Full text: Augsburg, Bd. 8 (1928 / 33)

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Diarium Paul Hektar Mairs von 1560—1563 
weib entlaufen 1 und verlaßt hinder ir linder, so sie in der ehe gezeugt, 
der Fischer ist in die Freiung gen s. Ulrichs gewichen. 
Der verstorben Mainendorfer, so ain frumb eheweib und linder 
gehapt, ist an mergedachts Fischers weib bei 6 jaren gehangen und 
darvor bei ir mermal von etlichen an offner that gefunden und von s 
irem mann selb ergriffen und von dem Fischer hart darumb geschlagen 
worden, es hat auch der Fischer im anzaigen lassen, er solle hinfüro 
seines weibs und Haus muessig gehn; wo er in darüber ergreife, wölle 
er der billigkait gegen ime handlen, daß es im nit wol bekomen solle. 
Nota! der Lenhart Bischer ist auf adj. 9. jenner von sant Ulrich io 
aus der Freiung widerumb zuhaus zu seinen lindern fönten 3 . 
1. Die Fischerin kam im April 1562 wieder in die Stadt herein, um sich „ihrer 
kinder anzunehmen", wurde aber, sobald man sie bettat, in die Fronvest gesührt 
(Strasbuch, 9. April 1562). Ihre „Freundschaft" richtete nun ein Gnadengesuch an 
den Rat, sie „auszulassen" und ihr die Stadt wieder „zu erlauben"; in diesem Fall 
wolle „ir eewirt Lenhart Bischer, wofern sie der rat ime widerumb vergunne und 
haimbstelle, daß es ime und seinen lindern unverletzlich sei, auch das best mit ir 
thun," und die Bischerin werde sich „hinfüro dermassen woll halten und erzaigen, 
daß solches, swie sie getan], nimermer von ir beschehen oder gehört werden soll, auch 
ime die kinder in aller zucht und erbarkait helfen auferziehen und sich gegen ime 
diemuetigen wie ain magdt."—Das Gesuch wurde, wie ein Eintrag im Sttafbuch 
vom 16. April 1562 zeigt, abgewiesen. Es heißt hier: „Margaret Fischer hat mit 
ainem den eebruch begangen, welchen ir man im Haus ergrisfen und entleibt, deshalb 
sie flüchtigen sueß gesetzt aber on erlaubnus wider herein gangen, darumb sie in 
Fronest gelegt und volgents der stat verwisen worden mit angehengter droe ainer 
leibstrasf, do sie wider herein komen wurde." Bl. 60 v. Als Ende des Jahres König 
Maximilian nach Augsburg kam, richtete sie an diesen ein Gesuch, beim Rate ihre 
Begnadigung zu erwirken, und damit hatte sie Erfolg. Ratsdekr., 9. Jan. 1563, 
Bl. 2 a. 
2. S.zu dieser „Freiung" das Augsburger Stadtbuch, eä. Chr. Meyer, S.37. 
3. Der Rat ließ also Fischer frei ausgehen und gab der gegen ihn von Anna 
Mammendorfer, derFrau des Getöteten, angestrengten Klage, die sich in derUrgichten- 
sammlung des Jahres 1562 erhalten hat, kein Gehör. Diese Klage lautete: „Lienhard 
Mammendorfer, mauerer, hat in zeit seines lebens mit Lienhard Bischer, Webern, 
uf den pasteien und anderstwo in meiner Herren diensten beiainander gewacht, also 
daß mein ehewirt durch solche kundschaft mit ime, Bischer, desgleichen er mit meinem 
ehewirt zum oftermalen gehen und truncken, auch vor nachvolgender laidiger Hand 
lung gut gesellen gewesen sein, in solcher zeit sich aber laider begeben, daß mein 
ehewirt durch falsche liebe gegen sein, des Bischers, ehewirtin und Hinwider sie gegen 
meinem man entzündt und bewegt worden, also daß gemelter Bischer die fachen 
gespürt, da hat er meinem Hauswirt sein Haus verboten, welches gleichwol mein 
ehewirt datzemaln in ainem schertz ufgenomen. über das hat sich Lienhard Bischers 
weib aus falschem gemüt und hertzen außerhalb ires mans bevelch weiter under- 
standen und ist zu meinem man an die arbait zum oftermalen gelofsen, ine zü gast 
geladen, nachdem aber mein man und Lienhard Bischer uf gehabter malzeit mit 
einander zü schlahen kommen, ist hernach die fachen, gleichwol on mein... vorwissen, 
durch vier ehrliche menner derogestalt hingelegt und verglichen worden, nemlich daß 
mein ehewirt sein, des Bischers, behausung, auch seines weibs, hinwiderumb sie 
meines mans mit Worten und wercken gentzlich ainander müssig geen sollen, welches 
aber Bischerin laider nit gehalten und nit allain ... über solchen gemachten verttag
	        

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