AN —
im weiteren Verlauf bis Ulm begegnen uns längs dem Fluß noch
eine stattliche Zahl herrlicher Punkte, Burgen und Städtchen
(Riedlingen, Munderkingen, Scheer, ARechtenstein, Erbach).
Ebenso entfalten die Seitentäler, die von der Alb zur Donau führen,
samt ihren Nebenschluchten eine Fülle von landschaftlichen
Reizen; ich erinnere nur an das Tal der Schmicha und Bera, der
Lauchert und Lauter, der Zwiefalter und Urspringer Aach, der
Schmiech und Blau mit ihren Felsen und Höhlen, ihren Wäldern
und Wassern, ihren Ruinen und Burgen, Kirchen und Klöstern.
Nicht umsonst haben die Mönche des Mittelalters so gern hier sich
angesiedelt (Marchtal und Zwiefalten, Heiligkreuztal und Blau-
beuren); die wußten, was schön ist. Nicht umsonst hat Scheffel
so manchen Sommer hindurch in der Mühle von Talsteußlingen
dem Forellenfang obgelegen, der wußte auch, wo gut wohnen ist.
Ehrenfels mit dem Glastal, Friedrichshöhle bei Wimsen, die Ruinen
Schülzburg und Reichenstein im Lautertal, Schelklingen mit
seinem Burgfried und Kloster Urspring dahinter, Blaubeuren mit
Blautopf und Metzgerfelsen, Rucken- und Rusenschloß: das sind
Glanzpunkte, wie man sie nur eben an der Südostabdachung der
Alb trifft. Diese Burgen liegen also alle, wie auch z. B. der
Hellenstein bei Heidenheim auf Weiß £.
Ganz besonders mache ich aufmerksam auf die herrlichen
z-Felsen, die — Dolomit oder Marmor — aus sattem Buchlaub
hervorlugen oder unmittelbar dem Rasen entsteigend oft die
tollsten Gestalten annehmen (‚„„‚Küssende Sau‘ im Aachtal bei
Blaubeuren) und die interessantesten Höhlen bergen (Hohlefels
und Sirgenstein bei Schelklingen, Bockstein und Hohlestein im
Lonetal). Um einen richtigen Eindruck zu geben, fügen wir
im Bilde auf der folgenden Seite einen £-Felsen von der großen
Brenztalschlinge bei Eselsburg bei.
Für den Geologen noch wichtiger ist die Bedeckung des süd-
östlichen Abfallgebiets der Alb mit Tertiärschichten.
Da die Alb nach dem Rückzug des Jurameers Festland blieb, und
sich also keine Sedimente aus der Kreide- und Eozän-(Unterer
Tertiär-)Zeit darauf absetzen konnten, so haben wir es nur mit
Ablagerungen aus dem mittleren Tertiär (Mittelmiozän) zu tun,
das aber in seinen sämtlichen 3 Stufen (Unter-, Mittel- und Ober-
miozän) recht bedeutsame Spuren seines Daseins zurückließ. Es
sind dies die beiden Süßwasserkalkschichten (unterer Süßwasser-
oder Rugulosakalk und oberer Süßwasser- oder Sylvanakalk), so
zenannt, weil sie sich jedenfalls in Sümpfen und Seen von süßem
Wasser gebildet haben, und die dazwischen liegende Meeresmolasse,
die sich am Ufer eines Meeres abgesetzt hat, das damals zwischen
43
Alb und Alpen flutete. Die unteren Süßwasserkalke sind längs der
Donau (Ehingen bis Erbach) in mächtigen Bänken entwickelt,
so daß es oft schwer wird, sie vom darunterliegenden Jura (Weiß £
oder €) zu scheiden. Der Geübte findet es freilich bald heraus,
er merkt’s an Farbe und Aussehen des Gesteins, und die erste
Schnecke, die er findet, gibt untrügliche Auskunft darüber,
welchen Kalk er vor sich hat. An solchen Schnecken ist aber
glücklicherweise kein Mangel; manche Bänke wimmeln davon.
Die große Brenztalschlinge um den Buigen bei Eselsburg
Noch deutlicher erkennt man die Meeresprodukte: ein gelber,
grobkörniger Sandstein aus Quarzkörnern zusammengebacken,
mit Austernschalen und Haifischzähnen dazwischen, läßt keinen
Zweifel darüber, daß man sich auf altem Meeresboden befindet,
oder daß man es mit Schichten zu tun hat, die nach Abzug des
Meeres sich in Becken niederschlugen, da Meer- und Süßwasser
sich mengte (brackische Bildung). Wieder verraten dies die Ver-
steinerungen, die durchaus brackischen Ursprungs ‚sind (Cardium,
Mytilus, Melanopsis ete.) und denen man überall an den be-
treffenden Plätzen begegnet (Hochsträß zwischen Ehingen, Blau-
beuren, Ulm und Erbach; Unter- und Oberkirchberg an der Iller;
Donauufer zwischen Leipheim und Günzburg und sonst). Darüber
liegt dann wieder echter Süßwasserkalk mit einer anderen Leit-