Volltext : Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

Vorred

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das  erber  handwerck  der  Weber  sein  uralt,  löblich  schildt  und  Wappen,
wölliches  sich  die  erber  zunft  von  Webern  noch  heutigs  tags  rechtlich
geprauchet,  nicht  mit  klainen  ehren  und  sig  überkamen  und  erlanget
hat,  zu  ainem  ansang  meiner  beschreibung  für  mich  zu  nemen  und
dieser  Schlacht  stammende  Reliquien,  die  zum  Teil  aus  dem  Weberhaus  verwahrt
wurden,  genau  so,  wie  sich  die  Mönche  von  St.  Ulrich  und  die  aus  ihnen  hervorgegangenen ­
  Geschichtschreiber,  wenn  sie  auf  die  von  dem  heiligen  Bischof  bei  den
damaligen  Kämpfen  gespielte  Rolle  zu  sprechen  kamen,  auf  das  Ulrich-Kreuz,  das
ein  Engel  vom  Himmel  gebracht,  beriefen.Ob  die  in  Rede  stehende  Tradition  schon
vor  Jäger  „in  Schriften"  aufgezeichnet  worden  oder  nur  mündlich  im  Schwange
war  und  von  ihm  zum  ersten  Male  niedergeschrieben  wurde,  muß  dahingestellt
bleiben.  Sicher  ist  nur,  daß  die  Jägersche  Fassung  der  Sage,  da  die  Weberchronik
auf  dem  Weberhaus  in  Verschluß  gehalten  wurde,  über  den  Kreis  der  Zunft  hinaus
nur  geringe  Verbreitung  finden  und  unter  „gelehrten  Scribenten"  nicht  leicht  bekannt ­
  werden  konnte.  So  liegt  zwischen  der  Fertigstellung  der  Chronik  und  der
nächsten  Erwähnung  der  Sage  ein  halbes  Jahrhundert,  Wir  finden  sie  in  der  1595
von  Marcus  Wels  er  veröffentlichten  Ausgabe  der  G  erh  ardschen  Vita  Udalrici,  wo
es  in  einer  Anmerkung  zu  der  in  c.  XII  erzählten  Ungarnschlacht  heißt:  „Veteri
fama  proditum,  textores  Augustanos  egregiam  hoc  hello  operam  navasse,
primario  Ungarorum  regulo  occiso  (hic  ipse  videri  possit),  cujus  clipei  insigne
luteo  et  rubro  colore  distinctum  Otto  Ulis  virtutis  testimonium  concesserit.”
Daß  Welser  diese  Sage  aus  der  Weberchronik  kennen  gelernt,  dünkt  uns  nicht
sehr  wahrscheinlich;  viel  eher  möchten  wir  annehmen,  daß  sie  ihm  mündlich  zukam,
als  die  Weber  gerade  im  Jahre  1593  nach  längerer  Unterbrechung  ihr  damit  zusammenhängendes ­
  „Tänzelfest"  wieder  einmal  feierten.  Noch  tiefer  wurzelte  die
Sage  ein,  seit  im  Jahre  1607  der  Augsburger  Bürgermeister  und  Maler  Mathias
Kager  die  Außenwände  des  Weberhauses  mit  buntfarbigen  Fresken  versah,  von
denen  die  die  Ostwand  schmückende  Darstellung  ,  der  Ungarnscblacht  und  der  den
Webern  vom  Kaiser  angeblich  verliehene  Ehrenschild  besonders  in  die  Augen  fiel.
Die  verschiedenen  Nachbildungen  dieser  Fresken  und  dichterischen  Beschreibungen
derselben  von  Heupold  und  anderen  sorgten  dafür,  daß  sie  bei  Einheimischen
und  Fremden  immer  mehr  Beachtung  fanden  und  mit  zu  den  Wahrzeichen  der
Stadt  zählten,  Wohl  die  früheste  Erwähnung  der  Sage  bei  Auswärtigen  findet
sich  in  des  bekannten  Matthaeus  Dresser  (Professor  in  Leipzig)  Buch  „Bon  den
sürnembsten  Städten  deß  Deutschlandes  ein  kurtzer  aber  eigentlicher  Bericht"
(Leipzig  1607),  wo  es  S.  101  bei  Beschreibung  Augsburgs  heißt:  Otto  I.  hat  die
Stadt  mit  vielen  Rechten  und  Freiheiten  begabt,  „unter  welchen  zu  ihrem  Handwerckswapen
  ist  gegeben  worden  den  Tuchmachern  ihr  Schild  mit  rohter  vnd  gelber
färben  creutzweise  getheilet,  weil  sie  eines  überwundenen  ungerischen  Herrn
Rüstung  vnd  Schild,  der  von  solchen  Farben  gewesen,  mit  sich  hinein  in  die  Stadt
gebracht",—  Natürlich  wurde  der  Sage  nun  auch  in  der  wissenschaftlichen  Augsburger ­
  Geschichtsliteratur  oft  gedacht,  aber  fast  immer  nur  im  Vorübergehen,  bis  endlich ­
  P.  Luitpold  Brunner  sich  im  Jahre  1855  daran  machte,  sich  eingehender  damit
zu  beschäftigen,  wodurch  er  die  Aufmerksamkeit  der  neueren  Historiker  auf  sie  lenkte;
manche,  wie  Dümler,  Giesebrecht,  Riezler,  Steichele,  Schröder,  Grandauer, ­
  haben  in  ihren  oben  zitierten  Werken  wenigstens  davon  Notiz  genommen.
Brunnerhat  die  Überlieferung  der  Weberchronik  zwar  nicht  schlechtweg  verworfen,
aber  doch  sehr  wohl  erkannt,  daß  sie  etwas  für  uns  Greifbares  nicht  enthält.  In  der
Tat  zeigt  sich,  von  welcher  Seite  her  man  sie  auch  näher  betrachten  mag,  daß  sie  auf
ganz  schwachen  Füßen  steht  und  bei  kritischer  Prüfung  wie  eine  Seifenblase,  die  man
mit  den  Fingern  berührt,  in  ein  nichts  zerrinnt.  Der  berühmte  Schild,  den  man
Brunnerzeigte,  war  nicht  über  zweihundert  Jahre  alt,  die  im  Dom  aufgehängte
„Hunnenfahne"  stammte  laut  Inschrift  aus  den  Türkenkriegen,  die  damals  ebenfalls
im  Dom  aufbewahrten  Wafsenstücke,  die  Kaiser  Otto  in  der  Schlacht  getragen  haben
            
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