Volltext: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

92

Weberchronik  von  Clemens  Jäger

ehe  kam  exempel  an  ir  haben  möchten,  hat  sie  ir  selbs  ain  straff  zu
vollbringen  aufgesetzt  und  ain  messer,  so  sie  haimlich  bei  ir  gehapt,
zu  iren  brüsten  eingestochen,  daß  sie  ir  blut  verzört,  vor  onmacht  auf
die  erden  gefallen  und  von  stundenan  gestorben  ist.
Als  nun  soliches  beschehen,  haben  ir  vatter  und  gemahel  sampt  s
iren  dartzu  berufften  frainden  ain  große,  schwere  klag  und  belaidigung
darumb  entpfangen  und  den  Sextum  treffenlich  darumb  gescholten
und  auch  darneben  ob  der  bestendigen  hertzenhafftigkait  Lucretiens
große  Verwunderung  gehapt.  dardurch  ainer,  Junius  Brutus  genant,
wölicher  die  königkliche  regierung  von  wegen  irer  gewaltsamkait  und  i»
tirannei  über  die  maßen  hasset,  hoch  beweget  ward;  dann  umb  daß
er  von  dem  könig  Tarquinius  zufriden  belibe,  hat  er  sich  ainer
wohnwitzigen  weis  angenomen,  dann  er  im  [24b]  zuvor  ainen  bruder
unrechtlich  getobt  hett.  diser  Junius  Brutus  fieng  an  und  tröstet  die
fraintschafft  Lucretiae,  wöliche  traurend  und  gantz  laidig  umb  sie  n>
herumb  stunden,  und  zaiget  in  an  die  tirannei  des  königs  und  seines
sons.  und  ermanet  sie,  wie  beschwerlich  dem  römischen  volck  das
königkliche  regiment  were,  was  stoltz,  Übermut,  gesarlichkait  und
tirannei  sie  imerzu  von  inen  zu  gewarten  hetten.  so  wurden  ire  kinder
imerzu  von  inen  veracht,  dargegen  die  iren,  so  mit  vil  untugent  be- 20
laden,  jederzeit  in  hohen  ehren  gehalten,  sie  mießten  auch  in  kriegsund
  fridszeiten  allemalen  nach  irem  gefallen  leben,  und  es  were  der
statt  Rom,  dem  volck  und  senat  vil  nützlicher  und  besser,  domit  sie
solicher  tirannei  von  inen  entladen  wurden,  kamen  könig  in  Rom
mer  zu  haben,  sonder  dargegen  ain  gmaine,  freie  regierung  in  der  «
statt  Rom  anzurichten,  in  wölicher  fteien  regierung  sie  die  magistration
und  oberkait  zu  setzen  und  zu  entsetzen  macht  haben  möchten,  und
nicht  jedem  tirannen,  so  durch  die  gepurt  zu  dem  regiment  käme,
gehorsamen.
Mit  disen  und  dergleichen  Worten  bracht  es  Brutus  dartzu,  daß  so
sie  samentlichen  das  messer  aus  dem  todten  leib  der  werden  Lucretien
zöchen  und  ainen  harten  aidt  darauff  schwuren,  mit  leib  und  gut
ainander  beraten  und  beholfen  zu  sein  und,  solang  ir  leib  und  leben
weret,  ainander  nicht  zu  verlassen,  so  lang  und  vil,  bis  sie  den  königklichen
  stand  aus  der  statt  Rom  vertriben  und  ausgetilget  hetten,  und  35
daß  sie  den  könig  Tarquinium  und  Sextum,  seinen  son,  in  die  statt
Rom  nimermer  einkomen  lassen  wollten,  und  zu  fürderung  dises
ires  Vorhabens  gab  inen  Brutus  disen  rat,  daß  sie  den  doten  leib  der
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.