Volltext: Geschichte der Stadt Stuttgart

«H- ©efcbicbtc der Stadt 
ein Leutnant v. Bohnen den Kammerrat St., der den I)ut nicht vor ihm abnahm, in der 
CUachtstubc prügeln ließ, weil der Offizier der Stellvertreter des Herzogs sei! 
Die Regierungsjeit der beiden nächsten Nachfolger Karl Gugens, [einer Brüder Ludwig 
6ugen (geboren im Taxisfchen Palais zu franhfurt a. ffl. 6. Januar 1731, f Ludwigsburg 
20. Mai 1795) und friedrieb Eugen (geboren Stuttgart 21. Januar 1732, f Hohenheim 
22. Dezember , 797) brachte in kurzen vier Jahren für Stuttgart viel neues, wenig gutes. Der 
erstere, der den Sommer ganz in Ludwigsburg zubrachte, hob, allerdings auf Antrag der Rent- 
kamrner und des Geheimen Rats, sowie im Sinne der Landschaft, die Karlsakademie auf, ohne 
lie eines Besuchs gewürdigt zu haben, worüber man in der Hauptstadt um so mehr verstimmt 
war, als man wußte, daß Herzog Karl die Absicht hatte, zwar der Universität Tübingen zu lieb 
die medizinische und die juridische fakultät an der Schule eingeben zu lassen, diese selbst aber 
in eine Ritterakademie und Kunstschule zu verwandeln. Schiller, der damals mehrere Wochen 
hier wohnte, verstand die Klage, „obgleich die Anstalt nicht mehr in ihrer Blüte war: außer 
den beträchtlichen Revenuen, welche Stuttgart daraus zog, hat dieses Jnftitut ungemein viel 
Kenntnisse, artistische und wissenschaftliche Interessen unter den hiesigen Einwohnern verbreitet, 
da nicht nur die Lehrer der Akademie eine sehr beträchtliche Zahl unter diesen ausmachen, 
sondern auch die mebrsten subalternen und mittleren Stellen durch akademische Zöglinge besetzt 
sind.“ Es war ein schwacher Ersatz, daß unter Herzog friedrieb Eugen 1796 das Gymnasium 
durch eine achte und neunte Klaffe erweitert und eine zweiklassige Realschule mit demselben ver 
bunden wurde. 
Leutselig, gerecht und arbeitsam, mit allen Tugenden eines liebenswürdigen Privatmanns 
ausgestattet, wie ein Zeitgenosse von Ludwig Eugen urteilt, verlor dieser doch bald die Zu 
neigung seiner Hauptstädter. Hatten sie zuerst gejubelt über die Zurückgabe der Gelder, welche 
die Stadt für die Rückkehr Herzog Karls hatte zahlen müssen, und von der Erlaubnis, der 
Hostasei als Zuschauer anzuwohnen, gerne Gebrauch gemacht, so klagten sie jetzt, die Ausgaben 
für Küche und Keller übersteigen die Kammerplane um große Summen; der bequeme Herr über 
lasse zuviel seinen Räten, schenke Schmeichlern und Betrügern Gehör. Hatte man sich des 
strengen Einschreitens gegen alle Dienst- und Titelhäufer gefreut, so sah man jetzt auch viele 
ganz tüchtige Beamte, die ohne Geldzahlung stellenlos geblieben wären, verfolgt, während die 
Dienftverhäufer unbestraft blieben. Aus dem begeisterten Rousseaujünger war ein strenger Kirchen- 
mann geworden, an dessen Hos sich wieder Kapuziner und andere Ordensleute einnisteten und 
Wallfahrten veranstalteten. Auch wollte oder konnte Ludwig so wenig als fein Vorgänger der 
Stadt zu dem von ihr beanspruchten Platz im engeren Ausschuß der Landschaft verhelfen. 
Und nun kam wieder einmal eine ernste probe für fürst und Volk. Das Militär mußte 
gegen französische Streifhorps an die westliche Landesgrenze ausrücken. Eine Miliz sollte das 
Land schützen; zu ihr stellte Stuttgart nicht bloß die vorgeschriebenen fußsoldaten, sondern auch 
eine Artilleriekompagnie, für weiteren Schutz der bloßgestellten Residenz bildete sich eine 
Bürgergarde, die sogenannten Ludwigsreiter, drei Schwadronen von zusammen 191 Mann, indem 
sich die längst bestehenden Stadtreiter erboten, mit denjenigen Bürgern, welche sich bei dem 
feierlichen Einzug des Herzogs auf ihre Kosten in Uniform gekleidet und bewaffnet hatten, die 
Person des fürsten und feine familie als Leibwachen zu bedienen. Weil der Herzog das An 
erbieten vertrauensvoll angenommen, drängten sich immer mehr Bürger herbei, an dieser Ehre 
teilzunehmen, und so bestand das Korps bald aus 300 Köpfen. Rittmeister waren Hoswerk- 
meister Etzel, Stistshüfer Arleder, Kaufmann Schüle, Premierleutnante Stiftshastendiener Lieb, 
44
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.