Full text: Geschichte der Stadt Stuttgart

Dritter Abschnitt. 
Das neunzehnte Jahrhundert. 
fiuedricb, der den 1803 erlangten Kurfiirftenbut am 1. Januar 1806 mit der Königs- 
Krone vertauscht Hatte, gab sich alle Mühe, seiner Refiden? den der neuen öliirde seines 
Hauses und der Stellung seines Landes entsprechenden Glanz zu verleihen. Oie Lore 
wurden hinausgerückt, die beengenden Mauern niedergelegt, Stadtgräben aufgefüllt, die 
Verblendung der Häuser, steinerne Unterftocke auch für die Debenstraßen, die Herstellung von Geh 
steigen angeordnet. Rber die alten Gaffen wurden dadurch nicht breiter, daß sie 1811 die Be 
zeichnung „Straßen“ und großenteils neue Damen, die besser klingen sollten, erhielten. Mohl ge 
wann die Stadt an Ausdehnung: die Königstraße wurde bis zu dem aus der eßlingerftraße bie- 
ber versetzten Königstor verlängert, die Schloß-, friedriebs-, Kronen- und Cbarlottenftraße samt 
dem gleichnamigen Platz angelegt, der Holzmarkt (ödilbelmsplatj) geplant, die obere Deckar- 
ftraße und die Paulinenstraße begonnen, die Schellenwette auf dem postplat? zugeworfen und 
dieser damit erweitert, der Ausbau anderer Stadtteile, besonders der Cübinger Vorstadt, ge 
fördert. Allein die neuen Straßenzüge füllten sich bei den andauernden Kriegsläufen nur lang 
sam mit Häusern, obwohl die Bauunternehmer längere Steuerfreiheit, das Bürgerrecht kosten 
los, Bauholz und Bausteine unentgeltlich zugesichert erhielten. Oer Adel sollte sich in die Stadt 
ziehen, deshalb bekamen seine Mitglieder den Befehl, drei Monate des Jahres in Stuttgart zu 
zubringen. Aber die „Vasallen", wie der König Tie nannte, im ganzen nicht sehr begütert und 
durch die Mediatisierung verstimmt, bezeugten um so weniger Luft, sich in der Hauptstadt nieder 
zulassen, als Friedrich alle höheren Staatsämter mit ausländischen 6delleuten besetzte (S. 49). So 
nahm der König den Ausbau der früheren Ludwigsburger-, jetzt unteren Königstraße selbst in die 
Hand, indem er 1805 von der Solitude den „großen Stall“, den jetzigen Marltall, und 1808 
die evangelische Hofkirche, jetzt katholische Eberhardskirche (eingeweiht 1811) dorthin versetzte. Da 
die Hofkapelle im Alten Schloß für den erweiterten Hofstaat nicht mehr zureichte, so ließ er 
1807 durch Lhouret die frühere Akademiekirche zur Schloßkirche einrichten. Dem fflarftall gegen 
über baute er in demselben Jahr den Offijierspavillon, im Erdgeschoß mit Hallen für die Hof 
wagen, in den oberen Stockwerken mit Mohnungen für die Offiziere der Garde. Unter König 
Milhelm befand sich hier die berühmte Gemäldesammlung der Gebrüder Boifferee, die 1827 nach 
München Karn. Dann berbergte das Gebäude die Realschule, von 1829—64 das neugegründete 
Polytechnikum, später das Real- und das Karlsgpnmafium, bis es von der 1869 gegründeten 
Kunstgewerbeschule bezogen wurde. 1807—11 entstand in der Decbarftraße, im Vorgarten des 
jetzigen Bibliothekgebäudes, das Jnvalidenhaus, das unter König Milhelm I. die öffent- 
236
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.