Volltext: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

Einleitung 
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der Gemeinde die Kammergewölbe der Stadt, das Stadtbuch, die 
Siegel, die Schlüssel zum Rathaus, zu den Stadttoren und zum 
Perlachturm, wo die Sturmglocke hing, „samt allem Gewalt... frei 
übergaben". Und das ging alles vor sich ohne jede offene Gewalttätig 
keit, ohne irgendwelche Bedrohungen und Schmähungen. Die gegen 
seitigen Aussprachen hielten sich im Rahmen kluger Mäßigung, und 
was man sich „vorhalten" mußte, kleidete man mit konventioneller 
Höflichkeit in die mildesten Formen, die möglich waren. Den Zünftlern 
als den Gewinnenden mochte dies verhältnismäßig leicht fallen, daß 
aber auch die „Herren", die so viel aufgeben mußten, sich der Zwangs 
lage, in die sie sich versetzt sahen, zur Vermeidung von Blutvergießen 
so willig und verständig fügten, ist ein Verdienst, das ihnen hoch an 
gerechnet werden muß. Daß sie sich auf dieses gern beriefen, kann 
ihnen nicht übel genommen werden, und auch mit ihrer Behauptung, 
daß sie von der „Gemeinde" nur durch Nötigung aus ihrem Besitz 
stand vertrieben worden, hat es, wie man sieht, selbst nach der Dar 
stellung Jägers seine Richtigkeit; seine „Apologie" vermag die den 
Zünften in dieser Richtung gemachten Vorwürfe nicht zu entkräften, 
sondern nur abzuschwächen. 
Weiterhin erzählt Jäger noch, wie mit Beiziehung auswärtiger 
Zunftordnungen das städtische Gemeinwesen neu eingerichtet wurde, 
wie man achtzehn Zünfte schuf und jenen Mitgliedern der alten Ge 
schlechterfamilien, die in keine dieser Zünfte eintreten wollten, gegen 
die Verpflichtung nicht zu „hantieren" und „Gewerb oder zünftliche 
Contracte und Händel zu üben", außerhalb der Zunftverbände zu 
bleiben gestattete, so daß ein guter Teil der bisherigen „Bürger" 
in seinem alten Stande beharrte. Auch in diesem Punkte also wollten 
die Zünftler den Bogen nicht überspannen und mehr verlangen, als 
sich in Güte erreichen ließ. Eingefügt sind außer anderem die beiden 
Zunftbriefe vom 24. November und 10. Dezember 1368, ein Ver 
zeichnis der bei den Geschlechtern verbliebenen Familien, eine Zu 
sammenstellung der aus der ersten Wahl der Zünfte hervorgegangenen 
Ratsherren und Ämterträger. 
Aber noch hat Jäger etwas auf dem Herzen, das er nicht „ver 
halten" kann. Er muß, um seiner Sympathie für Hans Witzig, den 
„Redehans", Genüge zu tun, in einem kurzen Anhang mitteilen, daß 
dieser im Jahre nach den erzählten Vorgängen von dem mit den Augs 
burgern in Fehde stehenden Hans von Schwenningen gefangen
	        

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