Litteraturbericht. — Bautechnische Notizen. — Vermischtes.
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Das Programm des Lerikons: „möglichst umfassende
Trennung des Stoffes durch Behandlung unter bekannten, all—
gemein gebrauchten Einzelstichwörtern, knappe, aber klare Dar—
stellung der Wortbegriffe und Vollständigkeit der Wortesamm—
lung im Gebiete der Technik und ihrer Hilfswissenschaften“ ist
im allgemeinen eingehalten worden. Die Einzelbehandlung
unterscheidet sich in zwei wesentlichen Punkten von Werken
ähnlicher Art. Die Kürze wurde nicht erreicht auf Kosten der
Wissenschaftlichkeit; es ist im Gegentheil überall, wo es der
Gegenstand forderte, die streng mathematische Behandlung an
Stelle der bloßen Beschreibung getreten, welch letztere man
auch in den gewöhnlichen populären Encyklopädien findet, wozu
es also eines neuen Werkes nicht bedurft hätte. Ergänzend
treten dazu die wohl ausgewählten zahlreichen Litteraturnach—
weise, die in jeder Spezialität ein eingehendes Studium er—
möglichen und von unschätzbarem Werthe sind. Dadurch hat
der Leser ein Kompendium in der Haud, das ihn bei Lösung
jeder technischen Aufgabe rasch unterstützt, und diesem Umstande
ist es auch zu verdanken, daß, wie wir erfahren, das Werk be—
sonders in den Kreisen der Studirenden technischer Mittel
schulen und Hochschulen so große Verbreitung gefunden hat.
Daß es auch dem Praktiker und Verwaltungsbeamten von
größtem Nutzen ist, hat die bis jetzt stets günstige, aus den
verschiedensten Kreisen stammende Kritik oft genug hervorgehoben.
Es giebt kein Werk, das allen Wünschen in gleicher Weise
gerecht werden kann, so wenig es Autoren giebt, die unter sich
n allen Fällen gleicher Ansicht sind. Jeder ist überzeugt, nur
soviel über einen Gegenstand geschrieben zu haben, als zu
dessen Erläuterung unbedingt erforderlich ist, und jeder hält
das von ihm behandelte Gebiet für überaus und vorzugsweise
wichtig; das muß auch so sein im Interresse der Sache, und
wir verkenuen nicht, daß es sehr schwer ist, der Thätigkeit des
Finzelnen Fesseln anzulegen. Der Zwang, der andererseits in
Finhaltung eines bestimmten Umfanges ohne Einschränkung des
gesammten Stoffes für ein Werk wie das Lexikon vorliegt, be—
dingt aber gewisse Kürzungen in einzelnen Artikeln, die jedoch
unseres Erachtens nicht überall zu wohlausgeglichener Sachbe—
handlung geführt haben. Verschiedenen Artikeln, zum Beispiel
Flektrometallurgie, Photographie, Wasserversorgung, Wirkerei ꝛc.,
ist unseres Erachtens zu wenig, andern, zum Beispiel Bedürf—
nißanftalten, Bodenphysik, besonders aber den geodätischen Ar—
ikeln ꝛc., vielleicht zu viel Raum zugetheilt worden. Auch ist
im allgemeinen die Architektur nicht so umfassend behandelt, wie
zum Beispiel die Ingenieurwissenschaften. Diese kleinen Bean—
standungen können aber den hohen Werth des Lexikons in keiner
Weise beeinträchtigen und werden auch kaum unwidersprochen
bleiben, da man hierüber verschiedene Meinung sein kann.
Im Uebrigen hält das Werk in Bezug auf Umfang, Wissen—
schaftlichkeit des Inhalts und vorzügliche typographische Aus—
statiung Alles, was seinerzeit versprochen wurde. Die glückliche
Anordnung, daß jeder Autor — wie bereits erwähnt, ausnahms—
los hervorragende Sachverständige — mit seinem Namen für das
von ihm Behandelte einsteht, und die überaus sorgfältige Korrektur
des Werkes gewähren jedem Benützer die große Beruhigung für
die Auffindung des richtigen Weges. Bei der geradezu groß—
artigen Entwickelung der Technik in der Neuzeit entspricht das
Lexikon einem dringenden Beduͤrfnisse in vorzüglicher Weise und
ist, wie kein anderes Werk, geeignet, ein genaues Bild von dem
Stande der technischen Wissenschaften am Ende dieses Jahr—
hunderts der Nachwelt zu überliefern. Wir können daher nur
wünschen, daß das Werk eine wohlverdiente große Verbreitung
finde; es sollte unseres Erachtens an keiner Stelle fehlen, wo
Aufgaben aus dem Gebiete der Technik zu lösen sind. 5
ine Brücke von 20 20 Spannung auf einem derartigen Fundament er—
richtet. — Man trieb 10 Mannesmannrohre in den Boden ein und
pumpte durch dieselben dünnflüssigen Ceinent unter hohem Druck. War
auf diese Weise eine Schicht in Beton umgewandelt, so zog man die
Röhren etwas höher und begann das Betoniren der nächsten Schicht.
Auf diese Weise wurde ein großer Betonklotz gebildet, auf dem sich
dann das Bauwerk erhebt. Das Verfahren ist so gut gelungen, daß es
jedenfalls in Zukunft ausgedehntere Anwendung finden dürfte.
Ein Leitergerüst mit herausnehmbaren Stufen verfertigt
der Zimmermeister H. Jebe in Hamburg, Klosterallee Jus. Mänteist
einer außerordentlich einfachen Vorrichtung kann man ein ganzjes Leiter—
gerüst durch Entfernen der Sprossen zusammenpacken und ebenso leicht
wieder zusammenstellen. Ferner kann man bei ungleichem Terrain die
Sprossen zum Tragen der Laufbretter alle in horizontaler Lage anbringen
sodaß das neue Leitergerüst den darauf Arbeitenden neben absoluter
Sicherheit überall eine freie Passage längst der ganzen Fassade gewährt.
Für Maler können an jeder Leiter Sprossen zum Hinaufsteigen angebracht
werden. Alle anderen Leitern bleiben frei von Sprossen, sodaß die dar—
auf Arbeitenden bequem zwischen den Leiterbäumen hindurchgehen können.
Von den jetzt bestehenden Einrichtungen unterscheidet fich diese Reuheit
dadurch, daß man an jeder gewünschten Stelle Stufen ein- und aus—
nehmen kann, und daß Gerüstdielen zwischen die Leiterbäume gelegt werden
önnen, wodurch die Leitern selbst dichter an die Wand kommen und die
donsolen gänzlich wegfallen. Das Jebesche Gerüst verbindet also die
Bequeinlichkteit des Konsolleitergerüstes mit der größeren Stabilität des
rewöhalichen Leitergerüstes.
Verschiebung eiues Schulhauses in Budapest. Der vordere
Trakt des Schulhauͤses in der Mestergasse, welche verbreitert wird, fällt
n die Regulirungslinie und mußte demolirt werden. Ter Privatingenieur
Dorvth macht sich erbötig, dieses Schulhaus nach amerikanischem System
in die Regulirungslinie zu schieben, und im Falle des Mißlingens keinen
Ersatz seiner gehabten Kosten zu fordern. Das Ingenieuramt befürwortet
die Bewilligung dieses Projektes und beantragt den Ankauf von
284 Quadratklafter Grund rückwärts dieser Schule, um Raum zur Ver—
ichiebung zu gewinnen.
Vermischtes.
Ueber die Lage der Holzindustrie meldet der vorläufige Be—
icht der Handelskammer zu Lübeck pro 1898, daß das Jahr im All—
zemeinen günstig verlief, die Preise für die Lübecker Spezialität, gehobelte
sannene Fußböden, dagegen ließen immer mehr nach. Die sehr starken
Verkäufe von 1807 veranlaßten den Norden zu höheren Notirungen, die
iuch für alle Sorten Rothholz, wie für beschlagene Sparren und russische
Tischlerbretter durchgesetzt werden konnten. Dagegen wurden Frühkäufe
yon Weißholz auf die kob-Partien eingeschränkt. Da England das billigere
anadische Weißholz in größerem Umfange einführte und auch Frankreich
zrößere Bezüge darin machte, so mußte Schweden schließlich sein Weiß.
solz erheblich niedriger abgeben. Aber auch dann blieb die Zufuhr mäßig,
veil jetzt die Schiffsfrachten in ungewohnter Weise stiegen und das
Schiffsangebot sehr knapp war. Die Verladungen haben die des Jahres
1807 wohl übertroffen. Die Bestände in Sparren und Latten u. s. w
blieben klein, da das Angebot knapp, die Nachfrage aber beträchtlich war.
Lbenso fiel die Zufuhr von Brettern aus Memel und Königsberg gering
aus. Der massenhafte Import österreichisch-ungarischer Breilwaaute wird
in dieser Hinsicht für die minderwerthigen nordischen Tannenbretter sehr
bedrohlich und erschwert das hiesige Geschäft ungemein. Andererseits
bürgert sich mehr und mehr das amerikanische Kiefernholz ein, das sehr
astrein und billig ist Der milde Winter führte, bei reger Bauthätigkeit,
den Hobeleien eine sich steigernde Beschäftigung zu, sodaß die Großhobeleien
genöthigt waren, Lohnhobeleien heranzuziehen. Die Sägereien blieben
dahinter zurück, ebenso die feinere Hobelei, das Geschäft in Profilirungen
und dergleichen Artikeln. Sehr zu klagen ist über die sich verschärfende
Konkurrenz des Auslandes. Der Norden und seit einem Jahr auch
Amerika schicken fertige Feaster und Thüren; ferner liefert das Ausland
jetzt profilirte Leisten zu Bautischlerzwecken; aus Oesterreich-Ungarn
dringen geringe Bretter ein. Der Frachtenmarkt zeigte gegen den äußerst
rniedrigen Stand am Anfang des Jahres eine immer weiter steigende
Tendenz, besonders auch für kleine Segler. Die Frachten für Holz von
Schweden, Rußland (Finnland), Deutschland (Königsberg und Memel!
waren durchgehend fest und steigend; die Nachfrage nach Räumten über—
stieg dauernd das Angebot. — Die Tourdampfer konnten theilweise von
dem lebhaften Anziehen der Frachten gegen Ende des Jahres nicht den
vollen Nutzen sich aneignen, wie die in wilder Fahrt beschäftigten Fracht
dampfer.
Die Baumaterialien-Preise steigen noch immer, da allem An—
scheine nach eine gute Bausaison zu erwarten ist. Es kosten netto Kassa
Aufs—deicher Steine 23—526 Mk. ⁊Ab Schiff
che 2427, resp. Lage
re. 26 29 frei Bau)
inensteir 26⸗ 29 Aae
cendsteine 27. *0
Cement
Kalk 144
Gips 080
Lüneburger 50
gesiebt 7,80 ) pro
Bautechnische Notizen.
Um eine äußerst solide Fundirung für Bauwerke zu erhalten,
verfährt man vielfach so, daß man eine Baugrube ausschachtet und die—
selbe dann mit Stampfbeton ausfüllt. Die Kosten für eine derartige
Fundamentirung sind ziemlich hohe, da außer einer großen Menge
CTement auch die Bewegung nicht unbeträchtlicher Massen dazu nöthig ist.
Man ist schon seit lange bemüht, die Kosten, namenttich für den letzteren
Theil der Arbeit, soviel wie möglich zu verringern. Die befriedigendsten
Resultate scheint, wie wir einer Mittheilung des Internatoinalen Patent⸗
bureau Karl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6, entnehmen, ein Verfahren zu
liefern, bei welchem überhaupt keine Ausschachtungen für die Fundirung
nöthig sind, und welches darin besteht, den flüssigen Cement durch in
den Boden getriebene Röhren in den letzteren einzupressen. Allerdings
läßt sich das Verfahren nur anwenden, wo sandiger Untergrund vor—
handen ist. In der württembergischen Oberamtsstadt Ehingen wurde