Full text: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

Einleitung 
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saminenhang mit dieser Schlacht zum ersten Male, und zwar ruhm 
voll, in der Geschichte Augsburgs erwähnt wird. Diese „Beschreibung" 
erhält eine eigenartige Färbung dadurch, daß Jäger in ihr seiner 
Abneigung gegen die alte Kirche und ihre Einrichtungen kräftigen 
Ausdruck gibt und seinen „evangelischen" Standpunkt schroff hervor 
kehrt. So polemisiert er heftig gegen die bei Beendigung des Jn- 
vestiturstreites den Domkapiteln zugestandene Wahl der Bischöfe, 
die zur Folge gehabt, daß die Bischofstühle zum Vorteil des Klerus 
und zum Schaden der Kaiser und der Hochstiftstädte mit Per 
sonen, die für diese weder Herz noch Sinn gehabt, besetzt worden 
wären und noch würden. Wo er von den in bescheidenen „Zucht 
schulen" lebenden Augsburger Kanonikern zur Zeit des heiligen 
Ulrich spricht, macht er spitzige Bemerkungen über deren so ganz 
anders geartete Nachfolger, die Domherren seiner Zeit, und wirft 
im Vorbeigehen einen bösen Blick auf das Zölibat der Geistlichen, 
das einst von dem heiligen Ulrich —, dessen „Heiligkeit" übrigens nur 
Gott kenne —, in einem Schreiben an den Papst Nikolaus ernstlich 
bekämpft worden sei. Endlich rückt er den Geistlichen auch in ihrer 
Eigenschaft als Historiker zu Leibe, indem er ihnen vorwirft, daß sie 
ihre Geschichten, z. B. die von der Lechfeldschlacht, mit „menschlichen 
Getichten" und „seltsamen Fabelen" verfälscht, allerlei „Visionen" 
und „Mirakel" eingeflochten und so auch das „Märlein" von einem 
Siegeskreuz erfunden hätten, das bei den Kämpfen gegen die Ungarn 
dem heiligen Ulrich durch einen Engel vom Himmel herabgebracht 
worden sei, während doch „kein warhaffter Historicus solchs mit kainem 
Wort nit gedencket". Solche Fälschungen seien eben diesen Leuten, 
die bei ihrer Geschichtschreibung hauptsächlich darauf ausgehen, sich 
und die Ihren in den Vordergrund zu stellen und über das, was die 
Weltlichen getan, hinwegzugehen, Gewohnheit und Bedürfnis. 
Das andere Stück des allgemeinen Teils ist eine ziemlich umfang 
reiche Darstellung der Aufrichtung des Zunftregiments, der Zustände, 
die hierzu geführt, und der nächsten Folgen, die sie nach sich gezogen — 
ein Stoffkomplex, der von Jäger in verschiedenen Fassungen be 
handelt worden und in der, wie sie in der Weberchronik vorliegt, auch 
den Hauptinhalt seines Bürgermeister- und seines Zunftehrenbuches 1 
bildet. Er verfolgt darin den apologetischen Zweck, den von patrizischer 
Seite öfter erhobenen Vorwurf, die „Gemeinde" sei nur durch „eine 
1. S. zu diesen Dirr, I. c., S. 1 ff.
	        

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