnot errettet haben“. Auch die unerhörte Pracht, welche im Mär; 1511 bei der Hochzeit 
des fürsten mit der Bayerin Sabina entfaltet wurde, mag über die Catfache, daß die ihm auf 
gedrungene, wenig liebenswürdige Braut feine Neigung nicht befaß, zunächst weggetäufcht haben. 
Poch nur zu bald mußten die Erlebnisse der Gegenwart den Bürger in Stadt und Land mit 
Grimm, der Gedanke an die Zukunft mit Angst erfüllen, und jahrzehntelang sah sich am meisten 
die Hauptstadt in all das hineingezogen, was Schuld und Unglück des Landesherrn über 
Württemberg heraufbeschworen hat.
	        

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