Full text: Neubauten und Concurrenzen in Österreich und Ungarn : Organ für d. Hochbaufach u. seine Interessenten, I. Band (1895)

  
  
  
  
Seite 2. 
Ueber das Concurrenzwe 
In der Praterstrasse in Wien erhebt sich die Kirche 
zum. heiligen Johann von Nepomuk «als: ein dauerndes 
Denkmal des vormärzlichen Bauwesens in Oesterreich. 
. Auf die grosse Epoche der Barocke, des freien, 
gebundenen Schaffens und Schópfens war das Streben nach 
Einfachheit gefolgt, welches folgerichtig zur völligen Nüch- 
ternheit des classicistischen Styles führte. Derselbe war eine 
für Wien und Oesterreich keineswegs allein charakteristische 
Erscheinung, aber er ward hier nur noch physiognomieloser, 
armseliger: dadurch, dass eine oberste Baubehórde, der an 
den vielberufenen Hofkriegsrath erinnernde Hofbaurath, 
das gesammte Bauwesen auf's Peinlichste bevormundete, nach 
Regeln, Gesetzen undSchemen, wie man bei uns in Oesterreich 
sagt, nach dem Schimmel, Architektur »erzeugen« wollte. 
Ein Werk des bureaukratischen Bauwesens ist die 
obgenannte Kirche: der Architekt Aser musste drei von 
ihm vorgelegte Projecte, ein gothisches, ein romanisches und 
ein im Renaissancestyle gehaltenes, zu einem einzigen 
neuen verschmelzen, welches dann zur Ausführung kam. 
Als Kaiser Franz Josef L die grosse Umgestaltung 
Wiens inaugurirte, da erkannte der erlauchte Mácen der 
bildenden Künste auch, dass das freie, wetteifernde Schaffen 
selbststándiger Künstler der einzige Weg sei, der zu einer 
neuen Blüthe der Kunst führen könne. 
Der Hofbaurath wurde abgeschafft und die 
Bauaufgaben auf dem Wege beschränkter oder allgemeiner 
Wettbewerbe gelöst. Berühmt ist von 
die Concurrenz für die Votivkirche, aus welcher der junge, 
bis dahin unbekannte Heinrich Ferstel als Sieger hervor- 
ging. Aber wie sich in unserem ganzen óffentlichen Leben 
das. Streben bemerkbar macht, auf die Einrichtungen des 
Vormárz zurückzugreifen, so ist auch das Princip der 
Concurrenzen für öffentliche Gebäude fast ganz. fallen 
un- 
grossen 
diesen besonders 
gelassen worden und an seine Stelle ist wieder der Entwurf 
derselben. durch die Baubehórde getreten. Wenn es auch 
durchaus nicht bestritten werden Soll. dass den Behörden 
eine grosse Zahl von Talenten zur Verfügung steht, so 
ist doch nicht zu verkennen, dass der bureaukratische 
Gang des immer Wieder-Begutachtens und der Einfluss. 
nahme durch Vorgesetzte und andere mitmassgebende 
Behórden eine stete Aenderung des Projectes zur Folge 
hat. Hierzu tritt die peinliche Sorge, mit de n vorgeschriebenen 
Mitteln unter allen Umstánden auszukommen , 
gerade zu Ersparnissen an jenen Stellen führt, wo 
die Architektur zur Kunst erhebt. Alle Umstände 
nehmen den von Baubehórden verfertigten Projecten das 
individuelle Gepráge — das hóchste Streben 
wobei andererseits gerechter Weise anerkannt werden muss, 
dass der Nützlichkeitsstandpunkt in denselben i 
sehr gelungener Weise gewahrt ist. 
Die Priv: itbauthätiokeit 
Concurrenzen ihre Pläne 
nicht nur meist das Geld, 
wendige Zeit. Auch wird durch den unmittelbaren Ver 
kehr zwischen dem Bauherrn i und einem tüchtigen Archi 
tekten. das Privathaus, welches ja eine persönliche Auf- 
gabe ist, meist anpassender projectirt werden, 
als ‘auf dem W ege offenen Wettbewerbes wo der 
Künstler weder den Bauhe rrn, noch dessen Wünsche, 
dürfnisse, Gewohnheiten und Anse hauungen kennt. 
Ganz anders liegen die Verl öffentlichen 
Bauten, wo für allgemeinverstindliche, dem gesammten 
Gemeinwesen die nende und darum bed 
die w ürdigste Form gefunden 
mitthun können. die 
Beste werde ausgewählt und ausge führt. 
Wege hat die heranwac hsende 
legenheit zur Bethätigung ihres Könnens, und der 
würde ‚hierbei seiner Aufgabe Genüge thun. wie alle 
SO auch die Baukunst zu fördern und zu heben. 
In Wien hat unseres Erinnerns seit mehr 
einem Jahrzehnt kein öffentlicher Wettbewerb von 
was 
sich 
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jeder Kunst 
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leicht. durch 
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noch die noth- 
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esen in Oecesterreich. 
wegen stattgefunden ; nur zwei private Concurrenzen waren 
in dieser Zeit ausgeschrieben worden: Für die Producten- 
bôrse und das kaufmännische Vereinshaus. In beiden Fällen 
war das Ergebniss ein sehr befriedigendes. Die Concurrenz 
für den Regulirungsplan von Wien hat wohl kein direct 
verwerthbares Resultat geliefert; wer ein solches erwartet 
iat, hat eben zu viel erwartet. Aber áuch 
nicht die Fülle von Ideen für die Regulirung gebracht 
hätte, wie es thatsächlich der Fall war, schon das eine 
Ergebniss, welches sie im Gefolge gehabt hat, dass man sich 
berufenen Ortes endlich bemüssigt einem 
im Stadtbauamte eine einflussreiche Stellung: einzuräume 
um bei der Neugestaltung der Stadt auch den künstlerischen 
Standpunkt zu wahren, ist bedeutsam genug. 
Hat aber in dem letzten Jahrzehnt der Staat nicht 
auch grosse Bauten projectiren und ausführen 
Von den vielen staatlichen Barolo seien .nu 
erwáhnt die verschiedenen Universitáts- und Schul bauten 
eine neue Hochschule für Bodencultur in Wien, die 
Bauten für Post-, Telegraphen- und Justizzwecke, das 
'gationsgebáude in Budapest — lauter 
wahrlich nicht unbedeutende Aufgaben für dei 
tekten. Alle diese Projecte wurden von der Oeffentlich! 
beeinflusst, in der Stille der amtlichen Baubı 
Ist aber das staatliche Bauwesen bei uns wieder fast 
ganz bureaukratisirt, so erlebt der Wettbewerb eine be- 
scheidene Blüthe auf anderem Boden, freilich 
Auswüchsen und Missständen: 
Die kleineren Gemeinden haben erk: 
Vortheil der Wettbewerb nicht blos für die Architekten 
sondern auch für die Bauherren bietet und trachten il 
Bauaufsraben zum Theil auf diesem Wege zu lósen. 
Aber ird vom Architekten gefordert und 
wird ihm geboten? Da soll das Conc urrenzproject 
Regel enthalten: alle Grundrisse, Schnitte und 
im Massstabe 1:100. Details der 
Architektur , womöglich noch Pläne für die H 
manchmal auch eine perspectivische Ansicht, al 
Falle einen Kostenvoranschlag. Und d 
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wenig ist aber diese Hoffnung 
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und lassen dieselben dann dur ihre eigeren- Organe 
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Folgendes passirt: Eine Gemeinde 
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