Full text: Abhandlungen

Erklärungsversuche des Aberrations-Phänomens. 59 
weitern Verlaufe seiner Betrachtungen noch an, dass es ausser 
demjenigen Aether, der durch die Erde ganz ungehindert hin- 
durchgeht, auch noch einen namhaften Theil desselben giebt, 
der von ihr festgehalten und genöthigt wird, an ihrer doppelten 
Bewegung Theil zu nehmen. Dies heisst denn doch in der 
That, sich eine Hypothese für jeden möglichen Gebrauch 
bequem zurichten, und man könnte versucht werden, diese 
Voraussetzungen noch durch die weitere Annahme zu vervoll- 
ständigen, dass es auch noch einen Theil des Aethers geben 
mag, der zwar an der fortschreitenden, nicht aber zugleich 
auch an ihrer rotatorischen Bewegung theilnimmt. Wer weiss, 
ob sich hieraus nicht irgend eine andere dritte bisher unerklärte 
Naturerscheinung erklären liesse? — Dass indess durch alle 
diese Annahmen Fresnel’s die folgenden Einwendungen und 
Widersprüche weder geschwächt noch gehoben werden, wird 
man von selbst einsehen. 
Von welchem Gehalte nun aber diese Ansicht überhaupt 
i, zeigt Folgendes. Vorerst ist es bekannt, dass seit jener 
die Existenz eines widerstehenden Aethers im Welt- 
raume so zu sagen eine stehende Ueberzeugung der Astronomie 
geworden ist, die auch durch die, Retardation der Cometen in 
jeder Weise als gerechtfertigt erscheint. Wie ist es aber auch 
nur denkbar, dass der Aether wohl zwar durch die meisten- 
theils dunst- oder luftförmigen, jedenfalls aber sehr kleinen 
Cometenkerne einen so merklichen Widerstand erfahren solle, 
die an 1728 geographische Meilen dicke, in doppelter Be- 
wegung begriffene Erde dagegen ihn ghne alle Beirrung durch 
sich durchlasse? Beide Annahmen können nebeneinander durch- 
aus nicht bestehen, denn sie schliessen einen directen Wider- 
spruch in sich, da sich kein Grund angeben lässt, warum die 
Erde allein ausgenommen sein soll? Die Astronomen aber 
dürften wohl Bedenken tragen, ihre auf gute Beobachtungen 
sich gründenden Ueberzeugungen einer willkürlichen Aushilfs- 
Hypothese. aufzuopfern. Ja noch mehr! Auch auf unserer 
Erde müssten wieder die Retinen sämmtlicher Augen der 
Menschen. und Thiere davon ausgenommen sein, da, wenn 
diese dem Durchgange des Aethers durchaus kein Hinderniss 
darbieten, dieser auch umgekehrt auf sie keine Wirkung aus- 
zuüben vermögen wird, und demnach jede Lichtempfindung 
überhaupt unmöglich wäre? Auch wird es noch erinnerlich 
sein, wie hoch man es vor noch nicht gar langer Zeit der 
Emissionstheorie anrechnete, und wie übel man auf sie zu 
  
 
	        

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