Full text: Abhandlungen

Ueber das farbige Licht der Doppelsterne etc. 17 
Oberfläche dieser Himmelskörper, oder auch in einem perio- 
dischen Verdecktwerden durch einen umkreisenden dunkeln 
Planeten seinen Grund habe. Auf den ersten Augenblick 
scheint es, als ob die beiden erwähnten, so verschiedenartigen 
Erscheinungen, nämlich jene [477] der farbigen Doppelsterne 
und die der sogenannten veränderlichen S Sterne, nur mit einigem 
Zwange ein und demselben Erklärungsprineipe untergeordnet 
werden könnten. Allein die Beobachtung hat uns noch mit 
einer dritten Classe von merkwürdigen Sternveränderungen 
bekannt gemacht, die gleichsam zwischen beiden mitten inne- 
stehen und als wahre Vermittlungsglieder dieser Erscheinungs- 
gruppen betrachtet werden können. Es sind dieses die ver- 
schwundenen und neuen Sterne. 
16 nun gehört vorzüglich der im Jahre 1572 im 
der Cassiopeia erschienene neue Stern, welchem 
Umlaufszeit oder ‚Periodicität seines Lichtwechsels 
;twa 300, vielleicht gar nur von 150 Jahren beilegen zu 
‚ubt. Als man ‚auf ihn aufmerksam wurde, hatte 
nahe schon das Maximum seiner scheinbaren Grösse 
Intensität seines Lichtes erreicht und überstrahlte 
ndend weissem Lichte den Sirius und selbst die Venus. 
Bald darauf nahm er an Grösse schnell ab, und sein Licht 
ichzeitig und allmählich von‘ Weiss in Gelb und von 
in Roth über, welches immer dunkler wurde und endlich 
für die Beobachtung ganz -erlosch. ( Richter’ s Astronomie, 
.) — Noch auffallender waren die Erscheinungen bei 
dem im Jahre 1604 von Kepler im Fusse des Schlangenträgers 
entdeckten neuen Stern. Nachdem sein Licht durch alle Farben 
des Regenbogens niedersteirend abgenommen hatte, verschwand 
er nach etwa einem Jahre und ist seitdem niemals wieder ge- 
sehen worden. Endlich erwähnen auch Schriftsteller früherer 
ähnliche Erscheinungen, und vom Sirius, der gegen- 
in blendend weissem Lichte strahlt, soll es keinem 
i unterliegen, dass er ehemals ein rothes Licht hatte 
u. 8. m. — Es haben demnach diese Gestirne mit den Doppel- 
sternen das Farbenspiel und mit grosser Wahrscheinlichkeit 
die schnelle Bewegung, so wie die meistentheils auf Jahrhunderte 
sich erstreckende lange Periodieität, — mit den sogenannten 
veränderlichen Sternen dagegen das völlige Verschwinden und 
gänzliche Unsichtbarwerden, so wie auch, dass’ sie ungleich 
Tänger unsichtbar wie‘ sichtbar sind, and endlich, dass die 
Lichtabnahme von längerer - Dauer ist; wie ‘die Lichtzunahme 
Ostwalds Klassiker. 161. 2 
  
  
  
  
   
   
  
  
   
   
   
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