Full text: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

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Einleitung 
betn Klerus, über Skandalgeschichten von Domherren und anderen 
Geistlichen, und später, von 1520 an, findet sich auch eine Reihe frei 
lich nicht bedeutender Stücke reformationsgeschichtlichen Inhalts. 
Weniger reich ist die Chronik an Stücken aus der äußeren Ge 
schichte der Stadt, die häufig aufs engste mit der Reichsgeschichte ver 
flochten ist. Da sind es vor allem die in der Stadt gehaltenen Reichs 
tage, die Erwähnung finden, die Kriege des Kaisers Maximilian 
in Italien, den Niederlanden und anderwärts, unter denen das Augs 
burger Gewerbeleben und der Handel schwer zu leiden hatten, die 
Hilfsleistungen der Stadt bei Reichskriegen und sonstigen größeren 
Unternehmungen der Kaiser und Könige, Versammlungen und Feld 
züge des Schwäbischen Bundes, Fehden mit Raubrittern und sonstigen 
Feinden. Von den oberdeutschen Fürsten waren es hauptsächlich die 
Herzoge von Bayern, mit denen die Stadt viel zu schaffen hatte, 
von den benachbarten Territorien wird am häufigsten die Markgraf 
schaft Burgau genannt, in der so viele Augsburger Bürger begütert 
waren; des ferneren „Auslandes" wird nur selten gedacht. Die Stücke 
dieser Art entnimmt Jäger meist der Augsburger Chronik von 1368 
bis 1406 bzw. 1447, der von Erhard Wahraus, der von Gründung der 
Stadt Augsburg bis zum Jahre 1469, der anonymen Chronik von 
991 bis 1483, der des Burkart Zink und des Hektar Mülich sowie den 
davon abgeleiteten Chroniken von Demer, Rem und Walther 1 , endlich 
einer gedruckten Chronik in der Ausgabe von 1542? Die Zahl der 
Stellen, in denen Jäger aus primäre Quellen — die städtischen Missiv- 
bücher, die Ratsdekrete, die Baurechnungen und Urkunden — zurück 
geht, ist verhältnismäßig nur gering. 
Bei einem solchen Stand des Inhalts der Chronik erhebt sich die 
Frage, wie kommt ihr Verfasser dazu, diese als „Weberchronik" zu 
bezeichnen, und wie steht es mit den „Weberzunftsachen", denen nach 
den im Vorwort ausgesprochenen Absichten in dem zweiten Haupt 
teil des Werkes ein ganz besonders großer Raum hätte zugewiesen 
werden müssen, nachdem der erste Teil desselben speziell über die 
Weber doch nur recht wenig bringt und der dritte, wie sich zeigen wird, 
geradezu ärmlich zu nennen ist. Wenn im zweiten Teil für jedes Jahr 
1. Alle enthalien in den Augsburger Chroniken I—V. 
2. Chronica, darinn aufs das kürtzest begriffen die namhafstigsten Gchichten, 
so sich von der Geburt Christi bis aufs diß gegenwärtig NOXUII. Jar verlaufsen 
haben (Augspurg, Philipp Ulhardt). S. Zapf, Augsburger Bibliothek, S. 18. — 
Schottenloher, Philipp Ulhardt (1921), S. 142, Nr. 191.
	        

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