Full text: Abhandlungen

  
  
  
  
176 Anmerkungen. 
jedes materiellen Teilchens, sei es ein Molekül, ein Atom 
oder ein Elektron (d. h. ein Teilchen mit elektrischer Ladung), 
denken wir uns so, daß auch im Innern des Teilchens der 
allgegenwärtige Äther vorhanden ist, daß also kein Äther ver- 
drängt zu werden braucht, sondern vielmehr das Teilchen im 
Laufe seiner Bewegung bald mit diesem, bald mit jenem Teil 
des Äthers zusammenfällt. Wir können dies dem Verständnis 
etwas näher bringen, wenn wir das Teilchen als irgend eine 
örtliche Modifikation des Äthers betrachten; eine solche kann 
ja sehr gut die Lage ändern, ohne daß der Äther selbst von 
der Stelle rückt. 
Jedes Elektron bringt nun sowohl durch sein Vorhandensein 
als auch durch seine Bewegung ein elektromagnetisches Feld 
hervor und erleidet seinerseits eine Kraftwirkung, sobald es 
sich in einem anderwärtigen Felde dieser Art befindet. Schwingt 
ein Elektron, so gehen von ihm elektromagnetische Wellen aus, 
die bei genügend gesteigerter Frequenz zu Lichtwellen werden, 
und umgekehrt kann ein Elektron durch Lichtstrahlen, die es 
treffen, in eine schwingende Bewegung versetzt werden. So 
denken wir uns, daß in einer photographischen Platte oder in 
der Netzhaut des Auges, unter dem Einfluß eines auffallenden 
Lichtbündels, schwingende Bewegungen entstehen, die manche 
weitere Wirkung veranlassen können. 
Allerdings bleibt bei diesen hier in Kürze geschilderten 
Auffassungen noch manche offene Frage bestehen, und erfordert 
es sogar eine gewisse Resignation, um mit ihnen zufrieden 
zu sein; im großen‘ ganzen liefern sie uns aber ein ange- 
messenes Bild der Erscheinungen, in dem nun auch für die 
Aberration, und was mit ihr zusammenhängt, Platz ist. 
Die gesuchte Erklärung gelingt jetzt ohne Mühe, wenn man 
sich denkt, daß die Richtung, in der wir einen Himmelskörper 
erblicken, mit Hilfe zweier mit kleinen Öffnungen versehener 
Schirme bestimmt wird; diese seien z. B. an den Enden eines 
Fernrohrs ohne Linsen angebracht. Die Fortpflanzung des 
Lichtes von der ersten Öffnung zur zweiten findet nun, da wir 
von dem äußerst geringen Einfluß der Luft absehen dürfen, 
im ruhenden Äther statt und ist somit völlig unabhängig von 
der Erdbewegung. Ferner geschieht sie in geraden Linien, 
wenn die erste Öffnung, wie wir annehmen wollen, so weit ist, 
daß keine merkliche Beugung auftritt. Man gelangt nun 
sofort zu der wirklich beobachteten Aberration, wenn man sich 
die Frage stellt, welche Richtung man dem Fernrohr geben 
 
	        

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