Full text: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

Einleitung 
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Vorreden oder in Anhängen solche Parallelen zusammen, so daß Jäger 
bei seinen „Abgleichungen" nichts Neues versuchte, sondern nur das, 
was ziemlich allgemein üblich war, auf die Augsburger Verhältnisse 
übertrug und näher ausführte. Selbst ein so geschichtskundiger Mann 
wie Melanchthon erlaubte sich solche Parallelen und stellte z. B. das 
deutsche Kurfürstenkollegium auf eine Stufe mit den sieben Stammes 
häuptern der Perser oder dem spartanischen Ephorat, indem er dabei 
daran erinnerte, daß die so häufig sich findende Nachahmung von heil 
samen Einrichtungen früherer Zeiten und anderer Völker einer der 
Beweise für die Lehrkraft der Geschichte sei? Was Jäger hier tat, 
war also nichts so Absonderliches, wie man schon gemeint hat, und es 
ist möglich, daß er die Anregung hierzu in Gesprächen mit seinem 
Gönner Dr. Peutinger? erhalten, der sich ja, wie seine Schrift 
öle UaZistratibuZ Romanorum zeugt, auch eingehend mit dem römi 
schen Ämterwesen beschäftigt hat. 
Zuerst nimmt Jäger die römischen Konsuln vor, deren Amt sich 
nach seiner Meinung mit dem der Augsburger Bürgermeister deckte, 
dann die Tribuni Plebis, die er schlechtweg Zunftmeister nennt. Daran 
fügt sich ein längerer Abschnitt unter dem Titel: „Zu dem dritten 
folget des römischen Rats Session." Hier wird erzählt, wie die Römer 
an Stelle des Senats, der dem römischen Volk „umb alle Sach und 
bürgerlich Händel Recht gesprochen", unter Abschaffung aller Ämter 
„aus Fürwitz" zehn Männer, die das Recht auf zehn Tafeln verzeichnen 
mußten, mit der gesamten Macht bekleidet haben, wie sich dann dieses 
Dezemvirat zu einer abscheulichen Tyrannei ausgewachsen, bis das 
Volk, empört über den anstößigen Liebeshandel des Dezemvirn 
Appius Claudius, sich seiner und seiner Kollegen entledigt habe und zu 
der früheren Verfassung reumütig zurückgekehrt sei. Ebenso haben auch, 
führt er „abgleichend" aus, die Augsburger mehr als einmal Ver 
änderungen in ihrer Verfassung vorgenommen, indem sie z. B. vor 
Einführung der Zünfte vorübergehend Bürgermeister an die Stelle 
der Stadtpfleger wählten. Das wichtigste aber sei, daß sich die Augs 
burger schließlich „den freien Stand", wie er bei den Römern vor 
und nach dem Dezemvirat gewesen, zum Vorbild genommen und 
1368 für immer bei sich so eingerichtet, wie er jetzt (1544) noch be- 
1. Wegele, Geschichte der deutschen Historiographie seit dem Auftreten des 
Humanismus «München und Leipzig 1885), S. 202. 
2. Über das Verhältnis Jägers zu Peutinger siehe Roth, Cl. Jäger, l. c.
	        

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