Volltext : Augsburg, Bd. 8 (1928 / 33)

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Auch hinsichtlich der Farbgebung !) entspricht Fischer den Stilgesetzen.
Die Gründe werden getönt, um die Gliederung hervorzuheben. Später
greift er -- nach französischen Vorbildern -- zu vollständig gemalten
Raumdekorationen, doch vermag die Malerei nur wenig Einfluß auf
die Motive zu gewinnen, etwa in der Verwendung von Landschaftsbildern
 im Dekor. In der Farbengebung spielen die Fenstervorhänge
eine bedeutende Rolle und regen sogar zu reinen Stoffdekorationen an
3. B. in Hohenheim, hier allerdings nur in Malerei ausgeführt.
Die Raumgestaltungen und Dekorationen Fischers zeigen bis zum
Ende der 80er Jahre eine stetige Entwicklung und Verfeinerung, die
durch die Pariser Reise merkbar gefördert worden war (vgl. Dekoration
des Hohenheimer Reithauses). Aber bereits seit Anfang der 90er Jahre
kann man troß manchen sehr fein empfundenen antiken Details namentlich
 in den Repräsentationsräumen des Hohenheimer Schlosses ein
unsicheres Tasten und ein krampfhaftes Arbeiten, das vielfach zu einer
Überladung im Detail führt, beobachten. An manchem :mögen die oft
reichlich verstiegenen Wünsche des Herzogs die Schuld tragen, aber am
Gesamteindruc> vermag dies kaum etwas zu ändern, zumal Fischer am
Reindekorativen hängen bleibt und auch in der Außenarchitektur ähnliche
Erscheinungen auftreten.
Fischer war ein Kind des Rokoko und erlebte dessen üppigste Blütezeit
in den empfänglichsten Jugendjahren, ein Moment starker Beeinflussung
und eventueller Hemmung für die Entwicklung eines Künstlers. Seine
künstlerische Erziehung erhielt Fischer durch einen Meister, der auf der Grenze
zwischen Rokoko und Louis XVI. stehend, noch die lebendigsten Rokokobauten
 schafft. Guespiere weist dem Schüler durch Lehre und Tat sein
Ziel und Fischer wird nicht nur zu einem Vorkämpfer des Louis XVI.,
sondern auch zum führenden Architekten dieser Periode in Württemberg
 *).
Aber seit dem Baro> vollziehen sich die geistigen und künstlerischen
 Umwälzungen mit ungewöhnlicher Schnelligkeit; Fischer hat sich
bereits zu Anfang der 90er Jahre wieder mit neuen Strömungen,
1) Die Farbengebung und Ausmalung der Räume besorgt Fischer im engsten Einvernehmen
 mit den Hofmalern (siehe z. B. Franzi8kas Tagebuch).
2) Außer Fischer käme hier nur noh der Landoberbauinspektor Groß in Frage,
doch erreiht er ihn weder an Großzügigkeit no< an Gestaltungskraft und muß sich
sogar bei Aufgaben, die in sein eigenes Bereich gehören, im Laufe der Zeit zurückgedrängt
 sehen.
            
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