Title:
Augsburg, Bd. 9
Creator:
Roth, Friedrich
Shelfmark:
2G 5003(2)-34
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1545034070410_34/57/
Vorred 
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das erber handwerck der Weber sein uralt, löblich schildt und Wappen, 
wölliches sich die erber zunft von Webern noch heutigs tags rechtlich 
geprauchet, nicht mit klainen ehren und sig überkamen und erlanget 
hat, zu ainem ansang meiner beschreibung für mich zu nemen und 
dieser Schlacht stammende Reliquien, die zum Teil aus dem Weberhaus verwahrt 
wurden, genau so, wie sich die Mönche von St. Ulrich und die aus ihnen hervor 
gegangenen Geschichtschreiber, wenn sie auf die von dem heiligen Bischof bei den 
damaligen Kämpfen gespielte Rolle zu sprechen kamen, auf das Ulrich-Kreuz, das 
ein Engel vom Himmel gebracht, beriefen.Ob die in Rede stehende Tradition schon 
vor Jäger „in Schriften" aufgezeichnet worden oder nur mündlich im Schwange 
war und von ihm zum ersten Male niedergeschrieben wurde, muß dahingestellt 
bleiben. Sicher ist nur, daß die Jägersche Fassung der Sage, da die Weberchronik 
auf dem Weberhaus in Verschluß gehalten wurde, über den Kreis der Zunft hinaus 
nur geringe Verbreitung finden und unter „gelehrten Scribenten" nicht leicht be 
kannt werden konnte. So liegt zwischen der Fertigstellung der Chronik und der 
nächsten Erwähnung der Sage ein halbes Jahrhundert, Wir finden sie in der 1595 
von Marcus Wels er veröffentlichten Ausgabe der G erh ardschen Vita Udalrici, wo 
es in einer Anmerkung zu der in c. XII erzählten Ungarnschlacht heißt: „Veteri 
fama proditum, textores Augustanos egregiam hoc hello operam navasse, 
primario Ungarorum regulo occiso (hic ipse videri possit), cujus clipei insigne 
luteo et rubro colore distinctum Otto Ulis virtutis testimonium concesserit.” 
Daß Welser diese Sage aus der Weberchronik kennen gelernt, dünkt uns nicht 
sehr wahrscheinlich; viel eher möchten wir annehmen, daß sie ihm mündlich zukam, 
als die Weber gerade im Jahre 1593 nach längerer Unterbrechung ihr damit zu 
sammenhängendes „Tänzelfest" wieder einmal feierten. Noch tiefer wurzelte die 
Sage ein, seit im Jahre 1607 der Augsburger Bürgermeister und Maler Mathias 
Kager die Außenwände des Weberhauses mit buntfarbigen Fresken versah, von 
denen die die Ostwand schmückende Darstellung , der Ungarnscblacht und der den 
Webern vom Kaiser angeblich verliehene Ehrenschild besonders in die Augen fiel. 
Die verschiedenen Nachbildungen dieser Fresken und dichterischen Beschreibungen 
derselben von Heupold und anderen sorgten dafür, daß sie bei Einheimischen 
und Fremden immer mehr Beachtung fanden und mit zu den Wahrzeichen der 
Stadt zählten, Wohl die früheste Erwähnung der Sage bei Auswärtigen findet 
sich in des bekannten Matthaeus Dresser (Professor in Leipzig) Buch „Bon den 
sürnembsten Städten deß Deutschlandes ein kurtzer aber eigentlicher Bericht" 
(Leipzig 1607), wo es S. 101 bei Beschreibung Augsburgs heißt: Otto I. hat die 
Stadt mit vielen Rechten und Freiheiten begabt, „unter welchen zu ihrem Hand- 
werckswapen ist gegeben worden den Tuchmachern ihr Schild mit rohter vnd gelber 
färben creutzweise getheilet, weil sie eines überwundenen ungerischen Herrn 
Rüstung vnd Schild, der von solchen Farben gewesen, mit sich hinein in die Stadt 
gebracht",— Natürlich wurde der Sage nun auch in der wissenschaftlichen Augs 
burger Geschichtsliteratur oft gedacht, aber fast immer nur im Vorübergehen, bis end 
lich P. Luitpold Brunner sich im Jahre 1855 daran machte, sich eingehender damit 
zu beschäftigen, wodurch er die Aufmerksamkeit der neueren Historiker auf sie lenkte; 
manche, wie Dümler, Giesebrecht, Riezler, Steichele, Schröder, Gran 
dauer, haben in ihren oben zitierten Werken wenigstens davon Notiz genommen. 
Brunnerhat die Überlieferung der Weberchronik zwar nicht schlechtweg verworfen, 
aber doch sehr wohl erkannt, daß sie etwas für uns Greifbares nicht enthält. In der 
Tat zeigt sich, von welcher Seite her man sie auch näher betrachten mag, daß sie auf 
ganz schwachen Füßen steht und bei kritischer Prüfung wie eine Seifenblase, die man 
mit den Fingern berührt, in ein nichts zerrinnt. Der berühmte Schild, den man 
Brunnerzeigte, war nicht über zweihundert Jahre alt, die im Dom aufgehängte 
„Hunnenfahne" stammte laut Inschrift aus den Türkenkriegen, die damals ebenfalls 
im Dom aufbewahrten Wafsenstücke, die Kaiser Otto in der Schlacht getragen haben
        

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